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Umstrittener S-Bahnhof:Nächster Halt: Freiham

Spatenstich für die 150. Station im MVV-Bereich: Der umstrittene S-Bahnhof Freiham im Münchner Westen soll 2013 eröffnet werden. Anwohner haben ein Bürgerbegehren angekündigt.

So ein Spatenstich ist eine anstrengende Sache. Gut, dass gleich im Anschluss der fränkische Bratwurstkönig Klaus Lindner aus Pegnitz zur Stärkung Grillspezialitäten auf "Weggla" und Teller häuft. "Lamm?", fragt er die in der Freihamer Brache Schlange stehenden Gäste.

Noch ein Zukunftsbild: Der S-Bahnhof Freiham soll einmal inmitten des neuen Stadtteils liegen.

(Foto: oh (Simulation))

Lammfromm sind an diesem Tag die Aubinger. Obwohl der neue, 150. S-Bahnhof im MVV-Bereich, der dort einmal entstehen soll, nicht nur nach ihrem Geschmack ist. Weil nämlich der neue Halt zwischen Neuaubing und Harthaus nur ein paar hundert Meter vom Gut Freiham entfernt ist, muss der dortige Bahnübergang aufgelöst und durch eine Unterführung ersetzt werden.

Diesem Umbau fallen auch fünf Bäume auf der Ostseite der Freihamer Allee zum Opfer. Vielen Aubingern, angeführt vom umtriebigen SPD-Stadtrat und Bezirksausschussvorsitzenden Josef Assal, schmeckt das überhaupt nicht. Sie und die benachbarten Germeringer protestierten, demonstrierten - und kündigten zuletzt sogar ein Bürgerbegehren an. Das, warnte die Bahn, würde den Bahnhofsbau massiv verzögern. Der Bund Naturschutz wiederum empfand diesen Einwurf als "glatte Erpressung".

Und jetzt? Beim Spatenstich am Dienstag sind jedenfalls keine Demonstranten zu sehen - und auch keine Stadtteilpolitiker. Heiko Hamann, Leiter des Bahnhofsmanagements München bei der DB Station und Service AG, verkündet: "Am 13. September 2013 wird die neue S-Bahnstation eröffnet." Der 13. ist ein Freitag. Irgendwie passend für das "diffizile, sensible" Bauvorhaben? Der designierte Kommunalreferent Axel Markwardt sieht die Sache entspannt: "Ein gutes Projekt macht Schwierigkeiten."

Bis zu 20.000 Menschen werden dort, wo sich heute nördlich der Bodenseestraße noch grüne Wiesen erstrecken, in fünfzehn Jahren einmal leben. "Wenn im Jahr 2014 die ersten Wohnungen gebaut werden", da ist Markwardt zuversichtlich, "dann sind die öffentlichen Verkehrsmittel schon da." Doch nicht nur für die künftigen Bewohner der "letzten ganz großen Entwicklungsfläche Münchens" sei der Bahnhof wichtig - auch die Firmen im Gewerbegebiet Freiham-Süd und die Interessenten für den benachbarten Technologiepark sehen eine guten Anbindung gerne.

Und damit auch die Stadt und deren Kommunalreferat, das die Grundstücke vermarktet. Offenbar erfolgreich: 60 Prozent der in städtischem Besitz befindlichen Flächen im Gewerbegebiet seien in den vergangenen sechs Jahren schon weggegangen. Das lässt sich die Stadt dann auch einiges kosten: 7,7 der insgesamt zehn Millionen Euro für Bahnhofs- und Unterführungsbau übernimmt sie selbst, den Rest der Freistaat. Die Staatsregierung hat keinen Vertreter zum Spatenstich geschickt, Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) lässt aber per Presseerklärung wissen, dass damit "der Münchner Westen noch attraktiver" werde.

An die zweigleisige Strecke werden auf der Nord- und Südseite 210 Meter lange und vier Meter breite Außenbahnsteige gebaut, die von Herbst 2013 an nach Prognosen der Bahn täglich von bis zu 11 000 Menschen genutzt werden. Der Zugang erfolgt über 2,40 Meter breite Rampen von der Anton-Böck-Straße und eine neue Unterführung. Die beiden Außenbahnsteige erhalten zwischen den Aufgängen 140 Meter lange und vier Meter breite Dächer.

Die Bahn bringt ihre Freihamer Schäfchen ins Trockene. Und die übrigen Münchner - müssen sie mit Behinderungen während der Bauarbeiten "unterm rollenden Rad" rechnen? Oder mit größeren Taktveränderungen durch den neuen Bahnhof? Weder noch, versichert Hamann: Alles eingetaktet. Auch die Bahn zeigt sich an diesem Tag lammfromm.