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Übertragung der Bundesliga wird teurer:Fußballwirte verärgert über Preiserhöhung

Fußball Fans in München

Mitfiebern in der Kneipe: Der Spaß der Fans, etwa im "Stadion" an der Schleißheimer Straße, war für Wirte bislang ein einträgliches Geschäft.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Zur neuen Bundesligasaison hat der Bezahlsender Sky die Preise für Kneipen und Vereinsheime massiv erhöht. Viele Wirte sind empört und haben ihre Abos gekündigt, andere erhöhen die Bierpreise. Manche Kneipen bangen um ihre Existenz.

Endlich Freitag, und die Bundesligasaison geht wieder los. Viele Münchner werden das erste Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach in ihrer Lieblingskneipe schauen, zusammen mit ein paar Freunden und ein paar Bierchen. Doch egal, wer gewinnt - die Stimmung in den Lokalen könnte etwas getrübt sein.

Der Bezahlsender Sky hat ein neues Preismodell für die Gastronomie entwickelt, und die Gastwirte müssen in der neuen Saison deutlich mehr bezahlen. Zum Teil um bis zu 100 Prozent. Die Folgen: Eine Reihe von Kneipenbesitzern hat das Sky-Abo schon gekündigt. Andere wollen die neuen Abo-Kosten durch höhere Bierpreise finanzieren.

"Wir müssen schlucken, es ist hart", sagt Holger Britzius, Wirt vom "Stadion an der Schleißheimer Straße". Da sein Lokal auf Fußballübertragungen spezialisiert ist, kann er nicht anders, als die Preiserhöhung zu akzeptieren. Statt 450 Euro monatlich muss er künftig 600 Euro zahlen. Um seinen Gästen mehr zu bieten als andere, hat er sich sogar einen dritten Kanal zugelegt. Doch obwohl seine Kneipe bei manchen Spielen gut besucht ist, sind die Umsätze nicht immer dementsprechend: "Manche trinken halt nur ein Wasser."

Der Bezahlsender Sky berechnet seine Abo-Preise künftig nicht nur nach den Quadratmetern der Kneipe, sondern auch nach regionalen Faktoren. Hierbei werden die Bevölkerungsdichte und die Sportbegeisterung in der Stadt berücksichtigt. "Und da ist München ja ganz vorne mit dabei", sagt Britzius.

Das Bürgerheim im Westend hat es richtig hart getroffen. "Statt 400 müssen wir künftig um die 800 Euro zahlen", sagt Wirt Thomas Eberlein. In seiner Wirtschaft in der Bergmannstraße zeigt er Spiele des FC Bayern München und des FC Schalke 04. "Wenn wir nicht den hiesigen Schalke-Fanklub, die Isarschalker, beherbergen würden, müssten wir Sky kündigen", sagt Eberlein. Richtig sauer ist auch Brigitte Jaschkowitz vom Café Ca Va in der Kazmairstraße. "Mich ärgert die Preiserhöhung von 267 auf 434 Euro maßlos, deshalb haben wir das Sky-Abo erst mal gekündigt", sagt sie.

Die Zeche zahlen die Wirte - oder die Gäste

Sky ist mittlerweile Monopolist bei der Übertragung von Bundesligaspielen. Das Angebot "Liga total!" ist Ende der vergangenen Saison eingestellt worden, weil die Telekom die Rechte an der Ausstrahlung verloren hat. Die neue Monopolstellung hat sich Sky einiges kosten lassen. 486 Millionen Euro zahlt der Sender pro Saison für die Übertragungsrechte, doppelt so viel wie bisher. Die Zeche, so klagen die Wirte, sollen nun sie zahlen. Beziehungsweise die Gäste, wenn die Kneipen die Bierpreise erhöhen müssen.

Gerade kleine Kneipen tun sich besonders schwer, etwa das Giesinger Bistro A1 gegenüber dem Grünwalder Stadion. Der Wirt hat Zettel ausgelegt, dass ihn die "Preistreiberei" von Sky dazu zwinge, die Getränkepreise anzuheben. In der neuen Saison müsse er statt 256 fortan 470 Euro monatlich an den Bezahlsender entrichten. Deshalb koste ab sofort die Halbe Helle drei statt bisher 2,80 Euro.

Sky-Sprecherin Britta Krämer argumentiert, dass es mancherorts, etwa auf dem Land, auch zu Preissenkungen komme. Das neue Preissystem sei gerechter, findet sie. Aber sie gibt auch zu: "Der Trend zum gemeinsamen Fußballschauen ist klar zu erkennen." Und an diesem Trend will Sky mitverdienen. Verlierer sind auch die Vereinsheime wie das des Sportvereins München von 1880. "Statt bisher 215 sollen wir nun 415 Euro hinblättern, für uns ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Geschäftsführer Holger Langebröker.

Das Sky-Abo hat der Verein jetzt abbestellt. Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband rechnet damit, dass die große Kündigungswelle erst noch kommt. "Die Wirte schauen sich das erst mal an, aber wenn es sich nicht rechnet, werden viele das Abo streichen." Der Widerstand der Wirte gegen die neuen Preise sei massiv. Auch einige Münchner Großgastronomen überlegten sich derzeit, ob sich die Übertragung von Fußballspielen für sie noch rentiere.

Eine Kündigungswelle wäre jedenfalls nicht nur ein Schlag für Sky, sondern auch für die Münchner Fans, denn dann wird die Auswahl an Fußballkneipen bald deutlich kleiner sein.