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Tierpark Hellabrunn:Aug' in Aug' mit dem Python

Der neue Direktor des Tierpark Hellabrunn, Rasem Barban, stellt sich gemeinsam mit Schlange Susi vor.

(Foto: Catherina Hess)

Der Münchner Zoo hat einen neuen Chef. Und Rasem Baban hat gleich drei Ideen, mit denen er den Tierpark fit für die Zukunft machen will. Nur eine Frage bleibt offen: Wie sollen all die Visionen finanziert werden?

Viele Menschen fürchten sich vor Schlangen. Aber manchmal kann ein Königspython auch die Rettung sein. "Herr Müller, ich glaub', die Schlange hat genug!" ruft Rasem Baban dem Tierpfleger zu. Die kleine Schlange Susi aus dem Dschungelhaus hat ihren Job als Accessoire auf dem Foto des neuen Tierparkdirektors wie ein Profi erledigt.

Nicht einmal von den aufgeregten Zwischenrufen der Fotografen und Fernsehleute hat sie sich irritieren lassen: "Haben Sie keine größere Schlange?" - "Die Schlange soll noch mal hergucken!" Jetzt aber ist es genug für Susi, und man hat den Eindruck: Jetzt ist es auch genug für den neuen Zoodirektor. Falls er immer schon einmal wissen wollte, wie sich das tollste Tier im Tierpark fühlt, wenn alle es begaffen - viel näher wird er diesem Gefühl wohl nicht mehr kommen.

Eine Ur-Münchner Erfindung

Theatralik ist seine Sache nicht, das sagt der Neue selbst: "Die Tiere sind hier doch die Protagonisten!" Aber man kann es sich halt nicht immer aussuchen, und am Mittwoch um 9.30 Uhr war für Rasem Baban sozusagen Schaufütterung, also Showtime. Bis zu seinem Dienstantritt am vergangenen Freitag hatte sich der neue Chef des Tierparks Hellabrunn nämlich noch bedeckt gehalten, was seine Pläne für die Zukunft des Zoos angeht. Am Mittwoch verriet er drei konkrete Ideen.

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Das wichtigste Thema ist für ihn das bewährte Konzept des Geozoos - dem er sich künftig auf zwei Wegen verstärkt widmen will. Der Geozoo ist eine Ur-Münchner Erfindung aus dem Jahr 1928. Seitdem werden die Tiere in Hellabrunn nicht nach Gattungen, sondern nach Lebensraum gezeigt - theoretisch zumindest. Denn in der Vergangenheit sei das Prinzip etwas verwässert worden. Erst unter seinem Vorgänger Andreas Knieriem habe man sich wieder mehr auf diesen Anspruch besonnen.

Baban will die Idee des Geozoos künftig aber noch weiter treiben, damit auch der Besucher immer weiß, auf welchem Erdteil er sich gerade befindet. Das kann bedeuten, dass das ein oder andere Tier umziehen muss, um wieder Ordnung auf die Kontinente zu bringen. Vor allem aber will Baban den Geozoo auf den Besucherraum ausdehnen, auf die Wege, die Imbisse und sogar noch weiter: "Eine Toilette in Asien sieht eben anders aus als eine Toilette in Afrika." Und schiebt gleich hinterher: "Sauber und hygienisch werden alle sein."

Mit neuem Label in die Zukunft

Baban hat sich auch vorgenommen, Hellabrunn mit einem neuen Label in die Zukunft zu bringen: dem "Geozoo der Biodiversität". Die Besucher sollen konkreter erfahren, wie sich ihr Handeln auf die Natur auswirkt, oder positiv formuliert: wie sie mit kleinen Maßnahmen auch daheim bedrohten Tierarten helfen können.

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Früher hätten Tierparks ihren Bildungsauftrag oft eher plump erfüllt, nach dem Motto: Der Klimawandel bedroht die Lebenswelt der Eisbären, und der Mensch ist daran schuld. Für die Besucher seien solche Aussagen frustrierend: "Die denken sich dann, ich hab ja schon keine Gartenmöbel aus Tropenholz, viel mehr kann ich sowieso nicht tun", sagt Baban. Tatsächlich könne man aber sehr viel tun, und dafür will er die Besucher begeistern.

Ideen dafür sollen künftig auf den Erklärtafeln zu finden sein. Vor allem aber wird sich das neue Label beim künftigen "Mühlbauernhof" auswirken, dort, wo heute der Streichelzoo ist. Baban will versuchen, einen alten Alpenbauernhof dorthin zu versetzen. In dem soll gezeigt werden, wie die Menschen vor 300 Jahren im Einklang mit der Natur gelebt haben, mit alten Haustierrassen, die heute vom Aussterben bedroht sind. Direkt daneben soll ein Musterhaus zeigen, wie nachhaltiges Leben im 21. Jahrhundert funktionieren kann: mit Geothermie, Solarenergie und aus recycelbaren Stoffen gebaut. Der Plan dahinter: "Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten der Einzelne heute hat", sagt Baban.

Dass sich der studierte Architekt Gedanken um das Bauliche macht, zeigt auch Babans dritte Idee, die erst einmal ein bisschen gruselig klingt: Von sichtbaren Barrieren zwischen Tier und Mensch will er sich soweit wie möglich verabschieden. "Die Besucher sollen den natürlichen Respekt vor den Tieren zurückgewinnen", sagt Baban.

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Heimliche Stars im Gehege

Dann würde ihnen auch wieder bewusst, dass Mensch und Tier Teile derselben Lebenswelt sind. Im Idealfall, so stellt sich Baban das zumindest vor, soll man zum Beispiel die Raubkatzen nicht nur sehen, sondern auch hören und sogar riechen können. Wie das gehen soll? "Lassen Sie sich überraschen!" Nur Fachleute würden erkennen, wie die Absperrung funktioniert. "Die hohe Kunst der Zooarchitektur macht vieles möglich."

Bleibt die Frage, wie all das finanziert werden soll. Aber für Baban steht die Idee am Anfang: "Geben Sie mir noch etwas Zeit. Mit Kreativität findet man immer einen Weg."