Über den Tellerrand Südlich und kräftig

Das portugiesische Restaurant O Castelo in Berg am Laim.

(Foto: Stephan Rumpf)

Portugiesische Gastronomie: Darunter verstand man in München lange nur Weinbar. Aber einige wenige Restaurants finden sich mittlerweile dann doch in der Stadt.

Von Franz Kotteder

Überraschend im Grunde, dass die Portugiesen so wenig kulinarische Vertretungen in der Stadt haben. Angesichts der Liebe der Münchner zur Sonne, zum Süden und zum Meer. Und zugleich zur deftigen, kräftigen Küche, denn auch dafür ist Portugal bekannt. Es muss ja nicht gleich eine Francesinha sein - das ist ein Gericht, bei dem sandwichartig Rinderlende, Schinken, Käse, Wurst und Ei übereinandergestapelt werden und, um das Ganze abzurunden, mit einer recht gehaltvollen Wein- oder Biersoße übergossen werden. Einmal mit allem, sozusagen. Portugiesische Weine sind von Haus aus gerne mal schwer, und eine der beliebtesten Biermarken des Landes heißt "Superbock", auch wenn das für bayerische Biertrinker reine Prahlerei ist.

Portugiesische Gastronomie: Darunter verstand man in München lange nur Weinbar. Sprich: die Lisboa Bar in Haidhausen, die ansatzweise ein bisschen Portugal-Feeling vermittelt. Auch wenn sie Feinschmecker eher mit dem landestypischen Gefühl der saudade, der spezifisch portugiesischen Form von Melancholie und Weltschmerz, zurücklässt. Aber dafür gibt es ja den Wein.

Ein Hauch von portugiesischem Straßencafé verspricht das Bricelta im Asamhof an der Sendlinger Straße. Bei den Speisen beschränkt man sich dort hauptsächlich auf Tapas, auch aus anderen Ländern.

Das O Castelo in der Trausnitzstraße bietet das klassische Repertoire eines Lokales, wie man sie in der Mitte Portugals, rund um die Hauptstadt, so vorfindet. Die wohl umfangreichste Speisekarte Münchens mit portugiesischen Spezialitäten aber gibt es derzeit, wie der Name schon verspricht, im Restaurante Portugal in der Friedenstraße, ebenfalls hinter dem Ostbahnhof (auch Pizza und Pasta sind allerdings gut vertreten). Neben Stockfisch in zahlreichen Variationen, Dorade, Seeteufel, Oktopus und diversen Meeresfrüchten gibt es Ausgefallenes wie Bauchspeck in Rotwein und andere Fleischgerichte. Oder eben Francesinha, in der Version mit Weinsoße.

Europa ist nicht nur nüchterne Politik, sondern auch kulinarischer Genuss: Vor der Europawahl stellt die SZ in ihrer Serie die gastronomischen Vertreter der EU in München vor.