Prozess um MesserattackeKokain gestohlen – da sticht das Opfer mit dem Küchenmesser zu

Lesezeit: 2 Min.

Um mutmaßlichen Totschlag ging es im Landgericht München I.
Um mutmaßlichen Totschlag ging es im Landgericht München I. Sven Hoppe/dpa
  • Eine 42-jährige Prostituierte muss sich vor dem Landgericht München I wegen versuchten Totschlags verantworten.
  • Sie soll einem Freier mit einem Küchenmesser in den Rücken gestochen haben, weil er ihr Kokain gestohlen haben soll.
  • Die Angeklagte behauptet, das Messer sei beim Gerangel versehentlich in den Mann eingedrungen.
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Eine Prostituierte will sich offenbar für den Diebstahl rächen, als der mutmaßliche Dieb das Bordell ein weiteres Mal besucht. Nun muss sich die 42-Jährige vor dem Landgericht München verantworten.

Von Andreas Salch

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Nicole T. sagt von sich selbst, sie sei drogenabhängig. Bis vor einem Jahr gab sie angeblich zwischen 300 und 400 Euro täglich für Kokain und Crystal Meth aus. Nicht zuletzt deshalb habe sie als Prostituierte gearbeitet, um an das Geld zu kommen. Im Frühjahr vergangenen Jahres soll ein Freier der 42-Jährigen unbemerkt ein Gramm Kokain aus ihrem Zimmer in einem Bordell im Euro-Industriepark gestohlen haben. Als der Mann das Etablissement wenige Tage später erneut besuchte und Nicole T. ihn wiederzuerkennen glaubte, soll sie mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 16 Zentimetern auf ihn eingestochen haben. Der 33-jährige mutmaßliche Kokain-Dieb überlebte dies nur knapp.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen Nicole T., die sich seit diesem Montag vor der 19. Strafkammer am Landgericht München I verantworten muss, Anklage wegen versuchten Totschlags erhoben. Laut den Ermittlungen hatte der Freier am frühen Abend des 4. Mai 2025 am Apartment einer ihrer Kolleginnen geklingelt.

Der 33-Jährige habe Kokain kaufen wollen, doch T.s Kollegin habe dies abgelehnt. Als sie daraufhin kurz ihr Zimmer verließ, soll der vermeintliche Gast ihr Handy und ein Päckchen mit einem Gramm Kokain aus ihrem Schrank gestohlen haben. Da die Prostituierte den Diebstahl jedoch bemerkte, hielt sie den 33-Jährigen fest. Es kam zu einer lautstarken Auseinandersetzung auf dem Flur des Etablissements. Eine Kollegin der Frau eilte herbei. Gemeinsam hielten sie den Freier fest.

Als auch Nicole T. dazukam und den mutmaßlichen Dieb bemerkte, soll sie laut Staatsanwaltschaft beschlossen haben, diesen „nicht noch einmal ungeschoren davonkommen zu lassen“. Um den Freier dazu zu bringen, das Handy ihrer Kollegin zurückzugeben, habe sie sich ein Küchenmesser geholt. Allerdings geht die Anklage auch davon aus, dass sich Nicole T.  für den Diebstahl ihres Kokains wenige Tage zuvor habe rächen wollen. Eigentlich hätte dann alles glimpflich ausgehen können. Denn bei dem Gerangel war dem mutmaßlichen Dieb das Handy von Nicole T.s Kollegin auf den Boden gefallen. Daraufhin soll diese gesagt haben, dass die Sache damit für sie erledigt sei. Die Frauen ließen den Freier los, woraufhin dieser zur Eingangstür lief.

Dort stand Nicole T. Als der Mann die Türe öffnen wollte, soll die 42-Jährige mit dem Küchenmesser schwungvoll ausgeholt und ihm in den Rücken gestochen haben. Dennoch rannte der Mann davon. Auf der Maria-Probst-Straße brach er schließlich blutend zusammen. Zwei Zeugen alarmierten den Rettungsdienst. Nicole T. floh in ein nahegelegenes Hotel, stellte sich aber wenige Stunden später der Polizei.

Nicole T. behauptete zum Prozessauftakt, der Freier habe beim Verlassen des Bordells auf sie eingeschlagen und sie weggeschubst und fügte hinzu: „Ich denke, in dem Augenblick, als er mich schlug, ist das Messer in ihn eingedrungen.“  Das sei „sehr interessant formuliert“, erwiderte der Vorsitzende Richter Markus Koppenleitner. Der Freier habe sich also „selbst verletzt?“, fragte er nach. Nicole T.s Antwort lautete: „Genau.“

Nach der mutmaßlichen Tat hatte die 42-Jährige mit dem Inhaber des Bordells gechattet und eingeräumt, dass sie auf einen Gast mit einem Messer eingestochen habe – und hinzugefügt aus „Wut“. Ein Urteil in dem Prozess wird für Anfang Mai erwartet.

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