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Trudering:Zeit des Wartens

Patrica Petapermal

Foto: privat

Stillleben von Patricia Petapermal in Trudering

Von Renate Winkler-Schlang, Trudering

Patricia Petapermal war einmal eine erfolgreiche Brokerin an der Pariser Börse. Sie ist 1963 in Paris als Tochter eines indischen Vaters und einer französischen Mutter geboren, studierte als vernünftige Tochter nach der Schule Finanzmathematik Und das, obwohl ihre Liebe auch damals schon der Kunst gehörte. 1993 hatte sie in London einen lebensgefährlichen Unfall mit einjähriger Rekonvaleszenzzeit - und damit Zeit genug, ihr Leben mit 30 noch einmal neu zu ordnen. Sie erkannte, dass das Schicksal ihr eine zweite Chance geschenkt hatte, studierte an der Kunstakademie in Straßburg, hatte bald erfolgreiche Ausstellungen.

Die Künstlerin lebt inzwischen in München. Ihre Stillleben, inspiriert von den Einflüssen zweier Kulturen und auch von ihrer existenziellen Erfahrung des Unfalls, sind nun im Truderinger Kulturzentrum zu sehen. Sie zeigen ihre profunden Kenntnisse der Techniken wie Malerei in Öl und Acryl, aber auch Collage, Relief, Zeichnung. Hauptthema für Patricia Peterpermal ist die Zeit. Zeit des Wartens, Zeit des Übergangs, Zeit des Gärens oder Bewusstwerdens. Ihre Kompositionen fächern sich oftmals auf in verschiedene Bereiche, die ausgefüllt werden mit Gegenständen oder Personen, die wie Symbole wirken. Sie verwendet indische Gottheiten und traditionelle Zeichen des Buddhismus und des Hinduismus, aber auch Akte oder Gegenstände. Oftmals sind es Stühle, und das hat seinen Grund: Nach dem Unfall drohte ihr ein Leben im Rollstuhl, nur mit eiserner Disziplin gelang es ihr, wieder gesund und mobil zu werden. "Ich konnte mich am Ende wieder aus dem Stuhl erheben", sagte sie kürzlich in einem Interview. Ein wichtiger Satz für sie. Der Stuhl ist für sie also Sinnbild des Leidens, aber gleichzeitig auch ein Zeichen, ein Symbol des Aufbruchs. Der Stuhl ist nicht nur ein statisches Objekt, er steht für ihren Weg.

Die oft dargestellten Körper stehen für Peterpermal für die Verletzlichkeit, für das Ausgeliefertsein und das Leiden, aber als Akte auch für die Schönheit. Wichtige Elemente ihrer Bilder sind auch Schrift, sogar ganze Sätze - und oftmals Fenster. Sie erlauben den Blick ins Innere und den Blick hinaus in die Welt.

Die Ausstellung mit Stillleben von Patricia Petapermal ist im Kulturzentrum, Truderinger Stra- ße 32, noch bis zum 5. Juni zu sehen; geöffnet an jedem Werktag von 10 bis 20 Uhr.

© SZ vom 18.05.2015

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