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Tram ohne Oberleitung:Die Akku-Alternative

Die Stadt plant einen neuen Anlauf für die Tram durch den Englischen Garten: Die "Variobahn" soll mindestens einen Kilometer ohne Oberleitung fahren können.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will zusammen mit der Stadtspitze einen neuen Vorstoß für eine neue Trambahnlinie durch den Englischen Garten wagen. An diesem Mittwoch will der Trambahnhersteller Stadler Rail in Potsdam einen Rekordversuch mit einer Trambahn vom Typ "Variobahn" unternehmen, der die Leistungsfähigkeit eines seiner Modelle belegen soll.

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Mit der Trambahn durchs Grüne: Ein neues Modell der Variobahn soll auch eine Zeitlang ohne Oberleitung auskommen. An diesem Mittwoch gibt es in Potsdam einen groß angelegten Versuch. Er soll auch belegen, dass damit sogar der Englische Garten durchquert werden kann.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Besondere daran: Auf dem Dach der Tram hat Stadler Lithium-Ionen-Akkus installiert, mit denen die Waggons mindestens einen Kilometer weit kommen, ohne dass sie Strom aus einer Oberleitung abzapfen müssen. Bewährt sich die Akku-Technik, will MVG-Chef Herbert König solche Akku-Bahnen künftig durch den Englischen Garten fahren lassen. Damit will König das Argument entkräften, die Tram-Oberleitungen würden den Englischen Garten verschandeln.

Eine Tram durch den Englischen Garten wünschen sich die Verkehrspolitiker von SPD und Grünen im Münchner Rathaus schon lange. Auch Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) gilt als Befürworter einer solchen Straßenbahntrasse; im vergangenen Herbst hatte er angekündigt, sich erneut für die Strecke stark machen zu wollen. Das bayerische Finanzministerium indes, dem der Englischer Garten unterstellt ist, hat eine solche Tram stets abgelehnt: Vor allem eine Oberleitung würde den Garten verschandeln, hatte der frühere Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) argumentiert.

2006 unterlagen die Stadtwerke sogar mit einer entsprechenden Klage gegen den Freistaat. Faltlhausers Nachfolger Georg Fahrenschon (CSU) steht einer Trambahntrasse durch den Englischen Garten nun ebenso ablehnend gegenüber. Auch die Münchner CSU ist gegen den Plan.

MVG-Chef König indes will das Projekt vorantreiben. Er setzt auf die Akku-Tram: Die soll - ohne dass sie Strom aus einer Oberleitung benötigt - vom Tivoli bis zur Thiemestraße (und auch in Gegenrichtung) durchrauschen und so Bogenhausen und Schwabing miteinander verbinden. Und nicht nur das: Die Bahnen könnten anschließend durch die Franz-Joseph-Straße fahren und am Elisabethplatz auf die bestehenden Trassen von 27er- und 12er-Tram einschwenken und so auch noch Neuhausen und Nymphenburg anbinden. Die sogenannte Tram-Nordtangente wäre damit komplett.

Voraussetzung ist aber, dass die Akku-Tram technisch zuverlässig funktioniert. Dazu hat die MVG dem Hersteller Stadler konkrete Vorgaben gemacht: Die Bahn muss den knappen Kilometer Wegstrecke locker schaffen (plus eine gewisse Reserve). Sie muss die Belastungen auf der Trasse - etwa das Anfahren an der Haltestelle am Chinesischen Turm - meistern und zusätzlich noch Reserven haben, um mögliche Zwischenstopps, etwa weil Fußgänger die Trasse queren, wegstecken zu können.

Zudem weist das Gelände von Bogenhausen kommend eine leichte Steigung kurz vor der Thiemestraße auf - auch die muss die Trambahn mit dem Akku im Alltagsbetrieb locker bewältigen können.

Mit der geplanten Rekordfahrt an diesem Mittwoch will Stadler Rail nun zeigen, dass die Akku-Tram das alles kann. Der Versuch soll ins "Guinness-Buch der Rekorde" aufgenommen werden. Anschließend soll die Bahn nach München kommen. Hier will MVG-Chef König weitere Testfahrten durchführen - um dann ein Planfeststellungsverfahren für die erforderliche Baugenehmigung einzuleiten. Allerdings gibt es derzeit noch ein Problem: Die Regierung von Oberbayern verweigert den Variobahnen (egal ob mit oder ohne Akku) seit einem Dreivierteljahr die Zulassung.

Diese soll aber im Laufe des Jahres erfolgen; die MVG lässt derzeit die von der Regierung geforderten Gutachten erstellen. Das Finanzministerium indes rüstet sich für eine neuerliche Diskussion zur Garten-Tram: Dort befürchtet man auch ohne Oberleitung eine "gravierende Beeinträchtigung" des Parks - unter anderem, weil Signalanlagen und Bahnübergänge nötig wären.

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