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Umnutzung:Was tun mit Häusern, die nicht mehr gebraucht werden?

Man kann sie abreißen - oder etwas Neues aus ihnen machen. In manchen Fällen etwas Einzigartiges.

Von Alfred Dürr

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Bunker - Hinter dicken Mauern

Ehemaliger Bunker in München wird Wohn- und Bürohaus, 2014

Quelle: Florian Peljak

Wohnen oder Arbeiten hinter meterdicken Mauern, in einer Trutzburg mit beklemmender Vergangenheit: Das trifft nicht nur auf den Umbau des ehemaligen Frauengefängnisses zu, sondern auch auf neue Nutzungen von Hochbunkern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein gelungenes Beispiel für eine solche Veränderung ist der Bunker aus dem Jahr 1943 an der Ungererstraße, Ecke Crailsheimstraße. Der Immobilienunternehmer Stefan Högelmaier baute zusammen mit dem Büro Raumstation Architekten diesen Bunker in ein modernes Wohn- und Bürohaus um, das mit dem hellen Putz und großen neuen Fensterflächen geradezu elegant und attraktiv wirkt. Die Kombination aus Alt und Neu sowie aus der kontrastreichen Kombination verschiedener Materialen hat in der Fachwelt Anerkennung gefunden. Aus einem abweisenden Klotz wurde ein Bauwerk, das an die Vergangenheit erinnert, aber auch neue Akzente im Stadtgefüge setzt.

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Heizkraftwerk - Luxus im Fremdkörper

Luxuswohnturm "The Seven" in München, 2015

Quelle: Florian Peljak

Aus einem 56 Meter hohen Luxus-Wohnturm gleich um die Ecke vom Viktualienmarkt und in der Nähe des Gärtnerplatzes den Blick auf die Altstadt und die Berge genießen - so eine Lage gibt es in München kein zweites Mal. Das Unternehmen Alpha Invest Projekt realisierte zusammen mit der Immobilientochter der Landesbank Baden-Württemberg auf dem ehemaligen Heizkraftwerk-Gelände an der Müllerstraße das exklusive Stadtquartier. Nach den Plänen des Berliner Architektenbüros Leon Wohlhage Wernik wurde der Maschinenturm aufwendig umgebaut. Kein anderes Wohnhaus ragt derart aus der Altstadtsilhouette heraus. Zu dem Gesamtkomplex gehören die Neubauten eines sogenannten Atriumgebäudes ebenfalls mit Wohnungen und ein Bürokomplex. Die Kritik, hier sei ein protziger Fremdkörper entstanden, konterten die Investoren: Es sei das Heizkraftwerk gewesen, das nie ins Viertel gepasst habe.

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Flughafen-Tower - Aus dem Dornröschenschlaf

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Quelle: Alessandra Schellnegger

Lange Zeit stand der Kontrollturm des ehemaligen Flughafens ziemlich verloren mitten auf dem Tower-Grundstück an der Eingangszone zur Messestadt Riem. Der 35 Meter hohe Bau mit der rostbraunen Fassade und der Glaskanzel auf dem neunten Obergeschoss sollte an die alten Airport-Zeiten erinnern, aber er blockierte auch die Entwicklung des Areals um ihn herum. Potenzielle Investoren konnten mit dem Denkmal nichts anfangen. Schließlich beendete das Unternehmen Wöhr und Bauer in Zusammenarbeit mit Brainlab, einem der weltweit führenden Konzerne für Medizintechnik, den Dornröschenschlaf. Um den Tower entstand ein Büro-Neubau, der Kontrollturm wurde von Grund auf saniert (Büro Kattawittfeldarchitektur). Jetzt befinden sich dort Veranstaltungs- und Präsentationsräume. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich bei der Eröffnung der Brainlab-Zentrale angetan von der neuen Nutzung des Turms.

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Siemens-Hochhaus - Wohnungen statt Büros

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Quelle: Meili, Peter

Das 75 Meter hohe Siemens-Hochhaus in Obersendling mit seinen 23 Stockwerken wurde zu Beginn der Sechzigerjahre nach Plänen des Architekten Hans Maurer errichtet. Damals war der Turm das höchste Bürogebäude Münchens. Es gilt als ein wichtiges Zeugnis der Nachkriegsarchitektur. Doch die markante Gestalt des eher nüchtern wirkenden Quaders, die in den Jahren des Wiederaufbaus Zeichen von Modernität war, überzeugte manche Kritiker nicht mehr. Der alte Kasten solle weg, hieß es. Er versperre nur die Sicht auf die Alpen. Doch ein Abriss des Baudenkmals kam nicht in Frage. Das Hochhaus sollte für das ehemalige Siemensareal, das sich zu einem großen Wohnquartier entwickelt, ein besonderes Markenzeichen sein. Die Isaria Wohnbau plant in dem Bauwerk 270 Wohnungen. Das Architektenbüro Meili, Peter hat den Wettbewerb für den Umbau gewonnnen. Das Gebäude wird auch eine neue Fassade erhalten.

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Arbeitsamt - Teures Lebensgefühl

Designerwohnanlage von Philippe Starck in München, 2016

Quelle: Florian Peljak

Er gilt als einer der wichtigsten Baumeister, der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts das Erscheinungsbild der Stadt prägte: Hans Grässel. Ein zentrales Projekt war die Anlage des Waldfriedhofs. Aber er plante auch das erste Arbeitsamt der Stadt an der Thalkirchner Straße. Das imposante Bauwerk im neubarocken Stil war bis vor zehn Jahren eine Behörde der Bundesagentur für Arbeit. Dann wurde es nicht mehr als Bürogebäude benötigt und verkauft. Das Büro GSP Architekten baute den denkmalgeschützten Komplex im Innern zu einem Wohnhaus der gehobenen Preisklasse um. Neu war, dass der Investor - die Vivacon AG - hier großzügige Flächen mit einem exklusiven Markenimage schuf und zwar in Zusammenarbeit mit dem Designer Philippe Stark. Die zahlungskräftige Kundschaft sollte damit nicht nur vier Wände erwerben, sondern auch ein bestimmtes Lebensgefühl. Entsprechend showmäßig wurde dann auch die neue Wohnwelt präsentiert.

© SZ vom 25.07.17/bhi
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