Über den Tellerrand Italienische Restaurants gehören zur Münchner Lebensart

Die Schrannenhalle ist ein einziges Genusskaufhaus der Italianità.

(Foto: Stephan Rumpf)

München ist zweifellos die italienischste Stadt nördlich der Alpen: An die 500 Ristoranti, Osterie, Pizzerie gibt es hier - ein Zehntel aller Bewirtungsbetriebe der Stadt.

Von Franz Kotteder

Wenn die europäische Integration in München irgendwo gelungen ist, dann ganz sicher bei der italienischen Küche. Geht man durch die Stadt, dann möchte man kaum glauben, dass Insalata caprese und Pizza Quattro Stagioni nicht von jeher zu den urwüchsigen bayerischen Schmankerln wie Leberkas und Schweinsbraten zählen. Es soll ja sogar Traditionswirtschaften geben, in denen ganz selbstverständlich ein "Insalata di Monaco" auf der Karte steht, zu Deutsch: Wurstsalat.

München ist zweifellos die italienischste Stadt nördlich der Alpen. An die 500 Ristoranti, Osterie, Pizzerie und andere Unterarten italienischer Lokale gibt es hier, das macht ein gutes Zehntel aller Bewirtungsbetriebe überhaupt aus. Selbst in unmittelbarer Nähe des bayerischsten aller Wirtshäuser, des Hofbräuhauses, findet man mit dem Katzlmacher einen der traditionsreichsten Nobelitaliener der Stadt. Und es gibt dort auch einen ganzen Straßenzug, der an Little Italy erinnert. So reihen sich entlang der Ledererstraße das Fedora, das Bistro Due Passi, die neapolitanische Pizzeria La Pizza bis hin zur Bar Centrale.

So hat die italienische Lebensart längst Eingang gefunden in die Ernährungsweise der Stadt. Vermutlich trinkt man hier mehr Luganer als Riesling, und während man gefühlt an jeder Ecke eine Espressobar findet, darf man nach klassischen Restaurationsbetrieben mit Filterkaffee und "Kännchen nur draußen" inzwischen lange suchen. Und wenn man auf die Frage, wer denn der beste Italiener der Stadt sei, mit: "Ich weiß nicht", antwortet, wird man angeschaut, als hätte man dem Gegenüber einen unsittlichen Antrag gemacht. Der beste Italiener? So etwas weiß man doch!

Da ist es dann auch kein Wunder, dass ausgerechnet die Schrannenhalle, jahrelang ein rechter Verdrussstadel und ein Gemischtwarenladen mit zahlreichen Konzeptänderungen, inzwischen ein einziges Genusskaufhaus der Italianità geworden ist. Ein bisserl was geht eben immer in München, sobald Italien dabei eine Rolle spielt.