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TU München:Wenn Lidl-Professuren nötig sind, ist das ein Armutszeugnis für die Politik

Die TU München (im Bild Studenten in einem Hörsaal zu Semesterbeginn) versichert, niemand müsse eine Einflussnahme der Stiftung befürchten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Denn es bedeutet, dass der Staat nicht mehr ausreichend in der Lage ist, Forschung und Lehre zu bezahlen.

Eines steht außer Frage: Diese Größenordnung ist neu. Am Mittwoch sind die Verträge unterschrieben worden. Die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz schenkt der Technischen Universität (TU) München 20 Professuren für Betriebswirtschaft. Die TU spricht von einer der "bedeutendsten Stiftungen in der deutschen Hochschulgeschichte". Doch diese Größenordnung ist nicht nur neu, sie ist auch ein Problem.

Die TU versichert, jede Einflussnahme zu unterbinden. Gut so. Doch allein durch die schiere Größe der Zuwendung bleibt ein Unbehagen. Das Problem ist nicht, dass sich die TU oder die Stiftung unredlich verhielten. Das Problem ist, dass hier das Hochschulsystem offensichtlich an seine Grenzen stößt. Denn privaten Förderern ist es zwar zugestanden, mit Stiftungsprofessuren Akzente in der Forschung zu setzen. Doch die Wissenschaft in Fakultätsstärke zu finanzieren, wohlgemerkt an einer staatlichen Universität, das ist die Pflicht des Staates.

Es ist bezeichnend, dass die Stiftung selbst mit einer Art von Subsidiaritätsprinzip argumentiert. Sie wolle dort tätig werden, "wo Wirtschaft und Gesellschaft Anforderungen stellen, die staatliche Organe nicht oder nicht ausreichend erfüllen können", sagte ihr Geschäftsführer Reinhold Geilsdörfer am Mittwoch. Das bedeutet, dass der Staat offensichtlich nicht ausreichend in der Lage ist, Forschung und Lehre zu bezahlen.

Dass mit der Dieter-Schwarz-Stiftung dann ausgerechnet eine gemeinnützige Stiftung einspringt, also ein Geldgeber, der selbst von der Ertragssteuer befreit ist und so seinen Teil dazu beiträgt, dass der Staat seinen Aufgaben nicht gerecht wird, das macht den Vorgang zusätzlich pikant.

Wenn solche Stiftungen wirklich notwendig sind, dann ist das ein Armutszeugnis für die Hochschulpolitik. Und die neuen 20 Professuren umweht bei allen redlichen Absichten ein Geschmäckle.

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