Trudering Ungelöste Kontroverse

Der Truderinger Bezirksausschuss ist strikt gegen den Grundstückstausch zugunsten eines neuen Standortes für die Feuerwache und das Bayerische Rote Kreuz. Nun sollen Alternativvorschläge erarbeitet werden

Von Corbinian Wildmeister, Trudering

"Ich bin hier, um zu erfahren, wie die Stimmung ist", erklärt Sabine Stucke vom Immobilienzentrum des Kommunalreferates in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Trudering - und muss nicht lange auf eine Antwort warten. "Schlecht", entgegnet ihr der BA-Vorsitzende Otto Steinberger (CSU) und erntet Zustimmung im Saal. Als Vertreterin der Stadt München befindet sich Stucke an diesem Abend in einer undankbaren Position - schließlich geht es um ein Thema, das seit Längerem die Gemüter im Stadtviertel erhitzt.

Auf der Suche nach einem neuen Standort für die Feuerwache und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Trudering hat das Kommunalreferat ein Grundstück an der Bajuwarenstraße 136 bis 138 ins Auge gefasst. Jedoch ist diese Idee mehr als umstritten. Denn obwohl es sich um eine auf fünf Jahre begrenzte Zwischenlösung handeln soll, hätten die Baumaßnahmen massive Auswirkungen für die Anwohner. So müssten vermutlich acht Mietparteien das städtische Wohngebäude auf dem Grundstück verlassen. Außerdem wäre für den Bau der neuen Fahrzeughalle und 22 zusätzlicher Parkplätze die Fällung von rund 30 Bäumen notwendig.

Auf der Suche nach einem neuen Standort für die Feuerwache und das Bayerische Rote Kreuz in Trudering hat das Kommunalreferat ein Grundstück an der Bajuwarenstraße vorgeschlagen.

(Foto: Catherina Hess)

Die Lokalpolitiker haben daher beschlossen, die Planungen für einen Interimsstandort des Feuerwehrgerätehauses an der Bajuwarenstraße abzulehnen, konnten sich aber auf einen Gegenvorschlag einigen. Die Stadt München soll nun prüfen, ob das Areal gegenüber dem Truderinger Bahnhof, das momentan als Krautgarten genutzt wird, für die Unterbringung des BRK und der Freiwilligen Feuerwehr geeignet wäre. Eigentlich ist dort der Bau eines Sozialbürgerhauses geplant, doch wird die Umsetzung des Projektes wohl noch einige Zeit dauern.

Nur die Fraktion der Grünen lehnt dieses Vorgehen ab. "Die Nutzung des Krautgartens als Zwischenstandort könnte einer schnellen Realisierung des Sozialbürgerhauses im Weg stehen", argumentierte der Fraktionssprecher Herbert Danner. Dem setzte Georg Kronawitter (CSU) eine eher strategische Überlegung entgegen: "Wir brauchen einen eigenen Vorschlag, sonst wird uns die Stadt wieder sagen, dass das Grundstück an der Bajuwarenstraße alternativlos ist." Um sich künftig besser an der Suche nach potenziellen Standorten beteiligen zu können und "nicht mehr blinde Kuh zu spielen", forderte der BA außerdem eine Liste aller freien städtischen Grundstücke im Einsatzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Trudering, also von der Wasserburger Landstraße bis zur A 94 Richtung Passau.

Für einen Interims-Neubau des Feuerwehrhauses an der Bajuwarenstraße sollen Bäume fallen. Nicht nur für Helga Rutsch Grund für Widerstand.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Doch unter Umständen ist die Suche nach einem Alternativstandort gar nicht notwendig. Grund dafür ist ein Antrag der SPD-Fraktion: Es soll geprüft werden, ob nicht auf den Grundstückstausch verzichtet werden kann, der die verfahrene Situation erst herbeigeführt hat. Das frühere Truderinger Rathaus, in dem das BRK und die Freiwillige Feuerwehr bisher untergebracht sind, soll nach aktuellen Plänen gegen ein Grundstück am Rappenweg getauscht werden. Letzteres braucht die Stadt, um mit einer Umgehungsstraße den Schwerlastverkehr, der derzeit durch das Wohngebiet an der Bahnstraße verläuft, umzuleiten. Ohne den Ausbau dieser Straße könnte zudem ein großes Grundstück am Park-and-ride-Parkplatz Gronsdorf gar nicht erschlossen werden.

Ob die Schneiderhofstraße, die an den Rappenweg angebunden werden soll, in ihrem aktuellen Ausbauzustand tatsächlich für den Schwerlastverkehr genutzt werden kann und somit die erhoffte Entlastung der Bahnstraße bringt, bezweifeln einige Bezirksausschuss-Mitglieder. Sie spekulieren darauf, dass der Grundstückstausch damit in dieser Form obsolet seien könnte - Feuerwehr und BRK könnten bleiben, wo sie sind.

Das würde jedoch laut Stucke, die für das Tauschgeschäft verantwortlich ist, zu völlig neuen Verhandlungen führen. Auch der stellvertretende BA-Vorsitzende Stefan Ziegler (CSU) zeigt sich skeptisch: "Das Interesse der Stadt ist einfach zu groß, als dass sie auf den Grundstückstausch verzichten würde." Zumindest für das BRK habe das Kommunalreferat laut Stucke eine Alternative parat. Bevor man diese publik mache, müsse jedoch erst die bauliche Machbarkeit geklärt werden.