Umbau am Marienplatz Rotlicht-Bahnhof

Unter dem Marienplatz soll es bald rot leuten. Damit das neue Untergeschoss nicht so kühl wirkt, planen Architekten und Lichtdesigner eine farbige Decke. Bis spätestens 2015 soll der 30 Millionen Euro teure Umbau beendet sein - die Experten der Stadt sind von der Gestaltung begeistert.

Von Marco Völklein

Die Zukunft des Untergeschosses unter dem Marienplatz verbirgt sich hinter einer schmucklosen Wellblechverkleidung im U-Bahn-Zugang an der Weinstraße hinter dem Rathaus. Die Stadtwerke haben dort zusammen mit dem Architektenbüro Allmann Sattler Wappner und dem Lichtdesigner Ingo Maurer auf ein paar Quadratmetern einen Musterraum angelegt.

Die Farbe Rot wird vom Jahr 2015 an im Zwischengeschoss unter dem Marienplatz dominieren. Simulation: Allmann Sattler Wappner

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Für den Normalbürger ist dieser Raum nicht zugänglich, nur die Mitglieder der Stadtgestaltungskommission konnten am Dienstagabend schon mal einen Blick werfen auf das neue Gewand, in dem das Untergeschoss unter dem Marienplatz vom Jahr 2014 oder 2015 an erscheinen soll.

Überraschend ist: Die Farbe Rot soll dominieren, zumindest im zentralen Aufenthaltsbereich direkt unter dem Marienplatz, wo die Rolltreppen und Aufzüge hinunterführen zu den Bahnsteigen von U- und S-Bahn. Mit roten Deckenplatten und speziell entwickelten LED-Leuchten wollen die Architekten und der Lichtplaner Maurer die auf den Bahnsteigen vorherrschende Farbe Rot-Orange auch im Zwischengeschoss aufgreifen. Schließlich prangt die Farbe seit mehr als 40 Jahren auch an den Ticket- und Imbissbuden, die das Zwischengeschoss prägen - und gibt dem Bahnhof sein charakteristisches Erscheinungsbild. Doch mit der Umgestaltung des Zwischengeschosses werden die kleinen Buden verschwinden; die Architekten haben stattdessen größere Ladenflächen in den Randbereichen des Zwischengeschosses vorgesehen. Wer künftig zum Beispiel vom Abgang vor dem Kaufhof zu den Rolltreppen in der Mitte läuft, wird durch eine Art "Einkaufsgasse" gehen und an zahlreichen Läden mit großen Glastüren vorbeikommen, ähnlich wie im neu gestalteten Stachus-Untergeschoss. In diesen Gassen wird die Decke nicht rot, sondern weiß sein, das Licht werden normale Leuchtstoffröhren statt LEDs spenden.

Die neuen Verkaufsflächen sollen den Stadtwerken zusätzliche Mieteinnahmen bescheren. Mit dem Geld soll ein Teil der 25 bis 30 Millionen Euro wieder hereingeholt werden, die die Stadtwerke in den Umbau und die Sanierung des Untergeschosses stecken. An der Oberfläche sind die Arbeiter bereits seit Monaten damit beschäftigt, die Deckenfugen abzudichten, über die in den vergangenen Jahren Salzwasser (vom Streugut des Winterdienstes) in das Bauwerk eingedrungen ist und die Betonkonstruktion angegriffen hat.

Zudem wurden bereits die Abgänge vor dem Hugendubel und vor dem Kaufhof saniert, derzeit ist der Abgang an der Dienerstraße dran. Dieser bleibt auch bis zum Abschluss der Arbeiten gesperrt, weil dort das Baumaterial in den Untergrund geschafft wird.

Die Umgestaltung des Zwischengeschosses selbst wollen die Stadtwerke in den nächsten Wochen angehen - immer in kleinen Abschnitten werden Arbeiter Decken, Wand- und Bodenverkleidungen herausreißen, gegebenenfalls den angegriffenen Beton dahinter sanieren und anschließend die neuen Materialien einbauen. Bis zum Jahr 2015 soll alles fertig sein. Die rot-orangene Farbgestaltung der Decke jedenfalls kam bei den Mitgliedern der Stadtgestaltungskommission am Dienstagabend gut an.

Einstimmig segneten sie die Pläne ab. Von einer "mutigen Lösung" und einer "Bereicherung" sprach Heimatpfleger Gert F. Goergens. Lediglich CSU-Stadtrat Walter Zöller merkte spitz an, ob denn die Vorgabe für die Farbe Rot aus dem rot-grün regierten Rathaus gekommen sei.

Keinerlei Veränderungen sind übrigens auf den Bahnsteigen von U- und S-Bahn vorgesehen. Auch die charakteristischen blauen Kacheln an den Abgängen zu den Bahnsteigen sowie an einigen Abgängen von der Oberfläche sollen erhalten bleiben. Die Farbgebung dieser Kacheln wollen die Architekten "in einem Dialog" aufgreifen, wie Ludwig Wappner sagte, und in speziellen Paneelen verwenden, die die Arbeiter zum Beispiel hinter den Fahrscheinautomaten an die Wand dübeln sollen. Um den Farbton möglichst genau zu treffen, hatten Wappner und Lichtgestalter Maurer über Monate in Maurers Designatelier in Neuaubing getüftelt.