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Tod einer Prostituierten:Drogenrazzia im "Las Vegas"

Eine Prostituierte brach nach einer Überdosis an Alkohol, Morphin und Codein tot zusammen. Der Drogenhandel ging trotzdem weiter - bis zur Razzia.

Susi Wimmer

"Da drinnen sieht's aus wie in einem Fuchsbau'', sagt Kriminaloberrat Torsten Wittke. Unübersichtliche Winkel, versteckte Nischen - und diverse Möglichkeiten, um schnell nach draußen zu kommen. Ideale Bedingungen also für die Drogendealer, die sich in der Spielothek ,,Las Vegas'' an der Bayerstraße breit gemacht hatten. Die Täter betrieben zwischen den Spielautomaten einen florierenden "Bauchladenverkauf" von Kokain, Heroin und Marihuana.

Drogen-Razzia im Las Vegas Foto: Stephan Rumpf

Drogenrazzia im "Las Vegas".

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Zwei von ihnen waren auch am Abend des 9. Januar mit der tschechischen Prostituierten Jaroslava T. in einer Video-Kabine im hinteren Bereich und ließen sich bedienen, als die 26-Jährige aufgrund einer Überdosis an Alkohol, Morphin und Codein tot zusammenbrach. Ungeachtet ihres Todes und der Tatsache, dass die Polizei nun im "Las Vegas" ermittelte, lief der Drogenhandel munter weiter - bis zur Razzia am Mittwochabend.

Die zehn Täter im Alter von 17 bis 32 Jahren, auf die sich Drogendezernatsleiter Torsten Wittke mit seiner "Arbeitsgruppe Las Vegas" fokussiert hatte, stammen aus dem Irak, Syrien und Deutschland. Unter ihnen auch eine Frau, die als Kurier eingesetzt war. Alle Verdächtigen, hauptsächlich Asylbewerber, waren im letzten Jahr in der Stachus- und Hauptbahnhofgegend durch hohe Aggressivität und Brutalität aufgefallen.

Diese Eigenschaften kultivierten sie auch im "Las Vegas", wo sie einen idealen Rückzugspunkt fanden. Sie bedrohten das Personal in der Spielothek, ebenso die Geschäftsleute in der Nachbarschaft. So entwickelte sich laut Wittke ein "rechtsfreier Raum, in dem jeder Deutsche nach Betreten des Ladens sofort als Fremdkörper identifiziert wurde2.

Geschäftsführer Walter Staudinger will von dem Treiben nichts bemerkt haben, wie er der Polizei versicherte. Die Konzession für die Spielothek hat der Sohn von Walter Staudinger sen., ehemalige Rotlichtgröße und Gründer des "Las Vegas", der Beate-Uhse-GmbH übertragen, die im selben Haus einen Sexshop betreibt. Die Polizei wird nun ihren Bericht an das Kreisverwaltungsreferat weitergeben, dort werde man die Vorfälle überprüfen, sagt Sprecher Christoph Habl. Bis es aber zu einem Konzessionsentzug kommt, "da muss viel passieren", so ein Insider.

Für Torsten Wittke ist genug passiert. Der Tod der Prostituierten habe die laufende Polizeiarbeit beschleunigt. Die zwei Verhafteten, die in der fraglichen Nacht mit Jaroslava T. in der Kabine waren, waren von einer Überwachungskamera am Gang fotografiert und als Zeugen gesucht worden. "Mit dem Tod der Frau haben sie aber nichts zu tun."

Nach der Verhaftung von acht Verdächtigen in den letzten Wochen nahm die Polizei am Mittwoch erneut sechs Männer fest, die Drogen bei sich hatten. Zwei von ihnen werden dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Allen wird gewerbsmäßiger Drogenhandel vorgeworfen. Außerdem stellten die Fahnder kleinere Drogenmengen sicher.

"Den großen Schlag haben wir auch nicht erwartet", sagt Wittke. Er mutmaßt, dass die Täter sich auf den Kleinhandel kapriziert hatten, weil ihnen die juristischen Konsequenzen bewusst waren. Ebenso konnte man den Verhafteten nicht nachweisen, dass sie als Bande agierten, obwohl sie sich untereinander kannten. Auch das hätte das Strafmaß nach oben getrieben.

Wittke will nun einen Runden Tisch ins Leben rufen. "Die Geschäftsführung sollte mehr vom Hausrecht Gebrauch machen, Türsteher engagieren", schlägt er vor. Das Argument, so Kunden zu vergraulen, will er nicht hören. "Zwei, drei solcher Polizei-Razzien im Jahr sind wohl noch abschreckender."

Dass das Bahnhofsviertel mit seinen gut 35 Spielotheken jetzt "sauber" sei, glaubt Wittke natürlich nicht. "Die Gegend ist und bleibt ein Fleckenteppich", sagt er. Man könne nur einzelne Nadelstiche setzen, aber nie das gesamte Gebiet trocken legen. "Aber zumindest stechen wir dort, wo's weh tut."

© SZ vom 16.1.2007
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