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Obergiesing:Die Herberge neben dem Uhrmacherhäusl steht zum Verkauf

Das gelbe Haus an der Oberen Grasstraße 6 muss erst von Grund auf saniert werden, ehe sich hier jemand niederlassen kann.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer die sanierungsbedürftige Immobilie aus dem Jahr 1845 für 780 000 Euro erwerben will, muss etliche Auflagen erfüllen. Und am besten ein Giesinger Handwerker sein.

Als vor etwa eineinhalb Jahren das sogenannte Uhrmacherhäusl widerrechtlich abgerissen wurde, fiel der Blick vieler Beobachter schnell auf ein benachbartes Anwesen: An der Oberen Grasstraße 6 steht ebenfalls ein Handwerkerhaus, wie es typisch für die Feldmüllersiedlung ist. Es steht schon länger leer und verfällt zusehends. Schnell wurde da der Vorwurf erhoben, die Stadt als Eigentümerin würde sich nicht genügend darum kümmern und potenziellen Wohnraum verkommen lassen.

Tatsächlich aber war es auch wegen des relativ hohen Investitionsbedarfs für relativ wenig Wohnraum, der außerdem nur einem begrenzten Personenkreis angeboten werden konnte, bislang nicht möglich, einen Käufer zu finden. Jetzt wird erneut ein Versuch gestartet: Die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) hat das Herbergshaus an der Oberen Grasstraße 6 zum Verkauf ausgeschrieben. Grundlage dafür ist der "Herbergenbeschluss" des Stadtrats.

Sofort einziehen geht nicht.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wie es in der Objektbeschreibung heißt, wurde das Herbergsanwesen um 1845 errichtet, im Jahre 1869 erfolgten eine Aufstockung und bis 1936 weitere Umbauten. Vorhanden sind demnach drei Kleinwohnungen im Erd-, ersten Ober- und Dachgeschoss mit jeweils rund 60 Quadratmetern Wohnfläche. Die Herberge ist teilunterkellert. Die Grundstücksgröße beträgt 100 Quadratmeter.

Auch bei dem Gebäude Obere Grasstraße 6 handelt es sich um ein Baudenkmal. In der Denkmalliste wird es als "ehemaliges Gasthaus" bezeichnet; es sei Bestandteil des Ensembles "Feldmüllersiedlung". Die MGS weist darauf hin, dass das Gebäude derzeit nicht mehr bewohnbar und sehr stark sanierungsbedürftig sei. Damit eine verhältnismäßig kostengünstige Sanierung gewährleistet werden könne, solle die Herberge nach den wesentlichen Auswahlkriterien der "Herbergenbeschlüsse" angeboten werden: Verkauft werden soll bevorzugt an in Giesing ansässige Handwerkerinnen und Handwerker. Diese müssen sich zur Instandsetzung und Modernisierung in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege verpflichten. Erwartet wird die "überwiegende Selbstnutzung", sprich, die Käufer müssen das Haus tatsächlich auch bewohnen. Vermietet werden darf grundsätzlich nur an Familienmitglieder des ersten und zweiten Grades. Der Betrieb eines selbständigen, handwerksmäßigen nicht-störenden Gewerbebetriebes (Handwerksbetrieb) im Erdgeschoss ist erlaubt.

Für den Fall, dass sich gleich mehrere Interessenten melden sollten, bestimmt ein Kriterienkatalog über die Reihenfolge, in welcher Bewerbungen berücksichtigt werden. Um beim Kauf zum Zug zu kommen, muss man zum Beispiel seinen Hauptwohnsitz in einem der Giesinger Stadtteile haben. Nicht zuletzt dürfte aber der Kaufpreis entscheidend sein. Dazu stellt die GWG zunächst einmal klar, dass das ausgeschriebene Grundstück zum Verkehrswert veräußert werde. "Verkauft wird die Herberge wie sie steht und liegt, das heißt im unsanierten Zustand." Und zwar wird dieser Verkehrswert laut Gutachten des unabhängigen Bewertungsamtes der Stadt auf 780 000 Euro festgesetzt.

Wer Interesse - und das nötige Kleingeld - an dem betagten Häuschen in der Feldmüllersiedlung hat, kann das Exposé mit den ausführlichen Bewerbungsunterlagen unter service-objekte@mgs-muenchen.de anfordern. Schriftliche Bewerbungen müssen bis spätestens am Montag, 11. März, um 16 Uhr bei folgender Adresse eingegangen sein: Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung mbH, Zimmer IV/25, Haager Straße 5, 81671 München.

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