Trauerfeier "Sie war ein Weltstar des 20. Jahrhunderts"

Die Schauspielerin und Sängerin Margot Hielscher, die im Alter von 97 Jahren gestorben ist, wird bei einer Trauerfeier auf dem Ostfriedhof gewürdigt. Die Redner loben den Humor, den Stil und die Disziplin der "Grande Dame", und Alt-OB Christian Ude erzählt, wie Gary Cooper bei ihr Zuflucht fand

Von Gerhard Fischer

Um kurz vor eins am Freitagmittag ist es ruhig vor der Aussegnungshalle am Ostfriedhof. An der Halle hängt ein Schaukasten mit den Namen der Toten, für die es im Rhythmus von 45 Minuten Trauerfeiern gibt. Unter 13.30 Uhr steht: Hielscher, Margot. Die Schauspielerin und Sängerin steht am Ende der Liste, und das ist gut. Ihre Trauerfeier wird länger dauern, denn es wird viele Redner geben.

Um kurz nach eins halten sich etwa 30 Menschen vor der Halle auf, unter ihnen Fotografen und Journalisten - und der Zahnarzt von Margot Hielscher, Horst Engler-Hamm. Er erzählt, wie sich Hielscher und der frühere Kanzler Österreichs, Bruno Kreisky, in seinem Wartezimmer unterhalten hatten. Kreisky habe zu Hielscher gesagt, sie brauche ihre Zähne zum Lachen, er zum Beißen. Ein Anfang ist gemacht, denn dieser Tag der Trauer ist ein Tag der Anekdoten. Margot Hielscher liebte es, Geschichten zu erzählen. Eine der besten wird Alt-OB Christian Ude später in der Trauerhalle verraten.

Alice und Ellen Kessler kommen auf die Halle zu, die Fotografen stürzen sich auf die beiden Tänzerinnen. Sie lernten Hielscher 1991 für ein gemeinsames Bühnenprojekt kennen, sie seien damals abends gerne zusammen Essen gegangen, erzählen die Kessler-Zwillinge. "Wir haben Margot Hielscher als eine Grande Dame in Erinnerung, die gerne einlud und Hunde liebte", sagte Alice Kessler.

Der Musiker Bob Ross, Gründer des Ensembles Blechschaden und Hornist der Münchner Philharmoniker, trifft ein. Der Sänger Max Raabe ist jetzt auch da, genauso wie Uschi Glas. Margot Hielschers Neffe, Peter Graf von Schall-Riaucour, hatte der Süddeutschen Zeitung am Tag vor der Trauerfeier erzählt, dass seine Tante auch Ulrich Tukur, Ralph Siegel oder Götz Alsmann auf ihrer Liste der Lieblingsmenschen hatte. Schall-Riaucour sagte, er habe sie angerufen, ob sie kommen könnten. Aber Siegel ist im Urlaub in Italien, Tukur dreht in den Ardennen und Alsmann ist auf Tournee.

Um 13.40 Uhr kommt dann auch Alt-OB Christian Ude, und langsam gehen die etwa 100 Trauergäste in die Halle, in der ein Sarg mit roten Rosen und ein großes Bild von Margot Hielscher zu sehen ist, die am vergangenen Sonntag, 20. August, mit 97 Jahren in München gestorben ist. Sie wirkt auf dem Bild so, wie sie von den Trauerrednern beschrieben wird: selbstbewusst, mit Haltung und Stil.

Peter Graf von Schall-Riaucour dreht sich bei seiner Rede zum Sarg hin, er spricht Margot Hielscher also direkt an. Er sagt ihr, dass er heute pünktlich erschienen sei; dass er eine Krawatte trage; und dass sein Handy ausgeschaltet sei. "Wenn ich unpünktlich war, herrschte eine halbe Stunde Funkstille", erzählt Schall-Riaucour. Das "Tantchen" sei auch genervt gewesen, wenn er eine SMS erhalten habe; und was die meist fehlende Krawatte anging, da habe sie gesagt: "Findest du, dass dein Hals so schön ist?" Schlagfertig und humorvoll sei sie gewesen, sagt der Neffe.

In den Tagen nach ihrem Tod sind viele Artikel über Margot Hielscher erschienen, sie wurde in den Tagesthemen, im Heute-Journal und in der BR-Rundschau gewürdigt. Stets war davon die Rede, dass sie in bekannten Filmen mitgespielt habe - etwa in Thomas Manns "Zauberberg" -, und dass sie eine begnadete Sängerin gewesen sei. Und immer wurde erwähnt, mit welchen Größen sie zu tun hatte, von Benny Goodman über Leonard Bernstein, Erich Kästner, Heinz Rühmann bis zu Wem-auch-immer-wirklich-Prominenten.

"Ja, sie war ein Weltstar des 20. Jahrhunderts", sagte Alt-OB Christian Ude, "und sie hatte mit vielen eindrucksvollen Namen zu tun, aber in erster Linie war Margot Hielscher ein sehr intellektueller Mensch, dessen Leben von Musik, Kunst und Literatur geprägt war." Man merkt, wie wichtig es Ude ist, den Charakter Hielschers hervorzuheben. Aber schließlich landet er auch bei einer Anekdote mit einem Promi. Es geht um Gary Cooper. Für junge Menschen: Cooper spielte die Hauptrolle in "Zwölf Uhr mittags" und war einmal der berühmteste Cowboy der Welt. Dieser Cooper drehte eines Tages in München-Geiselgasteig und war von quengelnden Fans geplagt. Also suchte er Zuflucht im Ferienhaus von Margot Hielscher am Tegernsee. "Er besuchte dort die Dorfwirtschaft, und keiner der anwesenden Männer ließ sich anmerken, wen sie da vor sich hatten", erzählt Ude, "keiner sagte was." Dann habe Cooper eine Schweinshaxe bestellt und gegessen. Als er danach noch eine zweite Schweinshaxe bestellte, war es vorbei mit der Zurückhaltung der Einheimischen. "Es gab Standing Ovations für den Cowboy, der zwei Schweinshaxen aß", sagte Ude. Margot Hielscher hätte ihre Freude an dieser Trauerfeier gehabt, weil so schöne Geschichten erzählt wurden.

Beigesetzt wird die "Grande Dame" demnächst im Familienkreis auf dem Friedhof in Bogenhausen; sie kommt ins Grab ihres Mannes, des Komponisten Friedrich Meyer, der vor 24 Jahren gestorben ist - ebenfalls an einem 20. August.