Tickets für alle Fälle Eng kalkuliert

Mit besonderen Angeboten locken die Bahnunternehmen Bergwanderer ins Oberland. Denen kann es passieren, dass die Plätze in den Zügen nicht ausreichen

Von Marco Völklein

Wer München hört, denkt an die nahen Berge. Nicht nur bei Einheimischen ist das so, auch viele Besucher assoziieren die Stadt gerne mit den Ausflugszielen im Oberland. Die Verkehrsunternehmen versuchen, mit speziellen Angeboten gezielt Ausflügler anzusprechen. Die Deutsche Bahn (DB) will so "Kunden vom Individualverkehr oder vom Fernbus gewinnen", sagt Patrick Pönisch, Marketingleiter bei DB Regio Bayern. Außerhalb des Berufsverkehrs seien in vielen Regionalzügen noch Kapazitäten frei, sagt er: "Wir können also ganz gezielt günstige Tickets anbieten und dabei anderen Konkurrenz machen."

So kann man zum Beispiel seit 1. August mit dem "Werdenfels-Ticket" der Bahn nicht nur wie bisher von München bis Mittenwald fahren, sondern für vier Euro Aufpreis pro Person weiter bis nach Innsbruck. Das Werdenfels-Ticket gilt für bis zu fünf Personen ganztägig im Regionalverkehr zwischen München und Mittenwald sowie auf den Nebenstrecken Tutzing-Kochel, Murnau-Oberammergau und Garmisch-Pfronten-Ried. Es kostet 19 Euro für den ersten Fahrgast plus vier Euro je Mitfahrer. Gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bietet die DB zudem für einige Züge zwischen München und Innsbruck seit Kurzem Fahrten ab 9,50 Euro pro Person an. Die Zahl dieser Tickets ist aber begrenzt, und sie sind nur für ausgewählte Züge erhältlich.

Ähnlich wie die Deutsche Bahn hat auch die Bayerische Oberlandbahn (BOB) sowie deren Schwesterunternehmen, der Meridian, spezielle Angebote für Bergausflügler aufgelegt. So kostet das "Guten Tag Ticket" der beiden Anbieter 21 Euro für eine Person und gilt einen Tag lang, aber nur in den BOB- und Meridian-Zügen. Jeder weitere Mitfahrer zahlt fünf Euro, maximal fünf Personen können ein Ticket gemeinsam nutzen. Es ist montags bis freitags von neun Uhr an bis drei Uhr des Folgetages gültig, an den Wochenenden und bayerischen Feiertagen ganztags. Bis zum 16. September gibt es ein besonderes Angebot für Frühaufsteher: Wer zwei Euro Aufpreis pro Person zahlt, darf auch unter der Woche vor neun Uhr mit BOB und Meridian fahren. Wer ausschließlich mit den Zügen der BOB in die Berge reist, für den bietet sich das "Oberland-Ticket" für 17 Euro pro Person an. Auch dieses gilt Montag bis Freitag erst von neun Uhr an, an Wochenenden ganztägig. Ein Frühaufsteher-Angebot wie beim "Guten Tag Ticket" gibt es hier nicht.

Diese Angebote haben aber auch einen Haken: Sie ziehen - insbesondere an schönen Wochenenden - mitunter so viele Fahrgäste in die Züge, dass es dort mehr als eng wird. Immer wieder berichten verärgerte Passagiere von völlig überfüllten Waggons, teilweise bleiben auch Kunden an den Bahnsteigen stehen, weil sie schlicht an den Zugtüren nicht mehr reinkommen. Ende Juli musste die BOB-Leitung die Polizei an den Bahnhof Gmund rufen, damit diese Ordnung im Zug schuf. Auch die Radfahrerabteile sind rasch voll. Viele enttäuschte Radler müssen dann am Bahnsteig zurückbleiben.

Die Unternehmen versuchen, dem Andrang mit erhöhten Kapazitäten zu begegnen. So setzt die DB nach eigenen Angaben an Wochenenden im Sommer im Werdenfels zusätzliche Züge mit Packwagen für Fahrräder ein. Und BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch verspricht, die erfahrungsgemäß stark ausgelasteten Zugteile von und nach Tegernsee möglichst in Doppeltraktion fahren zu lassen - also mit doppelter Anzahl an Plätzen. Ferner will er an den Bahnsteigen in München, Gmund und Schliersee wieder "Radlkoordinatoren" einsetzen. Diese sollen den Leuten helfen, ihr Fahrrad ordentlich und sicher an Bord zu verstauen.