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Trotz aller Bedenken:Die Stadt will das verkürzte Gymnasium

Also doch: Auch die städtischen Gymnasien sollen nach Willen der Rathaus-SPD schon im Herbst mit der achtjährigen Form starten. Zwar hält man das Vorgehen des Freistaats für überstürzt, befürchtet bei einer Verzögerung aber ein Wirrwarr und Nachteile für Eltern und Schüler. Ohne Verzögerung wollen auch die meisten Privat-Gymnasien beim G8 mitziehen.

"Trotz miserabler Rahmenbedingungen", sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, Haimo Liebich, werde man die vom Kultusministerium eingeräumte Übergangsfrist von bis zu fünf Jahren nicht nutzen. "Sonst würden Eltern in einen unnötigen Entscheidungszwang zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium getrieben."

Auch befürchtet Liebich ansonsten Probleme für Sitzenbleiber und Schulwechsler. Und früher oder später komme das vom Freistaat geplante G8 ohnehin. Überhaupt sei die Rathaus-SPD "nicht prinzipiell gegen die Einführung des G8", unzufrieden aber mit der Umsetzung. Monika Hohlmeier habe sie sich "mit heißer Nadel verstrickt".

Das städtische G8 solle sich deshalb von der staatlichen Version unterscheiden. Zum Beispiel solle es mehr als die zwei vom Kultusministerium angedachten Intensivierungsstunden geben. Weiter will Liebich "vollwertige Ganztagesgymnasien" mit einem verbindlichem Stundenplan bis 16 Uhr einführen, in denen Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften und Förderstunden Platz haben.

Am Mittwoch stimmt aber letztendlich der Schulausschuss darüber ab, ob das G8 schon zum nächsten Jahr auch an den Städtischen Schulen Einzug hält. Doch auch die Grünen im Stadtrat sind "nicht gegen das G8 eingestellt", wie Stadträtin Sabine Krieger erklärte. Allerdings werde ihre Fraktion Bedingungen stellen. Die Entscheidung im Schulausschuss fällt keinen Tag zu spät - schon in den nächsten Wochen beginnen die Elterninformationsabende an den Gymnasien.

Als eines von vielen Problemen beim G8 sieht die Rathaus-SPD die Mittagsverpflegung. "Ein Pausenverkauf mit Würsteln und Duplos", sagte die Vizevorsitzende Christine Strobl, "reicht nicht für 800 Kinder, die über Mittag an der Schule bleiben." Für Umbauarbeiten fehlte der Stadt - dem Sachaufwandsträger - aber das Geld. Bei der Finanzierung beruft sie sich deshalb auf das Konnexitätsprinzip, demgemäß alle Kosten des G8 - "von den zusätzlichen Räumen über das Personal bis zur pädagogischen Arbeit" beim Initiator, dem Freistaat, lägen. Um die zusätzlichen Angebote an den kommunalen Gymnasien zu finanzieren, werde man möglicherweise "weitere Klassen von städtischen Schulen an den Freistaat abgeben müssen", so Haimo Liebich.

Auch die meisten der zehn privaten Gymnasien in München werden nach Ansicht von Gustav Huber, verantwortlich für das private Isar- und das Hubergymnasium, schon im Herbst mit dem G8 beginnen. Entgegen der Stadt hält Huber die Einführung für die "absolut richtige Entscheidung". Ein G8-Zweig an seinem Isar-Gymnasium habe sich "sehr gut bewährt".

Jan Derksen, Geschäftsführer des "Kleinen Privaten Lehrinstituts", ist schon aufgrund räumlicher Probleme skeptischer, will sich aber trotzdem anschließen. "Schon wegen der Durchlässigkeit zwischen den Schulen." Und auch, um nicht letztlich als der langsamere Schultyp zu gelten.