Trudering Gemeinsam für mehr Grün

Anstelle der Turnhalle (Bildmitte) sollen an der Fauststraße - der Schnittstelle zweier Waldflächen - Wohnblöcke entstehen. Screenshot: Google Maps

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Die Bürgerinitiative, die sich gegen eine Bebauung an der Fauststraße wendet, koordiniert ihren Protest mit anderen Aktivisten-Gruppen und Organisationen in der Stadt. Allesamt kritisieren sie eine allzu heftige Nachverdichtung

Von Renate Winkler-Schlang, Trudering

Die Bürgerinitiative gegen die Bebauung an der Fauststraße 90 stemmt sich weiter gegen Planungen auf dem Gebiet und treibt dafür die Vernetzung mit anderen Gruppen sowie Vereinen und Naturschutzorganisationen voran. Die Aktiven der Fauststraße wollen, dass zwei Waldstücke im Osten Truderings, die sich derzeit nur an ihren Spitzen berühren, mit einem breiteren Korridor aneinanderstoßen - anstatt die angrenzende Fläche, auf der eine ausrangierte Sportanlage steht, mit Wohnblöcken zu bebauen. Am liebsten wäre ihnen, die Stadt würde das Grundstück vom Investor, der Optima Ägidius Firmengruppe, zurückkaufen.

Deshalb hat sich die Gruppe um Sprecher Horst Münzinger stadtweit mit Bürgerinitiativen vernetzt, die sich gegen in ihren Augen allzu heftige Nachverdichtung stemmen, von Bund Naturschutz über Bündnis Gartenstadt bis Heimatboden, von der Bürgerinitiative Lebenswertes Daglfing über die IG Bajuwarenstraße bis zu Pro Fürstenried. Sie alle waren mit Infotischen und Unterschriftenlisten am Mittwochabend im Truderinger Kulturzentrum bei der Veranstaltung der Initiative Fauststraße über "Gefährdete Grünflächen im Münchner Osten" vertreten.

Zur Causa Fauststraße hatte es zuvor Neuigkeiten gegeben: Statt vier sollen die Wohnblöcke nur noch drei Stockwerke hoch werden, die Zahl der Wohnungen reduziert sich von 80 auf 74. Die Hauptabteilungsleiterkonferenz im Planungsreferat hatte sich damit dem Votum der Mehrheit im Bezirksausschuss Trudering-Riem angeschlossen. Münzinger war das bereits inoffiziell zu Ohren gekommen, er wollte dies aber nicht verkünden. Andreas Grömling, Pressesprecher von Optima Ägidius, tat es ebenfalls nicht.

Im Grunde ändert das ohnehin nichts an dem Anliegen der Kämpfer von der Fauststraße, die sich grundsätzlich gegen neue Bauten in diesem Landschaftsschutzgebiet stemmen. Münzinger zog eine Parallele zum Fall der Allianz-Sportanlage am Rand des Englischen Gartens, die Neubauten weichen soll: Das dortige Landschaftsschutzgebiet verteidige der Oberbürgermeister - in Trudering aber lasse er zu, dass ein Präzedenzfall geschaffen werde. Wenn überhaupt, so Münzinger, sollte die Fläche wie früher für den Sport genutzt werden. Für diese Idee hatte er sich vernetzt mit dem TSV Trudering und dem FSV Waldtrudering: Beide Vereine platzten aus allen Nähten und würden nach jedem Strohhalm greifen - was der Vorsitzende Andreas Markelstorfer für den TSV "und im Namen aller Vereine" bestätigte.

In der Diskussion warnte eine Mutter vor zu viel Verkehr auf der Fauststraße, sie lasse ihre Kinder nicht mehr draußen spielen. Ein Bürger wollte wissen, ob die Stadt oder die Politik Baurecht in Aussicht gestellt habe. "Gab es Absprachen? Und ist ein Rückkauf denkbar?" Der Firmensprecher hielt sich bedeckt. Grünen-Stadtrat Herbert Danner warb vergebens für seine Idee, so wenig Boden wie möglich zu versiegeln und weniger, aber höhere Häuser zu bauen. "Wir wollen dort gar keine Häuser", schallte es aus dem Publikum zurück.

Christian Hierneis, Vorsitzender des Bundes Naturschutz München, stellte das Thema in einen größeren Zusammenhang. In einem eindringlichen Vortrag, für den er erst kürzlich im Münchner Norden viel Applaus geerntet hatte, forderte er: "Keine Bebauung von Grünflächen, solange es keine Strategie gibt." Er wies anhand zurückliegender Prognosen und alter Thesenpapiere nach, dass München kein Langfrist-Konzept hat für sein Wachstum. Er zeigte, dass es auf allen Politikebenen Lippenbekenntnisse gibt für mehr Grün, mehr regionale Lebensmittel, mehr Natur- und intensiveren Klimaschutz. Die Taten aber sprächen eine andere Sprache. Es leuchte ihm ein, dass geförderter Wohnraum fehle - nicht aber Luxuswohnraum und auch nicht neues Gewerbe, das nur weiter das Wachstum anheize. Jeder Planer könne erklären, dass sein eigenes Projekt "so schlimm" nicht sei. Doch die Summe sei untragbar. Auch das Gebiet um die Fauststraße sei ein äußerst sensibles, erklärte Hierneis.