Trauerfeier Warmherzig, bescheiden, elegant

Freunde, Fans und Weggefährten verabschieden sich in der Stephanuskirche von Schauspielerin Ruth Leuwerik

Von Philipp Crone

Etwas ist ungewohnt am Dienstagnachmittag in der Stephanus-Kirche in Nymphenburg. In der Nachbarschaft lebte Schauspielerin Ruth Leuwerik bis zu ihrem Tod am 12. Januar, und etwa 200 Freunde, Fans und Weggefährten sind zur Trauerfeier gekommen. Der Sarg für Leuwerik ist mit Blumen geschmückt, auf einem Schwarz-Weiß-Bild schaut die Darstellerin, die durch Filme wie "Vater braucht eine Frau" oder "Die Trapp-Familie" bekannt wurde, skeptisch und gütig zugleich auf die still wartenden Menschen. Ungewohnt ist die Wärme. Die Kirche ist beheizt. Draußen hat es minus drei Grad, drinnen ist es angenehm wie in einem Wohnzimmer. Stille und Wärme, genau die richtige Atmosphäre für die Verabschiedung dieser Frau.

In der ersten Reihe sitzt Helga Westphal aus Münster. Die 76-Jährige hat das größte private Leuwerik-Archiv des Landes zusammengesammelt, "40 Ordner". Sie sei so wundervoll in ihrer Herzlichkeit gewesen, sagt die Frau, ihre unvergleichliche Anmut, "das war der außergewöhnlichste Mensch, den ich je getroffen habe". Schauspieler Rolf Kuhsiek erzählt, wie er noch an Weihnachten mit ihr telefoniert habe. Und der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers schwärmt, wie diese warmherzige Schauspielerin "vielen Filmen ihren Charakter aufgedrückt" habe. "Das ist jemand, mit dem man Filmgeschichte verbindet." Für den früheren Kultusminister Thomas Goppel (CSU) war Leuwerik "eine typische Nachkriegsfrau: Aus dem ganz Wenigen, was da war, hat sie unheimlich viel gemacht." Neben ihr seien viele männliche Kollegen verblasst.

Leuwerik, 1924 in Essen geboren und 1953 nach München an den Nymphenburger Park gezogen, spielte zunächst Theater. Als eine Kollegin ausfiel, bekam sie 1950 eine Rolle in "13 unter einem Hut", und wurde 1953 mit "Ein Herz spielt falsch" richtig bekannt. Es folgen fünf Bambis, doch nach der elfteiligen Serie der Buddenbrooks zieht sich Leuwerik 1979 vom Film bis auf wenige Ausnahmen zurück. Pfarrer Matthias Dörrich erzählt, wie Leuwerik in den vergangenen Jahren beim Kaffee immer wieder gesagt habe, wie dankbar sie sei. Für das schöne Haus, in dessen Garten sie so gerne war, für ihre Karriere und für die 47 Jahre währende Ehe mit ihrem Mann. Patrick Utermann, Sohn von Urs Utermann, der die meisten Filme von Leuwerik produzierte, erinnert sich an ihren Humor, ihre Bescheidenheit und ihre Eleganz. Pfarrer Dörrich sagt am Ende: "Das Schönste, was man hinterlassen kann, ist, dass die Leute lächeln, wenn sie sich an einen erinnern." Und als die Trauergäste wieder raustreten in die Kälte, da lächeln viele ganz versonnen.