TU München:Enorm viele, teure Batterien

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Dann bleibt die zwei Tonnen schwere Limousine stehen. Der VW Up sowie der leichte Twizy kommen immerhin auf 605 beziehungsweise 656 Meter. Ganz weit vorne liegt, natürlich, der Visio M mit Testfahrer Schultze an Bord - mit 858 Metern. Forscher Lienkamp glaubt: "Wem es gelingt, ein günstiges Elektroauto zu bauen, der wird den Markt aufrollen."

Bislang allerdings sind E-Autos alles andere als günstig, was unter anderem daran liegt, dass die Autobauer den relativ schweren Autos enorm viele, teure Batterien spendieren müssen, um überhaupt eine vergleichsweise akzeptable Reichweite zu erreichen. Lienkamp will das ändern: Den Visio M haben er und seine Entwickler auf Effizienz getrimmt. Das Auto ist nur 1,30 Meter hoch und mit einem cW-Wert von 0,24 äußerst windschnittig.

Es ist mit einem Leergewicht von 450 Kilogramm (ohne Batterie) besonders leicht. Und um den Rollwiderstand zu verringern, haben die Forscher extrem schmale Reifen aufgezogen. Die wiederum machten es erforderlich, ein besonders sportliches Fahrwerk einzubauen - andernfalls sei das Auto in Extremsituationen kaum beherrschbar. Und genau dieses Fahrwerk sei es, dass dem Visio M sein "quirliges Fahrverhalten" verpasst, wie Testfahrer Schultze sagt.

Und dennoch: Trotz all der Technik soll das Auto am Ende in etwa das kosten, was man heute auch für einen benzingetriebenen Kleinwagen zahlt. Bei 15 000 bis 20 000 Euro will Lienkamp landen. Wobei die Entwickler vor allem die Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer im Blick haben: Denn laut Lienkamp wird der Visio M in der Anschaffung leicht teurer sein als ein Benziner. Im Unterhalt aber mit nur 2,50 Euro je 100 Kilometer werde man die Konkurrenten um Längen schlagen.

Auf der "Ecartec" soll das Auto präsentiert werden

Bis zum Herbst wollen die TUM-Entwickler das Fahrzeug nun erproben und weiterentwickeln. Auf der Elektroauto-Messe "Ecartec" im Herbst in München soll das fertige Auto dann präsentiert werden. Bis dahin "wird sich das Design noch ein wenig ändern", sagt der Professor geheimnisvoll. Und auch an der Bioethanol-Heizung, die im Winter für wohlige Wärme in dem Kleinstwagen sorgen soll, wird noch getüftelt. "Einige Überraschungen wird es noch geben", sagt Lienkamp.

Die größte wäre es natürlich, wenn der Kleinstwagen tatsächlich irgendwann einmal in Serie gehen würde. Mittlerweile haben sich neben den beiden Autokonzernen BMW und Daimler unter anderem der Reifenhersteller Continental und Siemens an Lienkamps Forschungsprojekt beteiligt. "Frühestens Ende 2014", erwartet der Professor, werde die Entscheidung fallen, ob eines dieser Unternehmen den Visio M tatsächlich bauen wird. Denkbar ist auch, dass nur Teile des Prototypen in andere Stromer einfließen werden.

Die werden kommen, so oder so. Das glaubt der Münchner Autoprofessor. Zumindest in urbanen Gegenden und auf den Strecken, die ein durchschnittlicher Pendler so täglich zurücklegt, seien es 40, 60 oder auch 80 Kilometer hin und zurück. "Für solche Kunden", sagt Lienkamp, "gibt es eigentlich nichts besseres."

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