TU, LMU und Hochschule:So fließt das Geld der Wirtschaft in die Münchner Unis

An der TU Garching, Boltzmannstr 15, TU-Fakultät Maschinenbau

Das Gebäude der Fakultät für Maschinenwesen in Garching trägt den Namen des ehemaligen BMW-Chefs Eberhard von Kuenheim. Der Autokonzern hatte sich als Bauherr für die Fakultät engagiert.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Stiftung des Lidl-Gründers schenkt der TU München 20 BWL-Professuren.
  • So etwas kommt immer wieder vor, die Dimension im aktuellen Fall ist aber ungewöhnlich.
  • Unternehmen unterstützen Hochschulen etwa mit Stiftungsprofessuren und über Drittmittel. Ein Überblick über die Einflussnahme:

Von Jakob Wetzel

Dass ein Unternehmen oder eine Stiftung einer Hochschule Professoren gleich in Fakultätsstärke finanziert wie nun die Dieter-Schwarz-Stiftung der Technischen Universität (TU) München, ist die Ausnahme. Dass Firmen Lehre und Forschung mit Geld unterstützen, ist aber Alltag, auch in München. Ein Überblick.

Stiftungsprofessuren

Auf diese Weise unterstützt die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz künftig die TU München: Deren Fakultät für Wirtschaftswissenschaften erhält 20 neue Professoren, die bis zu ihrer Emeritierung auf Stiftungskosten forschen und lehren werden. 13 werden in Heilbronn arbeiten, sieben in München. Eine solche Zuwendung ist bundesweit wohl bislang einmalig.

Das zeigen auch diese Zahlen: Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft etwa zählt zwar bundesweit circa 1100 Professuren, die von hochschulexternen Förderern finanziert werden. Die aber verteilen sich auf mehr als 400 Hochschulen. An der TU und an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gibt es bislang nur jeweils etwa 20 Stiftungsprofessuren. Die Hochschule für angewandte Wissenschaften zählt nur drei. Hinzu kommt: Von diesen werden zwar einige, aber nicht alle von Unternehmen oder firmennahen Stiftungen finanziert. Am LMU-Klinikum ist es etwa die katholische Kirche, die eine Professur für Spiritual Care bezahlt. Und am Historischen Seminar der LMU finanziert das staatlich getragene Institut für Zeitgeschichte eine Professur.

Hinter vielen Professuren stehen hingegen durchaus Firmen. Am LMU-Klinikum finanzieren etwa die Asklepios-Kliniken seit 2013 eine Professur für Lungenheilkunde. Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie stiftete der LMU Ende 2009 eine Wirtschaftsprofessur. An der Hochschule München gibt es eine Professur für Papiertechnologie, für die der Rohstoffkonzern Omya bezahlt. Und an der TU trägt beispielsweise der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS die Kosten einer Professur für Hubschraubertechnologie und die BayWa die einer Professur für "Governance im Internationalen Agrarbusiness". Die Reihe ließe sich fortführen.

Die Unternehmen erhoffen sich von solchen Stiftungsprofessuren oft schlicht, die Forschung im eigenen Geschäftsbereich voranzutreiben und später Absolventen einstellen zu können, die auf die Herausforderungen im Betrieb vorbereitet sind. Hochschulen wiederum können ihre Forschung damit im Idealfall auf Bereiche ausdehnen, für die ihnen sonst das Geld fehlt, die sie aber langfristig auch besetzen wollen. Denn zwar werden Stiftungsprofessuren üblicherweise nur auf Zeit eingerichtet; in der Regel werden sie aber am Ende von den Hochschulen übernommen.

Stiftungsprofessuren sind dabei grundsätzlich unproblematisch, solange gewährleistet bleibt, dass die Förderer keinen Einfluss auf Lehre und Forschung, auf die Professoren und deren Ergebnisse nehmen. Sie müssen gewissermaßen damit zufrieden sein, Geld zu bezahlen und damit die Wissenschaft voranzutreiben. Dass es dabei tatsächlich bleibt, beteuern alle drei großen Hochschulen in München. Oberstes Kriterium bei den Vertragsverhandlungen sei stets, dass Forschung und Lehre frei bleiben, heißt es aus der LMU. Die TU garantiert dasselbe in einem eigenen Verhaltenskodex.

Geld für Forschung

Das Zauberwort heißt: Drittmittel. Universitäten finanzieren sich längst nicht mehr nur mit dem, was ihnen ihr jeweiliges Bundesland überweist. Die LMU etwa greift nur zu etwa 70 Prozent auf staatliche Mittel zurück, den Rest wirbt sie extern ein. Und auch an der TU machen Drittmitteleinnahmen fast halb so viel aus wie das Geld vom Staat. Der Löwenanteil fließt dabei in Forschungsprojekte, bei denen die Universität mit anderen kooperiert.

Drei Beispiele: Die LMU arbeitet in ihrer medizinischen Forschung mit dem Pharmakonzern Sanofi zusammen, um neue Therapien gegen Diabetes, Multiple Sklerose oder Infektionskrankheiten zu erforschen. Die TU kooperiert mit dem US-Konzern General Electric, der schon 2004 eines seiner Forschungs- und Entwicklungszentren nicht zufällig am TU-Campus Garching angesiedelt hat; im Jahr 2016 nahmen die beiden Partner gemeinsam ein neues, insgesamt 15 Millionen Euro teures Labor in Betrieb. Und das LMU-Klinikum erhielt 2008 ein Stiftungsvermögen in Höhe von 100 Millionen Euro von dem polnischen Medienunternehmer Zygmunt Solorz-Zak. Mit den Zinsen soll sie ein neues Forschungsinstitut für Schlaganfall- und Demenzforschung betreiben.

Entscheidend ist hier wie auch bei Stiftungsprofessuren, dass sich der Einfluss der Geldgeber in Grenzen hält, dass also öffentlich finanzierte Forschung auch öffentlich nutzbar bleibt. Kritiker mahnen darüber hinaus an, dass sich Unis durch Forschungskooperationen von externen Geldquellen abhängig machen - und dass sich dabei womöglich die Schwerpunkte der Forschung zu Gunsten von Firmenpräferenzen verschieben.

Dabei ist der Anteil von Privatunternehmen an den Partnern der Münchner Universitäten insgesamt relativ gering. Auch das zeigt sich an den Drittmitteln. Die LMU etwa erklärt, weniger als drei Prozent von diesen, also weniger als ein Prozent ihres Etats, stamme von Firmen. Und selbst die wirtschaftsnähere TU, die nach eigenen Angaben im Jahr mehr als 1000 Kooperationsverträge abschließt, erhielt zuletzt nur etwas mehr als ein Viertel der insgesamt 304 Millionen Euro Drittmittel von Firmen und privaten Geldgebern. Das meiste bezahlten staatliche Stellen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG.

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