Kooperation mit Hightech-UnternehmenTU München baut Trainingslager für Roboter – auch humanoide

Lesezeit: 3 Min.

Lorenzo Masia, Direktor des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence der TUM, vor einem Roboter des Unternehmens Neura, das in das Zentrum investiert.
Lorenzo Masia, Direktor des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence der TUM, vor einem Roboter des Unternehmens Neura, das in das Zentrum investiert.
Robert Haas
  • Am Flughafen München entsteht das wohl größte Robotik-Lernzentrum Europas, wo bis zu 400 Roboter für den Alltag trainiert werden sollen.
  • Die TU München und das Unternehmen Neura Robotics investieren gemeinsam rund 17 Millionen Euro in das „TUM Robo-Gym".
  • In dem Zentrum sollen Menschen die Roboter trainieren, da Bewegungsabläufe nicht aus Videos übertragen werden können.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Bis zu 400 Maschinen sollen im neuen „Robo-Gym“ am Flughafen für den Einsatz im Alltag angelernt werden, darunter 100, die Menschen ähnlich sind. In welchen Bereichen sie tätig werden könnten.

Von Katharina Haase

SZ bei Google bevorzugen

Am Flughafen München entsteht derzeit das wohl größte Robotik-Lernzentrum Europas. Auf einer Fläche von rund 2300 Quadratmetern des Convergence Center der Technischen Universität München (TUM) sollen bald bis zu 400 Roboter für ihren Einsatz im Alltag weiterentwickelt und unterstützt von künstlicher Intelligenz (KI) trainiert werden. Darunter auch rund 100 sogenannte humanoide Roboter, deren Aussehen und Bewegungsabläufe dem Menschen nachempfunden sind. Das Zentrum entsteht als gemeinschaftliches Großprojekt der TUM sowie der Hightech-Firma Neura Robotics. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Metzingen wurde 2019 gegründet und arbeitet mit Kooperationspartnern wie Schaeffler und Bosch zusammen.

Geleitet werden soll das neue Zentrum von Lorenzo Masia und Achim Lilienthal, Professoren am Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (Mirmi) der TUM. Gemeinsam mit Neura investiert die Universität rund 17 Millionen Euro in das sogenannte „TUM Robo-Gym“, wobei der größere Anteil von etwa elf Millionen Euro von Neura zur Verfügung gestellt wird. Mit diesem sollen primär die Beschaffung der Roboter sowie die Wartung der Hardware gewährleistet werden. Das Mirmi und Neura haben zudem eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, welche das Zusammenwirken in der Robotiktechnologie und die akademische KI-Forschung gewährleisten soll. Die TUM gilt auf diesem Gebiet als eine der führenden Universitäten Europas.

Forschung und Industrie
:„Es ist nicht einfach, aber wir sollten es tun“

Der Italiener Lorenzo Masia leitet das Münchner Institut für Robotik und Maschinenintelligenz. Für ihn ist klar: Forschung und Industrie müssen viel enger zusammenarbeiten, auch um Europas Souveränität zu stärken.

SZ PlusVon Helmut Martin-Jung

„Die Idee hinter dem Projekt ist es, so viele Daten wie möglich zu sammeln, mit denen die Systeme trainiert werden können“, erklärt Lorenzo Masia in einem Gespräch. Der gebürtige Römer, der unter anderem bereits in den USA, Singapur und den Niederlanden arbeitete, ist seit 2024 geschäftsführender Direktor des Mirmi. Anders als etwa bei Sprachmodellen wie Chat-GPT kann beim Training mit verkörperter KI nicht auf fast beliebig viele internetbasierte Daten zurückgegriffen werden. So ließen sich Bewegungsabläufe nicht oder nur sehr unpräzise aus etwa einem Video auf die Roboter übertragen. In dem neuen Zentrum sollen die Roboter deshalb nun von Menschen trainiert werden, etwa in Tätigkeiten wie dem Falten oder Zusammenstecken einzelner Produktionsbestandteile. Anhand der daraus entstehenden Datensätze sollen dann künftige Roboter leichter trainiert werden können.

Wenn Roboter so trainiert werden, dass sie auch Tätigkeiten ausführen können, für die bislang Menschen im Einsatz sind, bedeutet dies natürlich die Verdrängung des Menschen aus der Produktion. „Bei jeder Welle technischer Innovation gehen Arbeitsplätze verloren“, erklärt Lorenzo Masia. Gleichzeitig würden aber auch neue Arbeitsplätze entstehen. „Es wird aus technologischer Sicht den Bedarf an Experten geben, die sich um diese automatisierte Arbeit kümmern in Bezug auf die Programmierung und den Aufbau der Hardware.“ Der Einsatz von KI bedeute somit nicht per se den Ausschluss menschlicher Arbeit in der Produktion, sondern eher eine Verlagerung der einzelnen Tätigkeiten. Jedoch, so Masia, „aus kapitalistischer Sicht lautet die bevorzugte Lösung wahrscheinlich, dass alles automatisch abläuft“.

Ähnlich sieht es TUM-Präsident Thomas Hofmann. Humanoide Roboter würden bereits „in naher Zukunft“ ein fester und unterstützender Bestandteil des menschlichen Alltags sein, so Hofmann in einer Mitteilung. „Zusammen mit Neura Robotics arbeiten wir an der TUM daran, diese Entwicklung zu beschleunigen und neben der Funktionalität vor allem auch die Sicherheit des Zusammenlebens von Mensch und Roboter zu gewährleisten.“

Das neue Zentrum sei derzeit noch im Aufbau, erklärt Lorenzo Masia. Frühestens im Mai könnten dort die ersten Arbeiten beginnen. Langfristig sollen 400 bis 500 Menschen dort mit den Robotern trainieren und arbeiten, darunter natürlich auch zahlreiche Studierende. Denn, so Masia, „der Mensch muss im Zentrum bleiben“. Das Robo-Gym trage zur Ausbildung eines neuen Kerns europäischer Experten bei, mit der Möglichkeit, neue Ansätze in Robotik und KI zu erleben, zu entwickeln und zu lernen.

Die innerdeutsche Kooperation – deutsche Universität, deutsches Unternehmen – sei auch einer der Gründe warum man sich für die Zusammenarbeit mit Neura Robotics entschieden habe. Das Unternehmen wachse zudem rasant und lege großen Wert auf technische Souveränität, erklärt Lorenzo Masia.

Auch der Gründer und CEO von Neura Robotics, David Reger, äußerte sich in einer Mitteilung zu dem Projekt. Die Zusammenarbeit mit der TUM verbinde „exzellente Forschung mit unternehmerischer Umsetzungskraft“. Dies setze neue Maßstäbe in der intelligenten Robotik und trage zur nachhaltigen Stärkung der technologischen Führungsrolle Deutschlands und Europas in einer der zentralen Zukunftstechnologien bei.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Universitäten
:Wie kann die Wissenschaft vor Politikern wie Trump geschützt werden?

In den USA werden Universitäten massiv angegriffen. Ist so etwas auch hierzulande möglich? Thomas Hofmann, Präsident der Technischen Universität München, spricht über mögliche Gefahren und den Vorteil der Bildung in Deutschland.

SZ PlusInterview von Katharina Haase

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: