Schmetterlinge – welch ein unpassender Name für so zarte, schöne, beschwingte Geschöpfe. Tiere, die seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen ausüben. Wegen ihres so vielgestaltigen „Artworks“, das oft eine Explosion von Farben und Formen ist. Und dann natürlich wegen der einzigartigen, bis heute biologisch-chemisch nicht vollständig ergründeten Metamorphose von der unförmigen, oft bizarren Raupe über die starre Puppe bis zum sich durch die Lüfte schwingenden Falter.
Auch heuer kann man diese kleinen Wunder wieder live betrachten, in der „Sonderausstellung Tropische Schmetterlinge“ im Wasserpflanzenhaus (Haus 4 der Schaugewächshäuser) des Botanischen Gartens München. Was natürlich keine Ausstellung im eigentlichen Sinne ist, eher ein Happening: Mehr als 50 Arten flattern zu Hunderten frei im Haus herum. Ein speziell geschultes, inzwischen bestens eingespieltes Team von zehn Freilandgärtnern kümmert sich um die Pflege der Tiere, das Füttern der Raupen und die Führung von Schulklassen und Gruppen.
Zum Start wird das Wasserpflanzenhaus mit Imagos bestückt, die in Schmetterlingsfarmen auf Malaysia oder Costa Rica aus dem Ei gezüchtet wurden und als Puppen in München ankommen. Die weitere Vermehrung kommt dann von allein in Gang. Allerdings kommt sicherheitshalber alle zwei Wochen Nachschub aus der Ferne an, denn viel älter werden die meisten Falter nicht. Ein kurzes, bewegtes Leben also, das nur der Paarung und Arterhaltung dient. Den ganzen Zyklus vom Ei über die Raupe und die Verpuppung bis zum Imago kann man im Haus miterleben und mit etwas Glück auch einen Falter schlüpfen sehen.

Anfassen oder gar Fangen der Schmetterlinge ist verboten. Aber wer sich ruhig verhält, auf dem lassen sich die spektakulären Geschöpfe von selbst nieder. Etwa der riesige südamerikanische Bananenfalter (Caligo eurilochus) mit seinem markanten Augenfleck auf der Unterseite. Der ebenfalls zu den Edelfaltern/Nymphalidae gehörende blauschillernde Morpho-Falter (Morpho peleides), der es schon zum Schmuckobjekt gebracht hat und wegen seiner lichtbrechenden Struktur des Flügelstaubs zur Inspiration in der Bionik wurde, etwa bei der Entwicklung kühlender Oberflächen. Oder der große Bruder unseres Schwalbenschwanzes, der südasiatische Pfauen-Schwalbenschwanz aus der Familie der Papilionidae, also Ritterfalter. Auch Pieridae, Weißlinge sind vertreten, freilich sind die hier fliegenden tropischen Arten alles andere als nur weiß.

Weil immer mehr Menschen diese zauberhaften Kleinode hautnah erleben möchten, müssen Besucher wie schon im vergangenen Jahr ein Zeitfenster buchen. Das Ticket gibt am jeweiligen, von 9 bis 16 Uhr geöffneten Besuchstag eine Stunde als Startzeit vor, der Aufenthalt ist danach unbegrenzt. Das Ticket gilt auch für alle weiteren Gewächshäuser. Jahreskartenbesitzer buchen es kostenlos, Kinder unter vier Jahren können ohne Ticket mitgenommen werden. Erstmals kann man sich ein Zeitfenster auch schon vorab im Online-Ticket-Shop sichern. Das ist besonders für Wochenenden und in den Ferien empfehlenswert, weil das Haus da meist schon von 12 Uhr an ausverkauft ist.
Abgesehen davon will der winterliche Ausflug in die Tropen kleidungstechnisch vorbereitet sein. Man sollte sich leicht ablegbare Schichten anziehen, denn im Wasserpflanzenhaus ist es feuchtheiß, und es kann nicht gelüftet werden. Das ganzjährig geöffnete Wasserpflanzenhaus ist freilich nicht nur wegen der Schmetterlinge einen Besuch wert. Außergewöhnliche Pflanzen haben dort ebenfalls ihr Quartier. Und dann gibt es wohl immer noch einen großen, inzwischen mehr als 20 Jahre alten asiatischen Fadenfisch namens Anna, der sich ebenfalls immer auf die Schmetterlinge freut: Er macht sich dann geräuschvoll über herabfallende Raupen her.

Unbedingt sollte man auch wieder einen Abstecher in den Grünen Saal am Ende der Schaugewächshäuser einplanen. Läuft dort doch parallel zu den tropischen Schmetterlingen wieder eine passende Ausstellung. Waren es im vergangenen Jahr „Insektenzeichnungen nach der Natur“ von Martina Zwanziger, so sind heuer Arbeiten der Fotografin Manuela Braunmüller unter dem Titel „200 Million Years“ zu sehen.
Der Arbeitsschwerpunkt der 32-jährigen Münchner Künstlerin liegt seit jeher auf der Beziehung zwischen den Menschen und „anderen Tieren“. Hier porträtiert sie den Schmetterling als Vertreter komplexer ökologischer Beziehungen in mehreren Werkserien, die Fotografie, Film und Poesie einsetzen. Farbige Makroaufnahmen von Schmetterlingsflügeln, die wie Landschaften wirken, werden kombiniert mit abstrakten Schwarzweiß-Fotografien von Schmetterlingen. Jede Serie bietet eine einzigartige Einführung in unsere Beziehung zum Schmetterling und vermittelt, wie diese durch Ästhetik, Wissenschaft und Geschichte geprägt ist.

Das Projekt wechselt zwischen dokumentarischen und abstrakten Darstellungsweisen und zielt darauf ab, durch die vielgestaltige Erfahrung der Schönheit der Lepidoptera einen empathischen Zugang auch zu anderen Arten und ökologischen Netzwerken zu eröffnen. Der Titel „200 Millionen Jahre“ bezieht sich auf die Länge der Evolutionsgeschichte der Schmetterlinge, von denen eine enorme Zahl von Arten heute vom Aussterben bedroht ist.
Tropische Schmetterlinge und Insektenzeichnungen nach der Natur, bis Sonntag, 8. März, 9 bis 16 Uhr, Wasserpflanzenhaus und Grüner Saal im Botanischen Garten, Menzinger Straße 65, https://botmuc.snsb.de
