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Trudering:"Ein Schlag mit dem Hammer"

Kita Marianne-Plehn-Straße

Wird aufgegeben: Innenansicht der Kita an der Marianne-Plehn-Straße.

(Foto: Privat)

Die Kita an der Marianne-Plehn-Straße soll im Herbst schließen. Elternvertreter beklagen, dass die Unterbringung der Kinder nicht geklärt ist

Von Ilona Gerdom, Trudering

Für Eltern, die arbeiten, ist es wichtig, dass sie ihre Kinder in Tagesstätten gut untergebracht wissen. In Trudering ist eine davon das städtische Haus für Kinder an der Marianne-Plehn-Straße 71. Doch der Containerbau auf dem Gelände der Grundschule an der Forellenstraße soll von 31. Oktober an geschlossen bleiben. Damit gehen 25 Kindergarten- und 75 Hortplätze im Stadtteil verloren.

Schon 2019 hatte der Weiterbetrieb der Einrichtung auf der Kippe gestanden. Wasseransammlungen und Feuchtigkeit hatten zu Schäden am Dach geführt. Damals wurden Metallstreben und Stützen angebracht. Eigentlich war geplant, das Gebäude bis 2025 zu nutzen. Im vergangenen Jahr hat sich laut dem Referat für Bildung und Sport (RBS) sowie dem Baureferat allerdings herausgestellt, dass weder eine Sanierung noch eine neue Anlage an der Marianne-Plehn-Straße möglich sind. Seit Herbst 2020 sei außerdem bekannt, dass eine Weiternutzung aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen sei. Darüber habe man auch die Einrichtung informiert, die dann - so "der übliche Weg", wie es hieß - die Eltern darüber ins Bild setzen sollte. Der Leiter des Kinderhauses möchte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

Der Elternbeirat fühlt sich zu wenig informiert und ist verunsichert, wie es weitergehen soll. Tim Faber, Teil des zehnköpfigen Komitees, beklagt die Kommunikation von städtischer Seite. So hätten die Eltern nach den provisorischen Maßnahmen gedacht, "dass das so weiterläuft". Es habe nur eine Andeutung zur möglichen Schließung gegeben. Erst als die Eltern im Dezember einen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schrieben, habe man vom Termin im Oktober erfahren. "Das war ein Schlag mit dem Hammer", sagt der Vater, dessen zwei Töchter an der Marianne-Plehn-Straße untergebracht sind.

Laut RBS ist aktuell noch nicht klar, wie viele Kinder betroffen sind. Derzeit gehe man von 15 Kindergarten- und 48 Hortkindern aus. Obwohl die Auflösung seit vergangenem Jahr feststeht, scheint die Unterbringung der Kleinen von November an nicht abschließend geklärt zu sein. Zwar wurde vom OB persönlich weiterhin ein Betreuungsplatz garantiert: aus dem RBS heißt es: "Alle Eltern werden in einer anderen städtischen Einrichtung ein Platzangebot erhalten." Konkrete Informationen zum Wo und Wie gibt es hingegen noch nicht.

Elternbeirat Faber kritisiert dies, weil im März die Frist endet, um sich für eine andere Kita zu bewerben. Auch was die Ersatzplätze angeht, hat er Bedenken. Mit der ohnehin angespannten Lage durch Corona sei es unzumutbar, die Kinder aus ihren Gruppenverbänden zu "reißen". Darüber hinaus seien gerade für Familien wie die Fabers, bei denen beide Elternteile in Vollzeit arbeiten, lange Hol- und Bringwege kaum in den Alltag zu integrieren.

Solche Fragen und Probleme will das Referat für Bildung und Sport nicht unbeantwortet lassen. Deshalb soll noch im Februar eine Online-Sprechstunde mit den Erziehungsberechtigten stattfinden. Außerdem soll im vierten Quartal 2023 eine Kindertageseinrichtung am Kreuzerweg 28 eröffnet werden. Dort ist immerhin Raum für drei Hortgruppen.

© SZ vom 23.02.2021
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