Trambahn-Westtangente Verfahrene Situation

So stellen sich die Planer die künftige Situation in der Fürstenrieder Straße vor (hier an der Kreuzung mit der Agnes-Bernauer-Straße). Simulation: SWM/MVG

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  • Streit um die geplante Trambahn-"Westtangente": Während die SPD die neun Kilometer lange Strecke durch den Münchner Westen bauen will, regt sich insbesondere in der CSU heftiger Widerstand.
  • Nach der Kommunalwahl 2014 sollten Ingenieure von Stadt und Münchner Verkehrsgesellschaft die Pläne überarbeiten - doch es gibt weiterhin offene Fragen.
  • Eine schnelle Entscheidung des Stadtrats ist nicht zu erwarten.
Von Marco Völklein

Wie geht es weiter mit der geplanten Trambahn durch die Fürstenrieder Straße? So mancher Beobachter aus der Münchner Nahverkehrsszene hegt bereits schlimmste Befürchtungen: "Am Ende", sagt Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn, könnte die geplante Trambahn-"Westtangente", dies die offizielle Bezeichnung, so enden wie manch anderes Projekt - "als Dauer-Streit-Thema, bei dem nichts vorangeht." Tatsächlich deutet derzeit alles darauf hin, dass CSU und SPD die Neubaustrecke in eine weitere Planungsrunde schieben.

Das Projekt ist zwischen den Koalitionspartnern im Rathaus heftig umstritten. Während die SPD die neun Kilometer lange Tram-Tangente durch den Münchner Westen bauen will, regt sich insbesondere in der CSU heftiger Widerstand. In ihrem Kooperationspapier nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2014 hatten sich beide darauf geeinigt, zwar weiter zu planen, aber "die verkehrliche Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr möglichst unangetastet zu lassen". Erneut sollten die Ingenieure von Stadt und Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die Pläne überarbeiten.

Viele Wünsche wurden schon berücksichtigt

Das ist zwar mittlerweile geschehen. Doch mit einer schnellen Entscheidung ist eher nicht zu rechnen. Vertreter beider Parteien seien derzeit damit beschäftigt, "sich die strittigen Punkte anzuschauen", sagt SPD-Stadtrat Jens Röver. In den nächsten Wochen werden sich die Fachleute beider Fraktionen zusammensetzen, ergänzt Michael Kuffer, der verkehrspolitische Sprecher der Rathaus-CSU. Anschließend sollen noch die Fraktionsspitzen tagen und "konkrete Überarbeitungsaufträge formulieren", so Kuffer. Zumindest für die CSU-Fraktion sei klar, "dass das Projekt in eine weitere Überarbeitungsschleife geht". Damit wird es sich noch etwas ziehen, bis die MVG-Planer bei der Regierung von Oberbayern den Antrag auf Baugenehmigung werden einreichen können. Denn dafür benötigen sie das Okay des Stadtrats.

So kann die Streckenführung aussehen.

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Tangenten-Befürworter wie Barth allerdings fragen sich, was denn noch alles um- oder überplant werden soll. Über mehrere Runden wurden bereits die Wünsche von Parteien und Bezirksausschüssen berücksichtigt, auch die Bürgerbeteiligung sei "mehr als vorbildlich" gewesen, sagt Barth. Tatsächlich haben die Planer zuletzt einige Haltestellen umgeplant oder Abgänge zur U-Bahn verlegt, um so mehr Platz zu schaffen, etwa für zusätzliche Kfz-Abbiegespuren. Genau darauf hatten die Parteien in ihrer Vereinbarung vor einem Jahr bestanden. Zum Teil habe man die Haltestellen sogar so weit verlegen müssen, dass es aus Sicht der Nahverkehrsnutzer "gerade noch erträglich ist", wie es ein Planer ausdrückt. Je weiter weg zum Beispiel ein Trambahnhalt von einer bestehenden U-Bahn-Treppe verlegt wird, desto länger werden die Wege für Umsteiger - und umso unattraktiver wird die Nutzung von Bussen und Bahnen generell. Die Planer müssen also stets abwägen.

Das sollten auch die Politiker tun, findet Barth - und sich zum Startschuss für die Tram durchringen. "Man kann nicht nur auf die U-Bahn setzen", sagt er. "München benötigt einen guten Mix aus U-, S- und Trambahnen." SPD-Stadtrat Röver beteuert, für ihn sei die Tangente angesichts steigender Einwohnerzahlen "eines der zentralen Nahverkehrsprojekte, das wir definitiv umsetzen wollen". Die zentrale Forderung der SPD, mindestens eine Fahrspur auf der Fürstenrieder Straße durchgehend für Autos frei zu halten, sei erfüllt. Allerhöchstens könne es noch darum gehen, "sich einzelne Kreuzungspunkte anzuschauen".

"Diverse Nutzungskonflikte" in der Großstadt

Doch auch da dürfte irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem beide Seiten nicht mehr weiterkommen. Die geplante Trambahn benötigt schlicht einen gewissen Teil der Straße - und dieser Raum geht zu Lasten der bestehenden Autospuren. Es gebe nun mal "in einer Großstadt diverse Nutzungskonflikte", sagt Barth. Die Politik müsse Prioritäten setzen - und entscheiden. Genau das aber fürchten die Tram-Gegner: Wenn die Straßenbahn den Autos Spuren raubt, werde es "Stau ohne Ende" geben. So stört sich CSU-Verkehrspolitiker Kuffer nach wie vor daran, dass sich in einem Abschnitt der Wotanstraße Tram und Autos eine gemeinsame Spur teilen sollen. "Das wird so nicht funktionieren." Die Tram-Befürworter entgegnen: Gerade wenn man keine Tram baut, die einen Teil der Autonutzer zum Umstieg animiert, werde es zu Problemen kommen. "Nur mit einer Trambahn verhindert man zukünftige Staus", sagt MVG-Chef Herbert König.

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Eine schnelle Entscheidung des Stadtrats ist also nicht zu erwarten. Barth vermutet sogar, vor allem die CSU spiele auf Zeit - was Kuffer zurückweist. Wichtig sei es, bei dem Projekt "den Kfz-Verkehr mit der Trambahn zu versöhnen", sagt der CSU-Mann. SPD-Kollege Röver ergänzt, seine Fraktion wolle das Projekt "auf keinen Fall auf den Sankt-Nimmerlein-Tag verschieben"; zugleich "kann ich aber auch damit leben, wenn's ein bissl länger dauert". Wichtig sei nur, dass "am Ende ein Kompromiss erreicht wird". Den aber, findet Barth, "haben wir doch nach so vielen Planungsrunden längst erreicht". Er sagt: "Aus meiner Sicht ist es mehr als überfällig, dass die Baumaschinen anrücken."