Nach dem Sommer-Tollwood bleibt eine leere Schotterfläche im Olympiapark zurück – und ein Berg an Zahlen. Die sagen freilich alles und nichts. 730 000 Menschen haben das größte Münchner Festival in diesem Jahr besucht, so steht es in der Bilanzmeldung. Schaut man nach, sind das etwa 40 000 weniger als im Jahr zuvor. Die Erklärung des Veranstalters: „Die große Hitze der ersten knapp zwei Wochen sorgte für einen verhaltenen Start.“
Dabei hatte sich das Tollwood-Team eigens auf die Auswirkungen des Klimawandels eingestellt und Trinkwasser-Brunnen, Sonnensegel und Wassersprüher an den Marktgassen installiert. Doch erst, als die Temperaturen sanken, verzeichnete man eine vollere zweite Festivalhälfte und einen „starken Endspurt“.
Am Sonntag ging Tollwood mit dem Konzert der Hardrocker Deep Purple zu Ende. Insgesamt spielten im großen Zelt 68 Bands mit etwa 350 Musikern 32 Konzerte für 155 000 Gäste (2025: 158 000), 17 davon waren ausverkauft. Die Zahlen freilich sagen nichts über die emotionalen Erlebnisse der Besucher: die Teenager, die die Tiktok-Queen Zah1de feierten, die Austropop-Fans, die in den Konzerten von Rainhard Fendrich oder Wolfgang Ambros selig alte Hits mitsangen. Oder als Gerhard Polt und die Well-Brüder gleich an zwei Abenden vor 8000 Fans auftraten, weil sie einmal für den erkrankten Hans-Jürgen Buchner und Haindling einsprangen.
3500 Menschen sangen im Spontan-Chor bei den drei „Rudelsingen“ mit, 10 450 Mal wurden Kopfhörer bei der „Silent Disco“ ausgeliehen, 29 000 Menschen schauten sich das kostenlose Performance-Programm an, und 2000 Menschen schrieben persönliche Gedanken in der Kammer unter der schwebenden Herzskulptur nieder. Was am Ende zählt, ist, was vom diesjährigen Tollwood-Motto ankam – und das hat auch der Kölner Liedermacherstar Wolfgang Niedecken als Gast beim Konzert von Werner Schmidbauer und Martin Kälberer gelobt: „Mit Gefühl statt nur dabei – die Eroberung der Empathie.“


