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Ude zur Moschee:"Das Aus wäre ein herber Schlag"

Oberbürgermeister Christian Ude setzt sich nach dem drohenden Aus weiterhin für die Moschee in Sendling ein und hofft auf eine neue Finanzierungsquelle.

B. Neff

SZ: Das Moschee-Projekt steht vor dem Aus. Was sagen Sie dazu?

"Wenn es zum Aus käme, wäre ich enttäuscht": Christian Ude

(Foto: Foto: Rumpf)

Ude: Offiziell bin ich noch nicht informiert, aber es gibt die entsprechenden Presseberichte. Meine Information ist, dass Ditib - der Dachverband - kein Geld für den Moscheebau geben will, was ein riesiger finanzieller Rückschlag wäre. Ich zweifle nicht an der Seriosität der türkischen Journalisten, habe aber bisher weder von Ditib noch vom Ditim, dem Trägerverein der Moschee, eine offizielle Mitteilung. Offenbar prüft man aber bei Ditim, ob das Projekt auch ohne die Hilfe des Dachverbands zu verwirklichen wäre.

SZ: Die Zeit drängt aber.

Ude: Einen dramatischen Zeitdruck gibt es von Seiten der Stadt nicht, wir haben eine klare Frist gesetzt. Die Finanzierung muss erst Mitte 2009 nachgewiesen sein.

SZ: Ohne Hilfe vom Dachverband ist das aber kaum zu schaffen.

Ude: Natürlich, wobei ich nicht weiß, ob Ditib kein zusätzliches Geld geben will oder sich sogar weigert, den Erlös aus dem Verkauf des Grundstücks an der Schanzenbachstraße Ditim zu überlassen. Das war der bislang bedeutendste Brocken in der Finanzplanung.

SZ: Spätestens dann wäre das Projekt nicht mehr finanzierbar.

Ude: Es sei denn, man tut noch eine andere Finanzquelle auf, irgendeinen Wohltäter, aber da gibt es bisher noch keinen seriösen Hinweis.

SZ: Sie haben sich für den Moscheebau eingesetzt, nun müssten Sie ganz besonders enttäuscht sein.

Ude: Wenn es zum Aus käme, wäre ich enttäuscht. Ich fände die Vorgehensweise der türkischen Seite sehr befremdlich, wobei ich dem Dachverband Ditib zugestehe, die finanzielle Situation immer kritischer beurteilt zu haben als Ditim. Trotzdem war es so, dass mir sogar der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan bei einem Treffen in Istanbul gesagt hat, er halte diese Moschee für so bedeutsam, dass er gerne zur Eröffnung nach München kommen würde. Das Aus wäre ein herber Rückschlag für alle, die dem Verein bei dem Vorhaben helfen wollten, die Muslime aus den Hinterhöfen herauszuholen.

SZ: Die Kritiker werden sich jetzt aber bestätigt sehen.

Ude: Ja und Nein. Sie haben behauptet, ein fremder Staat würde sich hier betätigen und die Allmacht des türkischen Staates führe dazu, dass Deutschland mit Moscheen überzogen werde. Diese Verschwörungstheorie ist als lächerliche Panikmache enttarnt. Tatsache ist, dass die Akzeptanz für die Moschee im Laufe der Zeit zugenommen hat.

SZ: Wie geht es jetzt weiter?

Ude: Ich werde den Verein Ditim zu einem Gespräch einladen, um zu klären, ob der Verein glaubt, die Finanzierung alleine sichern zu können. Falls nicht, müsste er den Bauantrag zurücknehmen. Eine religiöse Nutzung an dieser Stelle bleibt als theoretisches Angebot weiter möglich, müsste dann aber neu begonnen werden. Es ist eine Nutzung durch Muslime mit anderen Träger denkbar. Es ist aber auch eine Nutzung durch andere Glaubensgemeinschaften möglich, die sich mit Wünschen nach geeigneten Arealen an die Stadt gewandt haben - darunter sind orthodoxe Christen, liberale Juden oder andere islamische Initiativen. Solche Optionen wird man dann in großer Ruhe prüfen müssen.

© SZ vom 04.12.2008/sonn
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