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Tiere:Der Münchner hat ein gestörtes Verhältnis zur Natur

Lamm Rosi

Lamm Rosi wurde vor zwei Jahren bei einer Razzia in einem Pasinger Bordell gefunden. Die Prostituierte Nora wollte es mit einer Flasche großziehen.

(Foto: Tierheim München)

Vor allem zu Schafen. Skudden-Bock Eros und seine Herde sollen das nun ändern.

Kolumne von Isabel Meixner

Landbewohner machen sich gerne über die Münchner lustig, und das ein Stück weit auch zurecht. Da muss man noch nicht einmal die milchgebende lila Kuh bemühen, an die Stadtkinder ja angeblich glauben; es reicht, am Wochenende in den Bergen einem Münchner zuzuhören, wie er die umliegenden Gipfel beschreibt - grad dass in der Ferne nicht der Mount Everest zu sehen ist. Oder man beobachtet im Park Menschen, die sich selbst sehr wichtig nehmen, während sie die Hinterlassenschaften ihres Hundes mit Plastiktütchen einsammeln.

Bei Tieren ist es für den Münchner zugegebenermaßen auch enorm schwierig, ein normales Verhältnis zur Natur aufzubauen. Das gilt speziell bei Schafen. "Ausgerissene Schafherde überfrisst sich und stirbt", "Sie joggten einfach mit ... 600 Schafe crashen Wohltätigkeitslauf" oder "Hundesteuer-Hinterziehung: Mann behauptet, sein Hund sei ein Schaf" - das sind nur einige der Schlagzeilen, mit denen, auch in der SZ, die wollenen Tiere zuletzt auf sich aufmerksam gemacht haben.

Und dann war da noch der Skandal um Rosi vor zwei Jahren: Die Polizei entdeckte bei einer Razzia in einem Pasinger Bordell ein Lamm und taufte es kurzerhand "Hurz". Die Prostituierte Nora hatte, wie sich herausstellte, das drei Wochen alte Rotkopfschäfchen mit dem wahren Namen Rosi aus dem Nürnberger Zoo gestohlen und wollte es mit einer Flasche großziehen. Dass Nora früher selbst Schafe gehütet hatte, war nur eine dieser an Pointen reichen Geschichte.

Schon bald dürfte wieder ein Schäfer mit seiner Herde Stadtgespräch werden. Zwar geht es dieses Mal nicht um Lämmer, die in Betten von irgendwelchen Prostituierten schlafen; dafür aber um einen Bock namens Eros, der mit drei weiblichen Schafen auf ein Dach am Ostbahnhof ziehen soll. Die Almhütte im Werksviertel steht schon, das Gras ist hoch genug gewachsen und ein Schäfer für die Skudden, eine der ältesten Hausschafrassen, ist schon gefunden.

Was noch fehlt, ist das Okay des Veterinäramts. Irgendwann sollen noch Hühner auf dem Dach leben, Bienenvölker sind schon untergebracht. Warum das Ganze? Man wolle Schulklassen die Natur ein wenig näher bringen, heißt es. Damit die nächste Generation zumindest ein Schaf von einem Pudel unterscheiden kann, wenn sie von der Dachterrasse aus den Schafreuter mit der Zugspitze verwechselt.

© SZ vom 30.08.2017/imei
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