Umbau Pasinger Einzelhändler fordern Schadenersatz - wegen Bauarbeiten

Der neugestaltete Pasinger Marienplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Durch die Umbauarbeiten im Zentrum Pasings sehen sich viele Einzelhändler finanziell geschädigt.
  • Sie wollen Schadenersatz von der Stadt.
  • OB Reiter weist allerdings jede Verantwortung zurück.

Was, wenn städtebauliche Maßnahmen einem das Geschäft ruinieren? 18 Pasinger Einzelhändler sehen sich durch die massiven Bauarbeiten der vergangenen Jahre zur Umgestaltung des Pasinger Zentrums rund um den Marienplatz finanziell geschädigt. Sie haben sich zusammengeschlossen, um Schadensersatz vom Münchner Baureferat zu fordern.

Einzelne Händler streben dabei Ausgleichszahlungen für Gewinneinbrüche im sechsstelligen Bereich an. Von 2009 an wurde sechs Jahre lang an verschiedenen Stellen gebaut. Durch die aufgerissenen Straßen und Gehwege, den Baulärm und Staub mieden manche Kunden die Geschäfte im Zentrum Pasings. "Die Baustelle war ein einziges Chaos, Mütter mit Kindern mussten über Holzbretter zu mir in den Laden laufen", so Jens Krumpholz, Inhaber der Parkettbörse.

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Ihre Umsatzverluste wollen Jens Krumpholz und die Betreiber von Schreibwarenhandlungen, Konditoreien und Fahrradläden so nicht länger hinnehmen. 18 Pasinger Einzelhändler sind dem Aufruf von Jens Krumpholz gefolgt und haben sich zur Interessensvertretung "Standortgeschädigte Pasing" zusammengeschlossen.

Mit ihren Forderungen haben sie sich an den Anwalt Michael E. Duvernoy gewandt. Auch er findet, dass die Baumaßnahmen und deren Folgen über das rechtlich zumutbare Maß hinausgegangen seien. "Zunächst streben wir noch eine außergerichtliche Einigung mit der Stadt München an", sagt Duvernoy.

OB Reiter weist alle Verantwortung zurück

In einer ersten Reaktion hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schon im Februar jegliche Verantwortung für die Umsatzeinbrüche der Einzelhändler von sich gewiesen: "Grundsätzlich sind Bauarbeiten über mehrere Monate entschädigungslos hinzunehmen (sog. Toleranzzeit)." Die betroffenen Geschäftsinhaber sehen das anders: "Lieferwege waren über längere Zeit komplett versperrt und die Übergänge nicht ausreichend gesichert", sagt etwa Jens Krumpholz.

Vor einer Klage will Anwalt Duvernoy versuchen, den Schaden der Geschäftsleute auf die Tagesordnung des Stadtrats zu bringen. "Wenn das nicht hilft, werden wir Klage gegen die Stadt erheben", so der Anwalt: "Es gibt durchaus Aussichten auf Erfolg vor Gericht. Auch in Heidelberg wurden ortsansässige Geschäfte nach dem Umbau über einen Unterstützungsfonds entschädigt."

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