Trudering Die unsichtbare fünfte Etage

Ein Wohnprojekt in Trudering soll höher werden als geplant - der Bezirksausschuss bietet einen Kompromiss an

Von Renate Winkler-SchlanG, Trudering

Mehr oder weniger zähneknirschend ist der Bezirksausschuss Trudering-Riem bereit, die überraschende Baurechtsmehrung für die Fläche an der Wasserburger Landstraße/Feldbergstraße hinzunehmen - unter gewissen Bedingungen. Das ist das Ergebnis einer Unterausschuss-Sitzung mit den Investoren und Architekten, Vertretern des Planungsreferats und einigen Anliegern.

Der Bezirksausschuss hatte sich zuvor mit der vierstöckigen Randbebauung gegenüber dem Truderinger Kulturzentrum einverstanden erklärt; es schien alles in Ordnung, der Entwurf war Grundlage für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans, so der Fachterminus. Doch ehe der nächste Schritt im Verfahren anstand, nämlich der Billigungsbeschluss, hatte sich das Projekt verändert: Auf den 1,57 Hektar sollten nun nicht mehr wie bisher 137 Wohnungen in vierstöckigen Bauten, sondern 148 Wohnungen entstehen - ein fünftes Stockwerk kam dazu.

Der Bezirksausschuss fühlte sich übergangen und ärgerte sich, dass auch die Nachbarn nicht erneut eingebunden wurden. Außerdem hatte er Zweifel, wie das städtebaulich wirken würde. Im Unterausschuss wurde klar, dass das Gremium sich dem Ruf nach zusätzlichem Wohnraum nicht verschließen wollte: Dass es bei dem ursprünglichen Konzept bleiben solle, forderte nur eine Minderheit.

Georg Kronawitter (CSU) äußerte jedoch große Sorge, dass ein fünfstöckiger Klotz an der Ecke das bisher diesen Bereich prägende, zweistöckige Kulturzentrum nur noch aussehen lassen würde "wie ein besserer Radlschuppen aus der Nachkriegszeit", gerade mal halb so hoch wie die Neubauten. Er plädierte dafür, dem Kulturzentrum gegenüber viergeschossig zu bleiben und dafür den entlang der Wasserburger Landstraße geplanten Riegel in der Mitte zu verdicken. Diese Idee war dann im Unterausschuss mit vier zu vier Stimmen ohne Mehrheit geblieben, sodass man dort am Ende bereit war, sich den neuen Plänen der Stadt anzuschließen. Doch Kronawitter wollte nicht aufgeben und versuchte, das Plenum zu überzeugen. Ausgerechnet an der Ecke niedriger zu bauen, fand aber nun Rupert Rösch (Grüne), von Beruf Architekt, gestalterisch auch nicht gerade befriedigend. Rösch brachte eine neue Variante ins Spiel, ein zurückgesetztes fünftes Geschoss, das von der Straße aus nicht zu sehen wäre und die wuchtige Wirkung abmildern könnte.

Schnell waren alle angetan: "Der BA erwartet durch diese Änderung eine Verringerung der starken städtebaulichen Spannung an dieser wichtigen Stelle des Truderinger Ortsbildes", heißt es nun in einem Schreiben ans Planungsreferat, das alle mittrugen. Einstimmig wurde auch die Forderung verabschiedet, dass die zusätzlich möglichen elf Wohnungen allesamt als geförderte oder im München-Modell entstehen sollen.

Wichtig war den Mitgliedern auch die Durchlässigkeit: Bisher lag die Zirkuswiese wie eine Sperre zwischen Kulturzentrum und Straßtruderinger Einkaufsmeile, in Zukunft soll dort ein Fußweg fernab des Verkehrs diese wichtigen Orte verbinden. Das Planungsreferat hatte aber im Unterausschuss zugesagt, dass dies ebenso wie die Grünflächengestaltung ein wichtiges Element des städtebaulichen Vertrags sein solle, den die Stadt mit dem Investor abschließen wolle.

Da an der Unterausschuss-Sitzung zahlreiche Bürger teilgenommen hatten, verzichtete der Bezirksausschuss auf eine erneute öffentliche Veranstaltung der Stadt: Ehe der Stadtrat den Satzungsbeschluss fasst, bekommen die Bürger ohnehin noch einmal die Gelegenheit, sich zu äußern oder ihre Einwände geltend zu machen.