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Ude vs. Hoeneß:Der Bruch: Die Arena in Fröttmaning

Auch vom Typ könnten Hoeneß und Ude unterschiedlicher nicht sein. Ude gilt als intellektuell, umgibt sich gerne mit Schriftstellern und Künstlern, tritt hin und wieder selbst als Kabarettist auf. Als Politiker versteht er sich im Taktieren. Hoeneß dagegen ist ein Freund der derben Sprüche, Zwischentöne sind ihm fremd, er trennt Menschen meist klar in Freund und Feind. Hoeneß sagt, was er denkt und hält dies auch stets für richtig. Es überrascht also nicht, dass der Feingeist aus Schwabing und der Polterer vom Tegernsee im Laufe der Jahre keine engen Freunde wurden.

Zum Bruch kam es schließlich wegen des Baus der Arena in Fröttmaning. Seit den Neunziger Jahren hatte der FC Bayern Pläne, ein eigenes Stadion zu errichten, da nach Meinung der Verantwortlichen und vieler Fans im Olympiastadion die Entfernung zwischen Zuschauerreihen und Rasen zu weit sei. Die Stadt München und Oberbürgermeister Ude dagegen plädierten dafür, das Olympiastadion umzubauen. Der Architekt Günter Behnisch lehnte diesen Vorschlag allerdings ab. In einem Bürgerentscheid stimmten die Münchner schließlich für den Bau des neuen Stadions. In den Folgejahren stritten der FC Bayern und Ude oftmals wegen der Arena in Fröttmaning. Mal ging es um die Kosten für das Parkhaus am Stadion, mal um die klamme Lage des TSV 1860, der erst Miteigentümer der Arena war, später nur noch Untermieter beim verhassten Lokalrivalen.

Auch in dem Interview mit dem Spiegel kommt Ude noch einmal auf den Stadionbau zu sprechen. Der FC Bayern hatte stets kritisiert, dass der Bau nicht auch mit öffentlichen Mitteln finanziert werden durfte. Ude sagte nun in dem Gespräch: "Ursprung ist die blanke Geldgier eines Profifußballvereins, der in Gestalt seines Managers den Hals nicht vollkriegen konnte."

München rätselt nun, warum Ude nach Ende seiner Amtszeit noch einmal derart austeilt. Hat sich die Wut auf Hoeneß in all den Jahren derart aufgestaut und traut er sich erst jetzt, wo er politisch keinen Schaden mehr nehmen kann, dem Lieblingsfeind eine mitzugeben?

Auch Hoeneß teilte einmal schon kräftig aus. Vor eineinhalb Jahren sagte er in einem SZ-Interview: "Die Stadt hat einen Oberbürgermeister, der oft nur Dinge tut, die für ihn und sein Image von Vorteil sind. Er ist nicht mutig, er riskiert nichts." Während Hoeneß Ude stets kritisierte, unterstützte er dessen Nachfolger Dieter Reiter im Wahlkampf. Im Interview mit dem Spiegel sagte Ude nun: "Hoeneß hat mich ja stets über die Medien und über Dritte wissen lassen, dass ich eine Fehlbesetzung sei."

Als am vergangenen Wochenende der FC Bayern die Meisterschale auf dem Rathausbalkon in die Höhe reckte, stand Dieter Reiter neben den Spielern. Der neue Oberbürgermeister grinste, als habe er eben die Champions League gewonnen. Er ist Bayern-Fan. Pfiffe gab es diesmal keine. Die Stadt und der FC Bayern scheinen sich versöhnt zu haben. Ude und Hoeneß waren nicht dabei auf dem Marienplatz.

© Süddeutsche.de/sonn/lala
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