Tunnel in München Aufrüsten im Untergrund

Neue Fluchttreppen, Anzeigeanlagen und Warnleuchten: In und um München wird in den kommenden Jahren bei fast allen Straßentunnels die Sicherheit erhöht. Zudem gibt es mehr Blitzanlagen - um Raser zu bremsen.

Von Marco Völklein

Katastrophe mit Ansage

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Ein Reisebus in Flammen, zahlreiche Verletzte und Tote, kilometerlange Staus - und Rettungskräfte im Dauerstress. Am Sonntag übten mehr als 1000 Helfer im Richard-Strauss-Tunnel den Ernstfall. Was ist zu tun bei einem schweren Unfall in einem Straßentunnel? Wie arbeiten die Helfer von Feuerwehr, Polizei, den verschiedenen Rettungsdiensten sowie die Notärzte in den Krankenhäusern zusammen? All das wurde in einem mehrstündigen Testlauf am Sonntag geprobt. Der Richard-Strauss-Tunnel war für nahezu zehn Stunden komplett gesperrt.

Um sich gegen mögliche Unfälle zu rüsten, wird in den nächsten Jahren bei fast allen Straßentunnels in und um München der Standard der Sicherheitstechnik erhöht. Selbst relativ junge Bauwerke wie der Petueltunnel (in Betrieb genommen im Juli 2002) oder der Allacher Tunnel an der A 99 (eröffnet 1998) werden grundlegend aufgerüstet. Nach verheerenden Brandunfällen hat die Europäische Union in den vergangenen Jahren die Vorschriften teils drastisch verschärft. Das wiederum setzt die Verantwortlichen unter Druck. So steckt die Stadt München allein in die Aufrüstung des Petueltunnels knapp zehn Millionen Euro. Außerdem erhalten der Altstadtringtunnel sowie der Brudermühltunnel neue Anlagen für mehr Sicherheit.

Im Petueltunnel rüstet die Stadt unter anderem Notfallschranken an den Tunnelportalen nach und baut Warnleuchten sowie elektronische Anzeigetafeln ein, über die die Aufseher von der Verkehrskontrollzentrale in Moosach aus diverse Verkehrszeichen einblenden können. Auch Fluchtwegebeschilderung sowie Lüftungsanlagen werden erneuert. Spätestens im Sommer werden Arbeiter in beiden Röhren im Petueltunnel zudem moderne Tempoblitzer installieren, wie sie bereits im Richard-Strauss-Tunnel existieren. Diese dienten ebenfalls der Sicherheit, argumentieren Polizei wie Stadtverwaltung - auch wenn Autofahrerlobbyisten wie der Verein "Mobil in Deutschland" diese Blitzer als "staatliche Abzocke" kritisieren.

Ebenfalls eine massive Umrüstung steht in den nächsten Jahren in den Tunneln bei Eching und Etterschlag auf der A 96 nach Lindau an. Für beide Bauwerke haben die Ingenieure der Autobahndirektion Südbayern unter anderem ein neues Fluchtwegekonzept erarbeitet. Damit Autofahrer bei einem Notfall die Röhren schnell verlassen können, werden Arbeiter unter anderem Nottreppenhäuser errichten. Zudem werden Notleuchten, Schilderbrücken und zusätzliche Rohre zur Löschwasserversorgung montiert.

Und: Damit das Löschwasser bei einem Feuerwehreinsatz rasch wieder abfließen kann, müssen Arbeiter unter der Fahrbahndecke ein neues System zur Wasserentsorgung verlegen. Starten wollen die Ingenieure mit den Arbeiten voraussichtlich Ende 2013 oder Anfang 2014, veranschlagt ist eine Bauzeit von drei Jahren.

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Kosten wird die Aufrüstung des 500 Meter langen Tunnels Etterschlag etwa 20 Millionen Euro, für das 380 Meter lange Bauwerk bei Eching veranschlagen die Planer 15 Millionen Euro. Jeweils etwa zwei Millionen Euro davon gehen für die aufwendige Verkehrsführung während der Bauzeit drauf. Denn insbesondere um die neuen Wasserentsorgungsrohre zu verlegen, müssen die Ingenieure in einer Zeit von sechs Monaten je eine Tunnelröhre komplett sperren. Dies hätte bei etwa 50 000 bis 60 000 Fahrzeugen, die täglich den Abschnitt passieren, ein monatelanges Verkehrschaos am nördlichen Ende des Ammersees zur Folge.

Die Ingenieure planen deshalb, während der Sperrung den Verkehr in Richtung München auf einer zweispurigen Behelfsstraße (auf der Tempo 60 gelten soll) über die Tunnel hinweg zu leiten. Der Verkehr in Richtung Lindau soll durch die jeweils offene Tunnelröhre geschleust werden. Der Bau der Behelfsstraße sieht auch Behelfsbrücken sowie temporäre Lärmschutzwände vor, heißt es bei der Autobahndirektion.