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Über den Dächern der Stadt:Wohnungen in Top-Lage

Die Initiative "München summt" hat ihre Bienen prominent stationiert, um so die ökologische Bedeutung dieser Tiere hervorzuheben

Es sind die besten Plätze der Stadt: der Gasteig, das Gärtnerplatztheater, die Neue Pinakothek, die Pinakothek der Moderne, das Haus der Architektur, die Seidlvilla, die Kirche St. Maximilian, das Umweltministerium, der Landtag. Auf den Dächern der Gebäude haben sich neue Mieter eingerichtet - ganze Völker sogar. Derzeit machen sich diese Bewohner noch nicht bemerkbar, doch wenn es erst einmal Frühling wird und die ersten Blüten da sind, dann wird auch zu hören sein, warum die Initiative, die hinter dieser Art von Einbürgerung steht, sich "München summt" nennt. Heimische Bienen haben so auf den Dächern der Stadt eine neue Heimat gefunden, auch bei Behörden und Betrieben.

Die Idee, Bienen auf den Dächern der Stadt zu beherbergen, soll notgedrungen entstanden sein: Weil Nachbarn sich beschwert hatten, musste ein Requisiteur der Alten Oper von Paris seine Bienen von seinem Balkon in der Großstadt aufs Land umsiedeln. Übergangsweise stellte der Hobby-Imker den Bienenstock heimlich auf das Dach seiner prominenten Arbeitsstelle. Als er sein Bienenvolk dort wieder abholen wollte, stellte er fest, dass es mehr Honig produziert hatte als seine Völker auf dem Land.

Das war vor mehr als 30 Jahren. Seither haben viele Städte diese Idee aufgegriffen. Der Lebensraum Stadt bietet den fleißigen Insekten inzwischen sogar etliche Vorteile: Irgend etwas blüht immer vom Frühjahr bis zum Spätherbst in den Parks, Gärten ja auch auf Balkonen und Verkehrsinseln ,die Bienen finden also Futter. Einweiterer Vorteil: Die Pflanzen in der Stadt werden nicht gespritzt, und es werden auch keine genveränderten Pflanzen angebaut. Als wärmeliebenden Tieren kommt den Bienen auch das Mikroklima einer Großstadt zugute, in der es im Schnitt bis zu drei Grad wärmer ist als im Umland. Stadtbienen können also im Frühjahr eher tätig werden und im Herbst länger fliegen. Dadurch fällt die Honigernte der Stadtimker im Schnitt auch besser aus als die ihrer Kollegen auf dem Land. Biene passen auch ins städtische Leben: Sie müssen nicht gefüttert und auch nicht Gassi geführt werden. Trotzdem kümmern sich die meisten Stadtimker hingebungsvoll um ihre winzigen Schützlinge, das Hobby ist idealer Ausgleich zum Job im Büro oder in Betrieb und trägt dazu bei, ökologische Zusammenhänge besser zu begreifen.

Denn die Imkerei ist auch angewandter Naturschutz: Das ist auch die Intention der Initiative "Deutschland summt", die von der Stiftung für Mensch und Umwelt ins Leben gerufen wurde und zu der auch München beiträgt. Das Team um Ralf Armbrecht, Sigrun Lange und Harald Weiß will nach eigener Aussage in der Landeshauptstadt "Aufmerksamkeit für das Bienensterben wecken und den Stadtbewohnern verdeutlichen, wie wichtig Bienen für ein ausgewogenes ökologisches System sind". Im Garten der Seidlvilla in Schwabing können Besucher die Bienen beobachten und dem Imker Harald Weiß über die Schulter schauen. Zusätzlich bietet Weiß unter dem Motto "Einfach mal vorbeischauen" während der Bienensaison von Mai bis Oktober jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr Führungen an - aber nur bei gutem Wetter, denn sonst fliegen die Bienen nicht. Für Gruppen gibt es auch Führungen nach Vereinbarung.