Überfüllte Bayernkaserne Stadt München will jetzt handeln

Enge in der Erstaufnahmestelle: In der Notunterkunft reihen sich die Stockbetten für die Neuankömmlinge dicht an dicht.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit Wochen ist die Stimmung in Freimann aufgeladen. Nun handelt die Stadt endlich - und will mit Streetworkern, besseren Freizeitmöglichkeiten und einer Anwohnerversammlung die angespannte Lage rund um die Bayernkaserne entschärfen.

Von Bernd Kastner

Streetworker vor der Kasernenmauer, bessere Aufenthaltsmöglichkeiten in der Unterkunft, eine Anwohnerversammlung und Infoblätter für die Nachbarn: Die Stadt will die angespannte Lage in der Bayernkaserne und ihrer Umgebung mit verschiedenen Maßnahmen entschärfen. Dort leben derzeit rund 1900 erwachsene sowie 140 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die Erstaufnahmeeinrichtung ist seit Monaten überfüllt.

Bis Jahresende sollen in der Stadt drei weitere Gemeinschaftsunterkünfte mit jeweils 250 Plätzen öffnen, um die Kaserne zu entlasten. Die neuen Standorte sind noch nicht öffentlich, da die Stadt erst die Bezirksausschüsse informieren und frühzeitige Nachbarschaftsproteste verhindern will.

Seit Wochen ist die Stimmung in Freimann aufgeladen. Anwohner beschweren sich über das Benehmen mancher Flüchtlinge, Rechtsextreme heizen mit Hassparolen die negative Stimmung weiter an. Bei einem Runden Tisch haben sich Bürgermeisterin Christine Strobl und Sozialreferentin Brigitte Meier (beide SPD) mit Vertretern aus der Stadtverwaltung, dem Sozialministerium, der Regierung von Oberbayern, der Bezirksausschüsse und der Polizei auf einige Schritte verständigt, um das Miteinander zu verbessern.

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Zunächst will das Rathaus weiter Druck auf die CSU-geführte Staatsregierung machen: Der Freistaat müsse die Belegung der Kaserne "so schnell wie möglich" auf die vereinbarte Zahl von 1200 Flüchtlingen reduzieren und auch die ihm gehörende und weitgehend leer stehende McGraw-Kaserne in Giesing als Unterkunft herrichten. Zugleich müsse er in der Bayernkaserne endlich die Betreuung verbessern.

Vereinbart ist zwischen Rathaus und Regierung ein Schlüssel von einem Sozialarbeiter auf 100 Flüchtlinge. Tatsächlich arbeiten aber nicht einmal halb so viele Betreuer in der Erstaufnahme. Zwar werde deren Zahl im September leicht erhöht, das aber, sagt Strobl, "ist immer noch zu wenig".

Man wolle "versuchen, besser zu informieren"

Indirekt räumt sie auch Versäumnisse der Stadt ein, insbesondere in der Kommunikation mit den Freimannern. Man wolle "versuchen, besser zu informieren", kündigte die Bürgermeisterin an. Dies solle mit einem ansprechenden Faltblatt geschehen, aber auch mit einer Anwohnerversammlung. Zwar gebe es im Stadtrat auch warnende Stimmen, manche Politiker fürchten offenbar, dass Rechtsextremisten eine solche Versammlung als Plattform nutzen könnten. Strobl sagte, sie wolle sich von diesen aber nicht die Kommunikation mit den Bürgern diktieren lassen.

Demnächst will Sozialreferentin Meier Streetworker an die Heidemannstraße schicken, die ähnlich wie ihre Kollegen am Gärtnerplatz arbeiten sollen, wo es Konflikte zwischen Feiernden und Nachbarn gibt. In Freimann sollen sie mäßigend und belehrend auf Flüchtlinge einwirken. Zugleich sollen sie zwischen ihnen und den Anwohnern vermitteln.

Wann genau das Projekt startet, konnte Meier nicht sagen. Man benötige kulturell und sprachlich geschulte Mitarbeiter. Künftig wolle man auch einen kontinuierlichen Austausch zwischen Verwaltung, Bezirksausschuss und Polizei sicherstellen: "Es braucht einen intensiveren Austausch", räumte Meier ein. Ihr und Strobl schwebt zudem vor, in der Kaserne selbst mehr Freizeit- und Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen.