Über den Tellerrand Wo man die britische Küche tatsächlich auch genießen kann

Fish and Chips sind Klassiker der britischen Küche.

(Foto: Neil Hall/Reuters)

England hat mit dem Vorurteil zu kämpfen, seine Küche sei ungenießbar. Nur das Frühstück lassen einige noch durchgehen - womöglich ist "The Victorian House" deshalb so erfolgreich.

Von Franz Kotteder

Als wäre England mit dem Brexit nicht genug geschlagen, hat es nach wie vor noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, seine Küche sei für normale Menschen ungenießbar. Allenfalls das Frühstück, das "English Breakfast", wäre noch satisfaktionsfähig, behaupten die Verächter der britischen Kost. Womöglich ist deshalb die Münchner Kette The Victorian House so erfolgreich; ihre Karte bietet zwar auch Lunch an, hauptsächlich geht man aber zum Frühstück und Afternoon Tea hin. Neben dem Haupthaus am Viktualienmarkt gibt es Filialen in der Maxvorstadt, am Rotkreuzplatz, in der Alten Pinakothek und in den Fünf Höfen.

Als klassisches englisches Steakhaus geht das Little London (Tal 31) durch, schon wegen seiner Einrichtung im typisch englischen Landhausstil. Was lustig ist, denn der Name kommt vom schwedischen Spitznamen für Göteborg, der Geburtsstadt der Frau des Inhabers Thomas Hirschberger, ein waschechter Münchner, der unter anderem die Kette Hans im Glück erfunden hat. Der Restaurantleiter kommt aus Südtirol. Alles sehr kontinentaleuropäisch. Dafür sind die Steaks fantastisch, die riesige Gin-Auswahl ist konkurrenzlos. Außerdem gibt es hier die besten Fish and Chips weit und breit sowie einen Tresen, der jedem englischen Pub zur Ehre gereichen würde. Das ist wichtig, denn seit das Winchester Arms in der Maistraße vor etwa 20 Jahren geschlossen hat, gibt es in München nur noch irische Pubs. Aber dazu ein andermal.

Und wo gibt es die mit Recht viel gelobte zeitgenössische Küche aus England, mit ihren ungewöhnlichen Kombinationen und Aromen? Da hält man sich am besten an die Bar Ménage (Buttermelcherstraße 9). Dort kocht der Brite Luke Rogers, ein eigenwilliger Querkopf, der oft ganz wunderbare Dinge auf den Teller zaubert. Wem das zu experimentell ist, der kann natürlich zu Pomeroy & Winterbottom (Brienner Straße 55) gehen, dort englische Lebensmittel kaufen und selber kochen. Er darf dann aber das Ergebnis nicht auf die englische Küche schieben.