Feuer verwandelt, es ist der Transformator unter den Elementen. Im besten Fall gelingt das auch der Musik, wenn sie leidenschaftlich gespielt wird, mutig, abenteuerlustig. Dann kann sie in andere emotionale Zustände versetzen. Das wünscht sich Maximilian Hornung, Cellist und Intendant, von seinen Traunsteiner Sommerkonzerten, die vom 1. bis 7. September stattfinden.
Mit dem diesjährigen Feuer-Motto geht ein thematischer Zyklus zu Ende, der über vier Festivals hinweg die Elemente zum Ausgangspunkt assoziativer Programmgestaltung gemacht hat. Für Hornung eine Erfolgsserie: „Mir war ein Bedürfnis, dass die Leute da eine Offenheit entwickeln“, sagt er. „Ich bin fast erschrocken, wie gut das gelungen ist.“
Eher lose Verbindungen zum Motto hat das Auftakt-Konzert. Das dritte Streichquartett des vor fünfzig Jahren gestorbenen Dmitri Schostakowitsch wird zu hören sein und das große G-Dur-Quartett von Franz Schubert. Es wird das erste und vermutlich letzte Konzert des Hagen-Quartetts in Traunstein sein, denn mit der Saison 2025/2026 verabschiedet sich das weltberühmte Ensemble vom Konzertleben.

Der zweite Abend ist programmatisch konkreter. Ein Trio aus Maximilian Hornung, seiner Frau Sarah Christian an der Geige und der Pianistin Hisako Kawamura spielt „Give Me Phoenix Wings to Fly“ der Kanadierin Kelly-Marie Murphy, intensive, dichte Musik über den Vogel mit Hang zur Selbstentzündung. Thematisch verwandt: Strawinskys Suite aus „Der Feuervogel“, die Kawamura mit Alexander Melnikov in einer Fassung für zwei Klaviere spielen wird.
„Jedes Jahr soll es etwas geben, das es noch nicht gab“, hat Hornung sich vorgenommen. Mit dem Konzert vom 3. September hat er das geschafft. Da spielt das „Brass Project“ des Weltklasse-Trompeters Matthias Höfs – ein Sextett aus drei Trompeten, Posaune, Horn und Tuba – Musik etwa von Händel („Feuerwerksmusik“), Mozart und dem Blechblasmusik-Granden Oskar Böhme.
Inzwischen Tradition bei den Sommerkonzerten hat dagegen ein Abend abseits der Klassik. Diesmal geht es musikalisch ins Terrain des Tango, aufgeführt vom Cuarteto Soltango. Geige spielt dabei Thomas Reif, den Hornung noch aus seiner Zeit beim BR-Symphonieorchester kennt.

Denn besonders freut sich der Intendant darüber, in Traunstein „Freunde um sich zu scharen“, wie er sagt. Den fünften Konzertabend bestreitet er deshalb mit fünf Vertrauten, um gemeinsam das Streichsextett von Erich Wolfgang Korngold und das mitreißende „Souvenir de Florence“ von Tschaikowsky aufzuführen. Ihr Feuer in der Stimme wird die Sopranistin Sarah Wegener am darauffolgenden Abend präsentieren mit einem originell-kurzweiligen Programm, das Ravel (auch ein Jubilar) mit Bizet und Alma Mahler mit Richard Strauss kombiniert.
Orchestralen Brand entzündet das Schlusskonzert mit Haydns „Feuer-Symphonie“, Strauss’ ingeniösen, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen „Metamorphosen“ und Schostakowitschs Kammersinfonie Opus 110a, der Transkription seines achten Quartetts – ein würdiges Finale für die Elementen-Reihe.
Was danach kommt? „Ehrlich gesagt: Das weiß ich noch nicht“, sagt Hornung. „Aber bis jetzt bin ich immer während des Festivals auf Ideen gekommen.“ Darauf kann er sich verlassen, bei der Vielfalt der Programme müssten die Einfälle nur so sprießen.
Traunsteiner Sommerkonzerte, Montag, 1., bis Sonntag, 7. September, Beginn aller Konzerte um 19.30 Uhr, Kulturforum Klosterkirche; Karten unter www.traunsteiner-sommerkonzerte.de

