Ich war Flüchtling, neu, vorsichtig. Lernte, wie man Müll trennt, dass man sonntags leise sein sollte und dass Termine hier keine Vorschläge sind. Zehn Jahre sind vergangen, seit ich im Osten von München Zuflucht fand. In Kirchseeon, im Winter ein Ort der Zurückhaltung. Die Kälte bleibt anständig, die Menschen auch. Man grüßt, man wartet an der Ampel und an der Ladenkasse, man weiß, wann man dran ist. Und dann, an einem dieser Tage, läuft auf dem Dorfplatz die Musik. Ich stehe da wie damals vor sieben Jahren, aber doch anders: beobachtend, noch immer ein bisschen Gast in diesem Land. Flüchtling nennt man mich offiziell. Ich nenne mich längst: jemand, der angekommen ist – und noch immer gern zuhört.
SZ-Kolumne Typisch deutschEin Syrer blickt auf eine bayerische Tradition
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Vor zehn Jahren kam unser Autor als Geflüchteter im Osten von München an. Inzwischen würde er sich nicht mehr so bezeichnen, sondern als jemand, der vieles anders sieht als einst.
Kolumne von Mohamad Alkhalaf

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