Umstrittener Verein:Eher bedrängt als beraten

Umstrittener Verein: Forderte 2020 die Stadt München auf, die Beratungsstelle von Pro Femina zu schließen: Marie Burneleit, Stadträtin von Die Partei.

Forderte 2020 die Stadt München auf, die Beratungsstelle von Pro Femina zu schließen: Marie Burneleit, Stadträtin von Die Partei.

(Foto: Robert Haas)

Mit welchen Mitteln Pro Femina gegen Schwangerschafts­abbrüche kämpft

Mit welchen Mitteln um den Einfluss auf Schwangere gekämpft wird, zeigt exemplarisch der Fall von Pro Femina. Den Verein, der seinen Sitz in Heidelberg hat, verortet die Stadt in das "Spektrum der Abtreibungsgegner". Pro Femina ist, im Gegensatz zu Pro Familia und anderen Stellen, staatlich nicht anerkannt und darf damit keine Beratungsscheine ausstellen, die Voraussetzung für den Großteil der Abtreibungen sind. Der Verein "firmiert als Schwangerschaftskonfliktberatung, aber mit dem erklärten Ziel, Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern", heißt es von der Stadt weiter. Laut eigenen Angaben hat Pro Femina seit seiner Gründung insgesamt mehr als 33 000 Frauen beraten.

Und das kann für die betroffenen Frauen zu Problemen führen, wie Eva Zattler von Pro Familia erzählt. "Die Frauen, die dort waren, haben sich bedrängt gefühlt. Es ging mehr darum, deren innere Haltung zu wenden, statt ein Hilfsangebot zu machen." Die Beratung hätte zudem mehrere Stunden gedauert. Erst am Ende habe sich herausgestellt, dass Pro Femina keine anerkannte Beratungsstelle ist. Auf der Website des Vereins ist dies am untersten Ende in kleiner Schrift vermerkt. Auf Anfrage verweist der Rechtsanwalt von Pro Femina darauf, dass die Vorwürfe zu unkonkret seien. Frauen, die sich für die Beratung interessieren, und Besucher der Website würden darauf hingewiesen, dass es sich um keine staatlich anerkannte Beratung handle. Zwischen den Namen "Pro Familia" und "Pro Femina" bestehe außerdem keine Verwechslungsgefahr, weil sich die lateinischen Worte für "Familie" und "Frau" unterscheiden würden.

Marie Burneleit, Stadträtin von Die Partei, hatte vergangenes Jahr von der Stadt gefordert, die Beratungsstelle von Pro Femina in München zu schließen. "Mir war es nicht nur persönlich, sondern auch politisch wichtig, denen so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen", sagt Burneleit. Die Politikerin hatte selber bereits einen Schwangerschaftsabbruch. Die gesamte Rechtslage mit Beratungsregel, demonstrierende Abtreibungsgegner oder Pro Femina - all das macht Burneleit wütend. "Es passiert einfach nicht, dass eine Frau leichtfertig einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lässt. Das ist ein Märchen."

Nach dem Antrag von Burneleit prüfte die Stadt, ob sie die Beratungsstelle von Pro Femina schließen kann. Das sei nicht der Fall, die Stadt sei dazu nicht befugt. Die Regierung von Oberbayern hat zudem geprüft, ob Pro Femina verboten werden kann, das Wort "Schwangerschaftskonfliktberatung" zu verwenden. Vom zuständigen Ministerium heißt es, dass hierfür keine Rechtsgrundlage bestehe.

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