Trotz Flugverbots Absturz am Olympiaturm

Ein Drohne prallt in 181 Metern Höhe gegen das Drehrestaurant und stürzt in die Tiefe. Nur durch Zufall wird niemand verletzt. Die Fälle gefährlicher Situationen mit den ferngesteuerten Geräten häufen sich in München - die Flugsicherung fordert Konsequenzen

Von Martin Bernstein

Eine vierköpfige Familie ist im Olympiapark nur knapp einer tödlichen Bedrohung entkommen. Wenige Meter neben ihr schlug eine abstürzende Drohne auf, die zuvor gegen eine Fensterscheibe des Drehrestaurants in 181 Metern Höhe geprallt war. Der Drohnen-Pilot, ein 36-Jähriger aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, muss sich jetzt wegen Gefährdung des Luftverkehrs verantworten. Möglich ist eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Der Mann hatte Kamera-Aufnahmen vom Inneren des Drehrestaurants machen wollen. Die Polizei machte den Vorfall, der sich bereits am 30. Oktober ereignet hatte, erst jetzt bekannt, weil die Olympiapark GmbH erst zehn Tage nach dem Unglück Anzeige erstattete.

Es ist ein ruhiger, trockener Herbstsonntag. Viele Besucher bummeln bei zwölf Grad durch den Olympiapark. Etwa 400 Menschen halten sich allein im Bereich des Olympiaturms auf. Im Drehrestaurant ist um 15 Uhr Nachmittagsbetrieb. Plötzlich ein dumpfer Knall, der Gäste und eine Servicekraft des Restaurantbetreibers Arena One aufschrecken lässt. Ein Gegenstand ist gegen die dicken, bruchsicheren Glasscheiben geprallt. Die Bedienung kann noch beobachten, wie eine Drohne zu Boden stürzt und dort zerschellt. Keine zehn Meter von der vierköpfigen Familie entfernt kracht das 1,7 Kilogramm schwere ferngesteuerte Fluggerät zu Boden. Security-Mitarbeiter der Olympiapark GmbH eilen zur Absturzstelle. In der Nähe entdecken sie den Lenker der Drohne. Sie nehmen seine Personalien auf und stellen das Fluggerät sicher.

Die Drohne sollte offenbar von außen Fotos des Drehrestaurants machen. Sie krachte gegen die bruchsicheren Scheiben.

(Foto: Robert Haas)

Der Quadrocopter vom Typ Yuneec Typhoon Q 500+ hat eine hochauflösende Kamera. Für ein bisschen mehr als 600 Euro kann man sich die Flugmaschine mit ihren vier Propellern im Internet bestellen - und losfliegen. Führerschein oder Genehmigung brauchen Privatpersonen nicht, lediglich eine spezielle Haftpflichtversicherung. Im Yuneec Typhoon ist nach Expertenangaben ein System implementiert, das verhindern soll, dass die Drohne in Flugverbotszonen überhaupt gestartet werden kann. Im Olympiapark sind Drohnen allerdings verboten, und Flüge über Menschenansammlungen sind es sowieso. Den Aichacher hatte das offenbar nicht gestört. Dennoch dauert es zehn Tage, ehe die Olympiapark GmbH Anzeige gegen den Mann erstattet. Warum das so lange gedauert hat, kann Tobias Kohler, Pressesprecher der städtischen Gesellschaft, am Dienstag nicht erklären.

Die zuständige Polizeiinspektion übergab den Fall an die Unfallaufnahme der Verkehrspolizei. Als die Beamten den Kameraspeicher der Drohne sichteten, entdeckten sie, dass der 36-Jährige am Tattag zahlreiche illegale Flüge über dem Olympiagelände durchgeführt hatte. Staatsanwaltschaft München I und die Regierung von Oberbayern wurden eingeschaltet. Der Täter ist bisher jedoch noch nicht vernommen worden. Die Polizei sucht jetzt weitere Zeugen des Vorfalls. Vor allem hoffen die Ermittler des Unfallkommandos (Telefonnummer 089/ 62 16 33 22), dass sich die Familie mit den beiden Kindern noch meldet, neben der die Drohne aufschlug.

Die Menschen im Drehrestaurant seien durch die Drohne nicht in Gefahr gewesen, sagt Tobias Kohler. Die Scheibe habe jedoch durch den Aufprall einen Schaden erlitten und müsse wohl ausgewechselt werden. Die Kosten konnte der Pressesprecher noch nicht beziffern. Die Mitarbeiter der Olympiapark GmbH achten laut Kohler genau darauf, dass das Drohnenflugverbot eingehalten wird. Das sei schließlich "sicherheitsrelevant". Schwere Verstöße seien allerdings die Ausnahme.

Das gilt jedoch nicht für den Münchner Flughafen. Dort wurden von Januar bis Oktober nach Frankfurt und Köln die meisten der 61 Fälle registriert, in denen sich Drohnen bemannten Fliegern gefährlich angenähert hätten. Das teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) anlässlich einer Technologiekonferenz am Dienstag in Langen mit. Im gleichen Vorjahreszeitraum habe es bundesweit nur zwölf derartige Zwischenfälle gegeben. Zuletzt kam im Oktober eine Drohne am Flughafen einem Jet gefährlich nahe. Der Pilot einer Passagiermaschine im Landeanflug meldete das Flugobjekt in der östlichen Einflugschneise, keine 50 Meter vom Flugzeug entfernt. Im August entging ein Airbus A 321 mit rund 110 Menschen an Bord knapp einer Katastrophe. Eine Drohne hatte sich dem Flugzeug in 1700 Metern Höhe bis auf zehn Meter genähert. Auch über dem Oktoberfest flogen trotz eines Flugverbots Drohnen. Die Polizei erwischte am zweiten Wiesn-Wochenende einen 51-Jährigen, der aus einem Gebüsch heraus eine Drohne steuerte. Die DFS forderte erneut, Drohnen ab einem Gewicht von 250 Gramm in einem zentralen Verzeichnis zu registrieren.