Der Fall Kaufmann:Kaufmann soll am Tatort gewesen sein

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Dabei waren sich sowohl Staatsanwaltschaft wie Verteidigung nach eingehender Prüfung einig: Mit dem Tod des Steuerberaters Hartmut Hagen habe Kaufmann "zu unser aller Überzeugung" nichts zu tun, sagte Staatsanwältin Nicole Selzam am Ende des Wiederaufnahmeprozesses gegen Kaufmann im Januar 2005. Für ein strafbares Verhalten Kaufmann, sei es als Täter, Anstifter oder Gehilfe gebe es "keinerlei Beweise".

Kaufmanns Verteidiger übte damals heftige Kritik an der Leichtfertigkeit, mit der Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht sich im ersten Prozess ein Urteil über Kaufmanns Schuld gebildet hätten. Vor allem Chefermittler Josef Wilfling habe auch noch als Zeuge im Wiederaufnahmeprozess erklärt, es sei davon überzeugt, dass Kaufmann am Tatort gewesen sei und dort "etwas getan habe, was er für schlimmer hielt als das, wofür er verurteilt wurde". Verteidiger Unger fand es dagegen "unerträglich", dass ein Ermittler in öffentlicher Verhandlung einen solchen "ungeheuerlichen und völlig aus der Luft gegriffenen Vorwurf" in den Raum stelle.

Wilfling selbst will sich in der SZ nicht mehr zu dem Thema äußern. In der ARD-Dokumentation am Montagabend, die als persönliches Duell zweier Männer inszeniert war, erlebten die Zuschauer einen sehr selbstsicheren, betont ruhigen, absolut von sich überzeugten Ermittler. Selbstkritik, Skrupel, vielleicht auch Bedauern über eigene Fehler, die er und seine Kollegen im Fall Kaufmann möglicherweise im Eifer des Gefechts während der stundenlangen Vernehmungen gemacht haben könnte - davon ist nie die Rede bei Josef Wilfling.

In der Rollenbeschreibung des erfolgreichen Star-Ermittlers sind Zweifel nicht zugelassen - und der Freispruch des Gerichts zählt offenbar auch wenig. Immerhin hat jetzt auch das Münchner Polizeipräsidium reagiert: "Das ist die private Meinung des Pensionärs Josef Wilfling." Man wollte sich zu dem abgeschlossenen Fall nicht mehr äußern, schließlich habe das Gericht eine Entscheidung getroffen", sagte Polizeisprecher Reinhold Bergmann.

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