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TU-Forschungsprojekt zum Wohnungsmarkt:Wohnst du schon oder suchst du noch?

Im Zweifel ist es Liebe auf den zweiten Blick: Wer einmal in München eine Wohnung gesucht hat, weiß wie schwierig das ist. Jetzt hat die TU ein Forschungsprojekt gestartet. Es geht um die Probleme der Suchenden - und wie man doch noch erfolgreich ein neues Zuhause findet.

Der angespannte Wohnungsmarkt ist in München ein Dauerthema. Jetzt hat die TU ein Forschungsprojekt dazu gestartet - der Lehrstuhl für Raumentwicklung will von Menschen, die in den vergangenen drei Jahren im Raum München umgezogen sind, wissen, auf welche Probleme sie bei der Suche gestoßen sind. Und welche Kompromisse sie letztendlich eingehen mussten, um eine Wohnung zu finden. Projektleiterin Agnes Förster erklärt, was die Studie bringen soll.

Agnes Förster, Wohnraumstudie

Leitet das Forschungsprojekt der TU zum Wohnungsmarkt im Raum München: Agnes Förster.

(Foto: oH)

Süddeutsche.de: Frau Förster, haben Sie selbst schon einmal eine Wohnung in München gesucht?

Agnes Förster: Das ist zum Glück schon zwölf Jahre her. Aber ich beobachte natürlich, wie schwer sich gerade junge Menschen tun, eine Wohnung zu finden. Allerdings ist das auch immer typenabhängig. Die einen sind sehr schnell bereit, Kompromisse zu machen. Andere träumen von Dingen, die in anderen Städten leicht zu haben sind. Zum Beispiel ein sanierter Altbau mit Balkon in der Innenstadt. Aber das alles bekommt man in München nicht. Zumindest nicht zu einem bezahlbaren Preis.

Süddeutsche.de: Aber mit genug Geld kann man sich hier jeden Wohntraum erfüllen?

Förster: Das ist die gängige Wahrnehmung. Übersehen wird oft: Die Wünsche wachsen mit dem Budget. Wir wollen in der Studie prüfen, ob höhere Einkommensschichten wirklich keine Probleme bei der Wohnungssuche haben. Die Frage ist ja: Was heißt überhaupt viel Geld in München. Oft hört man folgende Geschichte: Eigentlich wollte jemand ein Dachgeschoss in der Innenstadt und dann landet er in einem Einfamilienhaus im Umland. Und das ist nicht nur mit begrenzten Budget so.

Süddeutsche.de: Warum ist es im Raum München so viel schwieriger eine Wohnung zu finden als in anderen Städten?

Förster: Der Hauptgrund ist natürlich, dass die Einwohnerzahl in München wächst und die Stadt seit vielen Jahren nicht die Anzahl Wohnungen bauen kann, die sie will. Das sind etwa 7000 im Jahr, realisiert wird aber nur gut die Hälfte. Weil es so eine starke Nachfrage gibt, kann man in München praktisch alles vermieten, niemand muss um Mieter wirklich buhlen. Für die Stadt kann das zum Problem werden: Wenn sie zwar Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, aber nicht den Wohnraum für einen entsprechenden Lebensstil.

Süddeutsche.de: Was hat das mit Ihrer Studie zu tun?

Förster: Wir wollen wissen, von welchen Wünschen Suchende Abstand nehmen, um überhaupt an eine Wohnung zu kommen. Also ob man vielleicht nur auf den Preis achtet und dafür beim Balkon Abstriche macht. Wir befragen Menschen, die diesen Kompromiss gerade eingegangen sind. Danach können wir vergleichen: Was wurde eigentlich gesucht, wie ist die Suche verlaufen und wieso hat man sich am Schluss für ein bestimmtes Angebot entschieden.

Süddeutsche.de: Was wollen Sie mit den Ergebnissen machen?

Förster: Zum einen können wir Empfehlungen für Unternehmen geben, die Wohnungen bauen. Für die Stadt München ist die Frage: Was für Angebote errichten wir auf den letzten verfügbaren Flächen in der Stadt - so viele gibt es ja nicht mehr. Außerdem können wir danach sagen, welche Menschen tatsächlich bereit sind nach Milbertshofen Nord oder Laim Süd zu ziehen und warum. Es ist ja für die Stadtentwicklung eine Chance, wenn Menschen Viertel neu für sich entdecken. Auch im Umland wollen wir Menschen befragen. Etwa ob sie von vornehinein geplant haben nach Poing zu ziehen oder ob es sie dorthin verschlagen hat.

Süddeutsche.de: Das Amt für Statistik hat gerade auch eine Untersuchung veröffentlicht. Demnach zieht jeder vierte Münchner pro Jahr einmal in der Stadt um. Große Gewinner sind derzeit die Bezirke am Stadtrand. Wie erklären Sie sich das?

Förster: Ein Grund ist sicher die Gentrifizierung, die Alteingesessenen, die wegziehen müssen. Aber ich bin sicher, dass es mehr Menschen gibt, die gerne in der Maxvorstadt wohnen wollen als es sich leisten können. Menschen, die dort gesucht haben, aber nichts gefunden haben und die dann nach Fürstenried West gezogen sind. Das haben wir bislang nicht erhoben. Wir wollen nun wissen: Was sind deren Motive? Was sind das für Menschen? Und sind die dann unglücklich?

Süddeutsche.de: Haben Sie noch einen Tipp für Menschen, die derzeit eine Wohnung suchen?

Förster: Ich empfehle, in Viertel zu ziehen, die sich noch entwickeln, neue Lagen in der Stadt für sich zu entdecken und der Liebe auf den zweiten Blick eine Chance zu geben.

Die Umfrage findet sich online unter www.tum-wohnungsbauforschung.de. Unter allen Teilnehmern werden 15 iPod Shuffles mit 2 GB Speicher verlost.

© Süddeutsche.de/bica
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