Umbaupläne Der magische Ort Olympia-S-Bahnhof muss bleiben

Die alte S-Bahnstation Olympiastadion ist heute ein Biotop.

(Foto: Robert Haas)

Die Gleise, die für einen Grünzug herausgerissen werden sollen, gehören zum Ensemble des Olympiaparks - und sollten genauso wie dieser unantastbar sein.

Kommentar von Anita Naujokat

Die derzeitige Verwilderung hin oder her: Der ehemalige Olympia-S-Bahnhof ist ein magischer Ort. Dort alleine auf einem der alten Gleise zu stehen und ihnen mit dem Blick in die Ferne zu folgen, hat etwas. Oder sich vorzustellen, wie während der Olympischen Spiele 1972 hier die Züge anrollten und Sportbegeisterte zu Tausenden zu den Stadien brachten.

Diesen Ort möchte die Stadt nun zu einem durchgängigen Grünzug mit Freizeitcharakter bis zu den Seen im Münchner Norden ausbauen. Die SPD-Fraktion im Stadtrat will dazu die Schienen herausreißen, die unter Denkmalschutz stehen. Sie will das Alte herausrupfen, um diesen Ort als neuen Park erlebbar zu machen.

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Dieser Vorstoß und mehr noch die Dimension, die die Debatte angenommen hat, ist völlig unverständlich. Warum muss alles Alte immer plattgemacht, muss Geschichtsträchtiges gar vernichtet, müssen Zeugnisse wichtiger Ereignisse zerstört werden? Nicht von ungefähr wird dieses Gelände bis heute Olympia-Bahnhof genannt.

Die Gleise und auch das frühere Bahnhofsgebäude, das saniert und zu einem Begegnungsort für Jugendliche werden soll, gehören zum Ensemble des Olympiaparks, an das sich auch niemand heranwagen würde. Gut, die Gleise liegen eher am Rande, vom eigentlichen Olympiapark durch die Landshuter Allee abgetrennt, aber sie sind eben ein Teil davon.

Warum also sollen sie weichen? Sie stören weder die anstehende Bodensanierung von Altlasten noch die folgenden Pläne für einen Grünzug. Und wenn sie bleiben, kann sich derjenige, der noch Bewusstsein und Sensibilität für Orte mit Geschichte besitzt, weiterhin der Magie oder auch der Nostalgie hingeben.

Diese Debatte wird erneut aufflammen, wenn es um die künftige Gestaltung des Grünzugs geht. Was aber soll sie? Zumal es für die Stadt auch finanziell günstiger ist, die Gleise dort zu lassen, wo sie sind. Denn die Holzschwellen müssen im Fall ihres Ausbaus als Sondermüll entsorgt werden, sie sind wie seinerzeit üblich mit einer ölhaltigen Imprägnierung versehen worden. Doch das nur am Rande - als ein Sachargument für eine vor allem emotionale Frage.