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Trudering:Gefallen am Gebimmel

Truderinger wenden sich in Bürgerversammlung gegen den Vorstoß, Kirchengeläut einzudämmen

272 Mal am Tag ein Schlag, genauer: ein Glockenschlag vom Kirchturm St. Augustinus, der auch in 500 Metern Entfernung überdeutlich hörbar ist. Sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, von sechs bis 21 Uhr, das macht rund 98 000 Glockenschläge. Andreas Betzelt hat das ausgerechnet. Ihn nervt das, vor allem das Dauergeläut um 8 Uhr morgens am Wochenende. Seit zweieinhalb Jahren wohnt er im Umfeld der Kirche, und fast so lange versucht er, das Geläut im Gotteshaus ein wenig einzudämmen.

Die Gemeinde wollte ihm entgegenkommen, nur von sieben bis 20 Uhr läuten. Doch der Nachbar erhoffte sich am Donnerstag von der Bürgerversammlung Trudering-Riem Unterstützung für seinen Wunsch nach "kleineren Glocken, weniger harten Schlägen, ein noch erträglicheres Maß". Blau waren die Stimmkarten und er sah sehr viel Blau - bei den Gegenstimmen. Die Truderinger stehen zur Tradition und zum Geläut.

Und sie stehen zusammen, wenn es um Verkehr geht, der aus dem Nachbarviertel Neuperlach zu ihnen herüberschwappen wird, vom Piederstorfer Gelände, auf dem rund 1300 Wohnungen geplant sind. Eva Raith erklärte, mit der Verkehrsführung dort werde "im Prinzip der Stöpsel aus der Flasche genommen". Es schließe sich eine Verbindung von der Ständlerstraße zur Friedenspromenade und damit letztlich sogar von der A 8 zur A 94. Sie forderte, ebenso wie einige weitere Redner, zu dem Thema eine gesonderte Einwohnerversammlung in Trudering. Jochen Thomas machte sich bereits Gedanken über die konkreten Auswirkungen auf die Friedenspromenade und forderte dort zwei neue Ampeln, an der Ottilien- und der Vogesenstraße. Ähnliches hatte Adolf Käßler vor einem Jahr getan - und vermisste eine Antwort.

Ansonsten haben die Truderinger offenbar keine großen Sorgen. Es ging um Glascontainer und Laubentfernung, Hundekot, Parken in der Damaschkestraße, eine Kontaktschleife und den Wunsch, die Tangastraße zur Fahrradstraße zu machen. Auch das Anliegen, den Weg in der Grünanlage zwischen Feldberstraße und Friedenspromenade zu beleuchten, wurde geäußert.

Das alte Riem war mit drei Anträgen vertreten: Nicolle Walther forderte in der Turnhalle der neuen Grundschule am Ilse-von-Twardowski-Platz Trainingszeiten für den TSV Riem-Dornach. Marc Spielberger schilderte den Missstand, dass seiner Siedlung an der Riemer Straße nahe der Straßenmeisterei wegen der breiten Räumfahrzeuge jeweils fünf Monate im Jahr die letzten paar Parkplätze gestrichen werden. Es habe bereits Ortstermine gegeben - doch dann hörte man nichts mehr von der Stadtverwaltung. Jörg Hoppe forderte einen behindertengerechten Zugang zur S-Bahn.

Der große Rest in der teilweise fast atemlos straffen Versammlung, in der der Bezirksausschuss-Vorsitzende Otto Steinberger (CSU) und Helmut Bayerl von der Polizei ihre Berichte kurz hielten, betraf die Messestadt. Vor allem ging es um den Park und ums Parken. Das vorsorgliche Abholzen wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers könne dazu führen, dass der Park irgendwann wieder platt werde wie einst der Flughafen, fürchtete Thomas Grimm. Die Verstammlung unterstützte seinen - wohl aussichtslosen - Wunsch nach alternativen Bekämpfungsmethoden. Gunhild Preuß-Bayer fiel hingegen durch mit ihrem Antrag nach weniger Licht im Grünen, denn das störe die Tiere. Michael Brunner vom Gartenbauamt verteidigte die Zahl der Laternen ebenso wie die Situierung der Wasserwachtstation, die bemängelt worden war. Der Wunsch nach ganzjährig zugänglichen Toiletten hingegen wird aber wohl bald erfüllt.

Beim Parken in der Messestadt waren die Abstimmungsergebnisse widersprüchlich. Preuß-Bayer hatte gefordert, die Stadt möge das ursprünglich ökologisch-autofreie Konzept wieder aus der Schublade holen. Sie bekam eine Mehrheit ebenso wie die Redner, die gegen die Einführung einer Zwei-Stunden-Begrenzung für die Parkplätze im Westen der Messestadt sprachen. Gefordert wurde zudem die Subventionierung einer Kinderarzt-Praxis. Beschleunigen wollte eine Rednerin den Bau eines Supermarkts im Osten, ein anderer den des Schulcampus im Westen. Die Stadt solle auch prüfen, ob angesichts der Flüchtlingszahlen das Gymnasium und die Realschule von vornherein größer ausfallen müssten.

© SZ vom 10.10.2015

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