Tierpark Hellabrunn Jede Menge Emutionen

Wie der Zoo versucht, die Jungtier-Frühjahrsflut für sich zu nutzen

Von Philipp Crone

Selbst der Tierparkchef schafft es nicht. Man könnte ja meinen, der Chef über 18 000 Tiere aus 740 Arten wäre immun gegen den "Knopfaugen-Effekt", wie Rasem Baban das nennt. Aber auch ein Zoo-Direktor wird vom Kindchenschema betört, das beweist der Rundgang zur Vorstellung und Präsentation des reichlichen Frühjahrsnachwuchses. Baban bewegt sich selbst am Montagvormittag auf dem Grat, auf dem auch ein Zoo balanciert: die Faszination der Tiere auf der einen Seite, gerade Jungtiere, zum Beispiel ein wenige Tage altes Silbergibbon-Junges. Das ruft in jedem Menschen Emotionen hervor, bei Baban ein entzücktes: "Da ist es!" Von der Seite kommt ein "wie süß!". Ein tollpatschiger Nachwuchs in Fell oder Federn wärmt das Herz. Das ist die eine Seite. Aber eigentlich will der Zoo ja laut Baban nicht nur seine Besucher mit Niedlichkeiten beglücken, sondern vor allem ein Lernort sein zum richtigen Umgang mit der Umwelt. Beim jährlichen Presse-Rundgang, elegant vor die Osterferien gelegt, zeigt sich, wie sich der Zoo zwischen Emotion und Erziehung bewegt.

Baban und die Fotografenkarawane ziehen vorbei an Baustellen und Neugeborenen. Zum Beispiel wird die Außenanlage der Gibbons neu gestaltet, mit einem ganz besonderen Bambus. Der stammt aus Kolumbien und ist für den Architekten Baban "der Baustoff der Zukunft". Er sei extrem gerade, habe einen Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern, sei sehr widerstandsfähig und wachse im Idealfall bis zu einem Meter pro Tag. Eine Lösung für nachhaltiges Bauen? Baban schaut so begeistert wie beim Anblick des Gibbon-Babys. Auch über Bambus lernt man hier. Nebenan wird das Gehege der Drills umgebaut, was vorher "eine Betonkiste" war und bald ein mit Kunstfelsen aus eigener Herstellung modellierte Annäherung an die natürliche Umgebung der Tiere sein soll.

Beim Katta-Nachwuchs ist dann die "Wie süß!"-Fraktion nah an der Scheibe (die bald erneuert wird, auch hier wird umgebaut), wobei sich das Jungtier nicht aus dem Schoß der Mutter traut, während man das am 13. März geschlüpfte Trauerschwan-Junge gut sehen kann. Es ist im Gegensatz zur Mama grau. Ebenso wie die Graugänse, die sich wieder im Zoo niederlassen. "Im Frühjahr habe ich einige Paare in den Isarauen gesehen", sagt Baban, aber seit da wieder die Grill-Party-Fraktionen unterwegs seien, sind die Vögel nach Hellabrunn gezogen und brüten jetzt hier. Beim Emu-Nachwuchs ist wie bei vielen der Neuzugängen noch kein Geschlecht feststellbar und deshalb noch kein Name vergeben, während die acht neuen Bulgarenziegen das Jahr der T-Namen schon ordentlich ausreizen (Thor, Thalia, Tausendschön, Tamariske, Tabaluga, Tim Thaler, Taco und Tequila). Die Namen suchen im Übrigen die Pfleger aus, da hat Baban nichts zu melden.

Jungtiere ziehen die Besucher an, Infotafeln und Zoo-Guides klären auf. Das ist die Hellabrunn-Taktik. Und sie geht auf. Baban sieht einen Trend: "Die Leute fragen weniger nach neuen Bauten und Tieren, sondern mehr nach der Bedrohung der Tiere." Das stellten er und die vielen ehrenamtlichen Zoo-Führer fest. Wobei ein herzallerliebstes Drill-Baby natürlich auch nie schadet, um auf die sehr bedrohte Affen-Art aufmerksam zu machen.