Trudering Wohnen auf Stelzen

Die SPD erwägt, den Acker hinter dem Truderinger Bahnhof bebauen zu lassen. Das Vorpreschen kommt nicht gut an

Von Renate Winkler-Schlang, Trudering

Das Projekt Wohnen für alle auf der Unnützwiese hat der Oberbürgermeister bekanntermaßen wegen des unsicheren Baurechts an der Stelle gestoppt. Die SPD in Trudering sah sich nun berufen, Ersatz anzubieten. Michael Welzel machte im Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem den Vorschlag, statt dessen den Park-und-Ride-Platz nördlich des Truderinger U- und S-Bahnhofs mit einem Stelzenbau nach Vorbild des Pilotprojekts am Dantebad mit Wohnungen für anerkannte Asylbewerber und Familien mit geringem Einkommen, Auszubildende, Alleinerziehende und Studenten zu bebauen. Damit das ambitionierte Ziel von 3000 geförderten "Wohnungen für alle" verwirklicht werden könne, müsse auch Trudering seinen Beitrag leisten, so die SPD.

Grundsätzlich kam Lob für den Vorstoß sowohl von der CSU wie auch von den Grünen, doch just diesen Standort hinter dem Bahnhof hielten die anderen Fraktionen für falsch. CSU-Sprecherin Magdalena Miehle erinnerte daran, dass schon einige Interessenten, die in früheren Jahren in diesem Umfeld bauen wollten, bei der Stadt auf Granit gebissen hatten, denn hier verlaufe die wichtige Frischluftschneise zur Versorgung der Innenstadt mit kühlerer und gesünderer Luft. Hinzu komme, dass ein Stelzenbau den Parkplatz noch uneinsehbarer mache als heute schon - gerade an einem Bahnhof aber treibe sich manch unerwünschtes Publikum herum. Das provoziere Probleme, fürchteten auch andere Redner aus der CSU-Fraktion.

Herbert Danner (Grüne) ergänzte, dass für neue Bewohner an diesem lauten Ort nicht einmal Freiflächen zur Verfügung stünden. Er hatte einen andere Vorschlag: Ein so gut erschlossener Ort eigne sich seiner Meinung nach viel besser für eine städtisches Verwaltung. "Und die wachsende Stadt braucht noch einige Verwaltungsgebäude." Danner erinnerte an die Ausstellung "Mehr Wohnen", die das Planungsreferat im Januar in der Rathaus-Galerie gezeigt hatte. Darin enthalten war ein spektakuläres Modell aus blauem Hartschaum, das mögliche neue Wohnungsbauten auf den landwirtschaftlichen Flächen östlich des Park-und-Ride-Platzes präsentiert hatte. Was die Besucher damals noch für eine "Utopie in Blau" gehalten hatten, könne vielleicht bald Wirklichkeit werden, so Danner. Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt darüber jedoch noch nicht sagen. Er wisse aber sicher, dass die Stadt Interesse habe, das Feld zu bebauen - offenbar trotz der Frischluftschneise.

Der Antragsteller ruderte zurück: Er habe mit seiner Idee vom Stelzenbau über dem Parkplatz einfach nur ein Zeichen setzen wollen, gerne nehme er den Parkplatz auch aus dem Antrag und formuliere ihn ganz allgemein. Das wiederum sah der Bezirksausschuss-Vorsitzende Otto Steinberger (CSU) als absurd an: Da stehe dann, dass die Stadt Flächen identifizieren und prüfen solle, das aber mache das Planungsreferat ohnehin. Wozu also noch der Antrag. Darüber ärgerte sich Jürgen Heidegger (SPD): Man finde immer Gründe gegen alle konkreten Vorschläge, das sei sehr schade. Georg Kronawitter (CSU) erklärte, Stelzenbauten seien sowieso nur Notlösungen, da solle der BA nun bitte mit einem solchen Antrag keinen "Blankoscheck fürs Planungsreferat" ausstellen. Viel besser wäre es doch, einen Vertreter der Behörde einzuladen und sich erklären zu lassen, was sie sich für den Acker neben dem Bahnhof vorstellen könne. SPD-Sprecherin Maren Salzmann-Brünjes war damit einverstanden, über den Ursprungsantrag musste man daher nun gar nicht mehr abstimmen.