Süddeutsche Zeitung

Toter Obdachloser am Flaucher:Polizei sucht nach dem Täter

Unter dem Flauchersteg hatte er sein Lager aufgeschlagen, dort wurde auch seine Leiche gefunden: Wie die Obduktion zeigt, ist ein Obdachloser in München gewaltsam ums Leben gekommen. Die Polizei sucht nach einem Motiv für die Tat.

Was am Dienstag noch eine Vermutung war, ist nach einer Obduktion nun Gewissheit: Der 50 Jahre alte Obdachlose, der am Dienstagvormittag gegen 10 Uhr leblos am Flaucher gefunden wurde, ist getötet worden. "Mit stumpfer Gewalt, mehr können wir nicht sagen", berichtet Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, auch weil unklar ist, in welchem Umfeld der Obdachlose sich bewegt hat. So gibt es nicht einmal ein Motiv, das nach aktuellem Stand plausibel erscheint. "Wir haben selbst viele Fragen", sagt Kraus.

Ein Mitarbeiter einer Reinigungsfirma hatte die Leiche entdeckt. Sie lag auf einer Insel inmitten der Isar, die vom Flauchersteg aus zu erreichen ist. Der Zeuge ist dort öfter beschäftigt, um Unrat am Flaucher zu beseitigen. Er kannte den 50-Jährigen deshalb auch vom Sehen, offenbar übernachtete der Mann regelmäßig an der Stelle, die teilweise hinter dichtem Gestrüpp liegt und vom Steg aus nicht einsehbar ist. Als der Reinigungsfachmann am Dienstag an dem Lager vorbeikam, rührte sich der 50-Jährige nicht. Erst bei näherem Hinsehen bemerkte der Zeuge, dass der Mann wohl tot ist, und alarmierte die Polizei.

Die Ermittler fanden am Lager eine Decke und eine Feuerstelle sowie einige Habseligkeiten des Opfers. Eine Einsatzhundertschaft der Polizei durchstreifte am Nachmittag die Gegend am Flaucher, um Gegenstände, Schuhabdrücke oder irgendetwas anderes zu finden, was mit dem Tötungsdelikt in Verbindung stehen könnte. Bis jetzt sei nichts dabei, was die Ermittlungen voranbringe, sagt Kraus. "Wir müssen aber noch alles in Ruhe auswerten." Auch die endgültigen Ergebnisse der Spurensicherung am Tatort stehen aus.

Polizei sucht Kontakt zu Obdachlosen

Bei einem Obdachlosen sei es schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen, ob ihm etwas gestohlen worden sei, sagt Kraus. Hinweise auf einen Raubmord gibt es nach Stand der Ermittlungen nicht. Die Kriminalbeamten fanden im Lager den Geldbeutel des 50-Jährigen mit ein paar Münzen darin.

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann an der Fundstelle getötet wurde. Zur Person können die Ermittler wenig sagen. Seinem Ausweis nach stammt er aus Polen. Familienstand und erlernter Beruf sind unbekannt. Offenbar lebte er aber bereits einige Jahre in München. Der Zeuge, der die Leiche fand, berichtete der Polizei, dass der 50-Jährige am Flaucher öfter mit anderen Leuten unterwegs gewesen sei.

Die Ermittler versuchen nun, Kontakt zu Obdachlosen herzustellen, die gelegentlich mit dem Opfer unterwegs waren. Die Beamten der Polizeiinspektion 23, die für den Flaucher zuständig sind, sollen den Ermittlern dabei behilflich sein. Die Kriminalpolizei sucht außerdem Zeugen, denen am Flaucher zwischen Montag, 9 Uhr, und Dienstag, 10 Uhr, Ungewöhnliches aufgefallen ist. Am Montag um 9 Uhr hatte der Reinigungsfachmann den 50-Jährigen das letzte Mal an seinem Lager am Flaucher gesehen - lebend. Die Tat muss also danach geschehen sein.

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SZ vom 28.08.2014/infu
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