Süddeutsche Zeitung

Trudering/Riem:Zu wenig, zu spät

Beim fünften Bauabschnitt der Messestadt fehlen den Lokalpolitikern Informationen zum Verkehr, auch zur Umfahrung Kirchtrudering

Von Ilona Gerdom, Trudering/Riem

5000 bis 6000 neue Einwohnerinnen und Einwohner erwartet der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem im fünften Bauabschnitt der Messestadt, über den der Stadtrat an diesem Mittwoch entscheidet. Der BA fordert allerdings eine Vertagung, weil er sich zum Thema Verkehr nicht gut genug informiert fühlt, um eine Stellungnahme abzugeben.

Man habe sich Mühe gegeben, "mit dem vorgegebenen Tempo Schritt zu halten", gibt BA-Chef Stefan Ziegler (CSU) an. In Gänze bewerten könne man das Vorhaben auf der Fläche, die östlich an Kirchtrudering und westlich an den Riemer Park anschließt, trotzdem nicht, weil Informationen zum Verkehr fehlten. Die entsprechende Studie "Wohnen am Riemer Park" sei weder dem BA noch dem Stadtrat vorgestellt worden. Eine verkürzte Version habe man erhalten, nach Zieglers Ansicht aber zu spät: "Man kann nicht erwarten, dass uns das am 9. April geschickt wird und wir bis zum 14. eine Stellungnahme haben." Die Eckdaten für das Baugebiet ließen sich erst abschließend beurteilen, wenn alle Fragen zur Mobilität geklärt seien.

Nicht nur das Stadtteilgremium hat Bedenken. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" ist der Meinung, dass man vor der städtebaulichen Gestaltung des Quartiers das Verkehrskonzept klären muss. Zwar seien im Entwurf des Planungsreferats viele Ideen enthalten, aufeinander abgestimmt seien sie bislang nicht. Eine Buslinie durch das Neubaugebiet reiche nicht aus, kritisiert Sprecher Andreas Barth. Bis es ein "sinnvolles Verkehrskonzept" gebe, solle der Beschluss zurückgestellt werden.

Während der Verkehr strittig bleibt, sind sich die BA-Fraktionen in anderen Punkten einig. Sie sprechen sich für eine Gebäudehöhe von vier bis fünf Geschossen und Akzenten von bis zu acht Stockwerken aus. 2200 Wohnungen kann sich der BA vorstellen. 50 Prozent davon sähe er gern dauerhaft gefördert. Was die soziale Infrastruktur angeht, sollen Kita- und Schul-Defizite ausgeglichen werden, Alten- und Pflegeeinrichtungen und ein Alten- und Service-Zentrum Platz finden.

Wenn der Stadtrat trotz der Einwände der Lokalpolitiker am Mittwoch abstimmt, will der BA zumindest vor Auslobung des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs eine Machbarkeitsstudie. Sie soll zwei zentrale Verkehrsfragen klären: erstens, ob man das Baugebiet zusätzlich zum S- und U-Bahnhof Trudering auch an die Stationen Moosfeld und Messestadt-West anbinden kann. Zweitens müsse man sich über die 2014 beschlossene Entlastungsstraße, die Umfahrung Kirchtrudering, klar werden, die das Quartier tangiert. Die Anwohner dürften nicht unter dem Verkehr leiden.

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SZ vom 14.04.2021
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