bedeckt München 24°

Ulla Holthoff im Porträt:Mutter des modernen Fußballs

Ulla Holthoff ist stolz auf ihre Söhne, aber auch auf das, was sie beruflich erreicht hat.

(Foto: Catherina Hess)

Otto Rehhagel verweigerte ihr ein Interview, Kollegen unterstellten ihr Ahnungslosigkeit: Ulla Holthoff war die erste Frau, die im Fernsehen ein Fußballspiel kommentierte. Noch heute hat sie einen direkten Draht zur Nationalelf: Mats Hummels ist ihr Sohn.

Schon ein paar Stunden bevor die Nachricht durchsickert, weiß sie davon. Und zwar aus erster Hand. Mats Hummels würde nicht spielen können gegen Algerien im WM-Achtelfinale. Doch die Journalistin, die in ihrem Haus in München-Waldperlach viel früher von der Erkrankung des Nationalspielers erfährt als sämtliche Investigativ-Kollegen in Brasilien, behält alles für sich. Nicht, dass Ulla Holthoff nicht wüsste, was eine exklusive Nachricht wert ist. Aber schließlich handelt es sich bei jenem Fußballer, der mit einer fiebrigen Erkältung das Bett hüten muss, um ihren Sohn - er hatte sie per SMS über seinen Ausfall informiert.

Der Sportpublizist Oskar Beck hat sie in einer Kolumne einst "Die Mutter des modernen Fußballs" genannt und festgestellt: "Ohne Ulla Holthoff wäre der deutsche Fußball arm dran. Fragen Sie Jogi Löw." Womit Beck nicht nur ihre familiäre Rolle meint, neben Borussia-Dortmund-Profi Mats hat sie in Jonas Hummels, der beim Drittligisten SpVgg Unterhaching spielt, noch einen weiteren kickenden Sohn.

Beck zielte auch auf ihre beruflichen Erfolge ab, denn die 56-Jährige schaffte es, sich in einer Branche durchzusetzen, in der es Frauen vor allem in der Vergangenheit besonders schwer hatten: Sie war die erste Frau, die im Fernsehen ein Fußballspiel kommentierte und hatte später die Idee, am Sonntagvormittag einen Fernseh-Stammtisch über den aktuellen Bundesligaspieltag ins Programm zu nehmen. Mittlerweile ist der "Doppelpass" fest etabliert und diente zahlreichen anderen Talkshows über das runde Leder als Vorbild.

Bücher gab es nur in der Pfarrbücherei

Warum sie Journalistin geworden ist und wieso ausgerechnet im Sport, das kann Ulla Holthoff rational erklären: Sie stammt aus der westfälischen Provinz, aus Welver, eine Gemeinde in der Soester Börde, gelegen zwischen den Städten Soest und Hamm. "Ich komme aus armen Verhältnissen ohne Zugang zur Bildung", sagt sie. Das erste Telefon schafften ihre Eltern an, da war sie 18. Bücher gab es nur in der Pfarrbücherei. Der Vater hatte das Schusterhandwerk gelernt, doch in dieser Gegend konnte er damit kein Geld verdienen, also wurde er Bahnarbeiter.

Zu Hause ging es streng zu, vor allem die Mutter hielt sich mit ihrer Erziehung an das damals prägende Leitmotiv: Mädchen sollten frühzeitig auf ihre Rolle als Ehefrauen vorbereitet werden. Doch die Tochter wollte sich damit nicht abfinden: "Ich leistete Widerstand, rebellierte, war immer in der Opposition", sagt sie. Vor allem das Gefühl, sie sei vom Informationsfluss der großen weiten Welt abgeschnitten, nervte Ulla Holthoff. "Ich wollte Journalistin werden, um das Leben kennenzulernen, das mir in meiner Jugend immer vorenthalten blieb."

Fußball-WM Hummels fit, Kramer mit Schüttelfrost
WM-Ticker
DFB-Elf

Hummels fit, Kramer mit Schüttelfrost

Der Dortmunder Abwehrspieler kann gegen Frankreich spielen, Christoph Kramer plagt sich im Krankenbett. Nigel de Jong fehlt Holland im Viertelfinale. Diego Maradona nörgelt über die Nationalelf Argentiniens.

Heute ist ihr Vater 87 Jahre alt und stolz auf das, was seine Tochter und seine Enkel erreicht haben. Sie erzählt: "Einmal sagte er zu Mats: Seit du bei der Borussia spielst, bin ich der König von Welver."

Auf dem zweiten Bildungsweg machte Holthoff schließlich ihr Abitur, über die Lokal- und die Sportredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung ( WAZ) schaffte sie als 19-Jährige den Einstieg in den Journalismus. Als sie sich zwei Jahre später um ein Volontariat bewarb, erschien das auf den ersten Blick aussichtslos: "Ich hatte kein Studium, war eine Landpomeranze und fühlte mich dumm." Dass sie dennoch genommen wurde, hat wohl damit zu tun, dass einer der WAZ-Verleger ebenfalls Holthoff hieß und man sich deshalb nicht traute, sie zu übergehen: Sie könnte ja mit dem Chef verwandt sein.

Zu diesem Zeitpunkt war Ulla Holthoff längst mit dem Fußballer Hermann Hummels liiert, den sie schon aus ihrer Schulzeit kannte. Er kickte in den obersten Amateurligen, für den Bonner SC, FV Bad Honnef und die Hammer SpVgg. Später war er sogar mal ein Jahr lang Zweitligaprofi, bei der TuS Schloss Neuhaus. Er verstärkte ihre Begeisterung für diesen Sport, die ihren Ursprung in frühesten Kindheitstagen hatte: "Mein Elternhaus lag zwischen dem örtlichen Fußballplatz und der Schule, wo sich die Mannschaften vor den Spielen umgezogen haben. An das Klackern der Stollen in der Sonntagsstille, wenn sie bei uns am Haus vorbeigegangen sind, erinnere ich mich heute noch", sagt Holthoff.