Strafgerichtsprozess:Die Luxusuhr vom Handgelenk gerissen

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Mutmaßliche Uhrenräuber müssen sich vor dem Landgericht München I verantworten. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ein Auto-Händler aus Neapel liefert sich nach dem Raub der 400 000 Euro teuren Uhr mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd. Nun müssen sich der 30-Jährige und sein mutmaßlicher Komplize vor dem Landgericht München I verantworten.

Von Andreas Salch

Andrea S. und Francesco D. waren allem Anschein nach Profis und wussten genau, wann es sich zuzugreifen lohnte. Die Beute, auf die es der Kfz-Händler Andrea S. und sein mutmaßlicher Komplize, ein 29-jähriger Pizza-Bäcker, laut der Staatsanwaltschaft München abgesehen hatten, waren Luxus-Armbanduhren, die sie Passanten am helllichten Tag blitzschnell vom Handgelenk rissen. Ausschau nach mutmaßlichen Opfern hielten die aus Neapel stammenden Männer angeblich in europäischen Großstädten wie Cannes oder München.

Doch der Coup in der Landeshauptstadt, in der Andrea S. Anfang August vergangenen Jahres einem 82-jährigen Galeristen in der Theatinerstraße eine 400 000 Euro teure Armbanduhr der Marke Patek Philippe geraubt haben soll, ging schief. Seit Dienstag sitzen der Kfz-Händler und der Pizza-Bäcker auf der Anklagebank der 10. Strafkammer am Landgericht München I.

Es war gegen 15 Uhr am 4. August 2023, als der Galerist durch die Theatinerstraße ging und ihn der 30-jährige Andrea S. plötzlich festhielt. Er habe ihm seine wertvolle Armbanduhr vom Handgelenk gerissen, heißt es in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Etwa hundert Meter weiter soll Francesco D. mit einem Motorroller auf S. gewartet haben. Die beiden flüchteten. In der St.-Anna-Straße im Lehel wechselten sie den Ermittlungen nach das Fluchtfahrzeug und stiegen in einen weißen Jeep Typ Renegade. Was folgte, war eine Flucht vor der Polizei, „die jedem Fast & Furios-Film Ehre machen würde“, meinte der Vorsitzende Richter Nikolaus Lantz.

Als sich die Angeklagten mit dem Jeep in der Maximilianstraße befanden, fiel ihr Wagen einer Zivilstreife auf. Über Funk hatten die Beamten bereits von dem mutmaßlichen Uhren-Raub erfahren. Als Andrea S. bemerkt habe, dass ihn die Fahnder von ihrem Fahrzeug aus beobachteten, soll er unvermittelt aufs Gaspedal gestiegen und davongerast sein. Das Polizeifahrzeug nahm mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn die Verfolgung auf. Es war der Beginn einer wilden Verfolgungsjagd quer durch die Münchner Innenstadt, an der am Ende vier Streifenfahrzeuge beteiligt waren.

Mehrere Fußgänger und Radfahrer waren laut Anklage gezwungen, dem Jeep auszuweichen, um nicht überfahren zu werden. Ein Streifenwagen rammte den Jeep in voller Fahrt. Am Ende der Herrnstraße, einer Sackgasse, fuhr S. mit dem Jeep sogar eine elfstufige Fußgängertreppe hinab zurück auf den Altstadtring. In der Frauenstraße ließen die Angeklagten dann den Jeep stehen, flüchteten zu Fuß, wurden aber kurz darauf festgenommen.

Zum Auftakt der Verhandlung machten weder S. noch D. Angaben. Stattdessen führten ihre Verteidiger ein Rechtsgespräch mit der Kammer. Bei einem vollumfänglichen Geständnis und Angaben zu ihren mutmaßlichen Hintermännern stellte das Gericht Andrea S. eine Haftstrafe zwischen dreieinhalb Jahren und drei Jahren, elf Monaten, in Aussicht. Francesco D. muss mit einer Haftstrafe zwischen drei und dreieinhalb Jahren rechnen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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