Programmpräsentation:Ein letztes Mal „Haindling“: Das sind die Highlights auf dem Sommer-Tollwood

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"Die bayerische Seele" verkörpert Hans-Jürgen Buchner für viele Kulturfreunde. Bei der Pressekonferenz zum Sommer-Tollwood spielte der "Haindling"-Erfinder sein so betiteltes Instrumental-Stück auf dem Flügelhorn. (Foto: Catherina Hess)

Münchens größtes Sommer-Festival soll besondere Erlebnisse im Olympiapark schaffen. Wie das geht, zeigte schon einmal „Haindling“-Chef Hans-Jürgen Buchner, der heuer auf Abschieds-Tour geht.

Von Michael Zirnstein

Die Zeiten ändern sich, Tollwood bleibt. Wer zeigt das schöner als Hans-Jürgen Buchner, der bei der Präsentation des heurigen Sommerprogramms solo „Bayerische Seele“ auf dem Flügelhorn spielte, eine berührende Melodie des bayerischen Weltmusik-Pioniers. Seine Gruppe Haindling („Leit, hoits zam“) sei ja die erste Band gewesen, die überhaupt auf dem Festival im Olympiapark gespielt habe, erinnerte sich der 79-Jährige. Er hatte nicht nur ein Konzert damals, 1988, sondern als Keramikmeister auch einen Stand. „Nachts gab es immer ein schönes Beisammensein, es waren ja nur drei Zelte da. Unglaublich.“ Nun kommt er zum 18. Mal (von ihm gezählt) zurück, auf seiner Abschiedstournee spielt er in der 6000 Personen fassenden Musikarena, natürlich.

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Was Münchens größtes Festival diesen Sommer zu bieten hat: Die meisten Biersorten, die bärtigsten Musiker, die teuersten Tickets – aber auch frischen Wind und engagierte Ideen.

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Buchner ist aber kein Früher-war-alles-Besserwisser, er mag Münchens größtes Festival mit fast einer Million Besuchern jeden Sommer immer noch. „Schön, dass es größer ist jetzt, so hat es eine größere Tragweite.“ Und das ist gut, denn Tollwood-Gründerin Rita Rottenwallner und ihr Team wollen etwas bewegen, gesellschaftlich und ökologisch. Unter dem Motto „Zusammen:Halt!“ soll das Sommerfestival von 21. Juni bis 21. Juli sowohl ein Innehalten in der aufgeheizten Lage ermöglichen, als auch ein kollektives Einstehen für Frieden.

Fragen-Glücksräder an den Bierbänken sollen die Tollwood-Besucher ins Gespräch bringen. (Foto: Catherina Hess)

Zwei in diesem Sinne bewegende Momente sollen an den beiden Eröffnungstagen alle Besucher gemeinsam erschaffen: Tausende singen um 22 Uhr gemeinsam, während am Himmel Leuchtdrohnen tanzen. Jens Junker vom Spontan-Chor Gosing Choir wird zuvor ab 20.30 Uhr mit allen, die Lust haben, prägnante Hippie-Zeilen von „Give Peace A Chance“ und „Let The Sunshine In“ mehrstimmig einstudieren; diese „Friedensmantras“ (Junker) sollen dann mithilfe von weiteren Chören und Lautsprechern auf dem ganzen Gelände alle anwesenden Besucher zum Einstimmen anregen (interessierte Vorsänger können sich unter chor@tollwood.de anmelden).

Gemeinschaftserlebnisse soll es allenthalben geben: Initiiert durch Gesprächsglücksräder an den Bierbänken, an Aktionsorten wie einem „Garten der wahren Verbraucherpreise“, am Demokratiemobil für Jugendliche, kauernd im Schiffsrumpf des wackeligen Eingangskunstwerks „Kipppunkt“, beim täglich wechselnden Tanzprogramm, in den neuen Biergärten (statt Bier eines Hauptsponsors schenken heuer 16 kleinere Brauereien aus) und natürlich durch die Artistik im Amphitheater, die Straßen-Performances oder die kleinen Konzerte in Zelten wie dem Andechser (unter neuer Leitung von Niko Strnad) und die großen Shows in der Musikarena.

Am 13. Juli (wie auch auf der Pressekonferenz) werden Kaffkiez ihren zum Motto passenden Song „Mut“ spielen. Die Rosenheimer bewegen Millionen Fans im Internet mit ihrem ekstatischen Indierock, aber durchaus auch mit brisanten Fragen, die ihre Generation umtreiben. Vor zwei Sommern spielten sie noch vor 50 im Regen tropfenden Zuhörern auf dem Nachwuchsbrettl des Festivals – und jetzt im größten Zelt.

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